Obwohl die Demokratische Republik Kongo in den vergangenen zwei Jahrzehnten drei Bürgerkriege und Millionen Tote zu beklagen hatte, trauten sich zuletzt langsam wieder Touristen in das Land. Wegen der Gorillas, die in den Wäldern des Kongo leben.

Wie der chinesische Pandabär ist der Gorilla zum Symbol für den weltweiten Tierschutz geworden. Er hat eine solche Anziehungskraft, dass Touristen bereit sind, Hunderte Dollar zu bezahlen, um ihn in Freiheit beobachten zu können. In den Ostkongo, die größte Unruheregion des Landes, könnte dank der Affen endlich Geld kommen. Die Nachbarstaaten Ruanda und Uganda versuchen genau das seit Jahren – mit wachsendem Erfolg. In einem Bericht, den die Umweltorganisation WWF in Auftrag gegeben hat, wird geschätzt, dass der Ökotourismus im Nationalpark Virunga bis zu 175 Millionen Euro pro Jahr einbringen könnte. Viel Potenzial, selbst wenn man die Mission des WWF berücksichtigt. Wären da nicht die Pläne einiger internationaler Ölkonzerne wie Soco International.

Das britische Unternehmen kündigte an, in den kommenden Jahren die Ölvorkommen im Nationalpark Virunga erkunden zu wollen. Der Park zählt zum Welterbe der Unesco, an den Vulkanhängen leben auf kongolesischer Seite gut 200 Berggorillas, eine von zwei Unterarten des Östlichen Gorillas. Der Park ist gesetzlich geschützt, doch sowohl das Umweltministerium als auch Kongos Präsident Joseph Kabila erteilten Soco International eine Ausnahmegenehmigung für die Erkundung.

Etwa 85 Prozent des Nationalparks liegen innerhalb von fünf Gebieten, die von der Regierung als mögliche Erkundungsflächen ausgewiesen wurden. Davon hat sich Soco einen Teil im Süden gesichert. Im Norden hat unter anderem der französische Ölmulti Total zugegriffen. Während Total aber nur außerhalb des Parks Öl suchen will, macht Soco vor dem Park keinen Halt. Und bestreitet, dass künftige Ölbohrungen die Affen gefährden könnten: Die Gorillas kämen nur in einem kleinen Teil des Parks vor, der nahe, aber doch außerhalb des Erkundungsgebiets liege. Ganz ohne Einfluss auf die Umwelt werde es natürlich nicht gehen, die Gorillas seien aber nicht in Gefahr.

Aktivisten widersprechen. Mehrere Umweltorganisationen wie der WWF befürchten, dass die Ausnahme für internationale Konzerne verheerende Wirkung haben werde. Ein großer Teil der kongolesischen Bevölkerung habe bislang das Verbot, in dem Gebiet zu jagen oder zu roden, akzeptiert. Warum sollte sie sich zurückhalten, wenn internationale Konzerne dort Geschäfte machen? Wenn dann noch mehr und mehr Menschen in der Nähe des Parks siedeln, weil sie auf Arbeit hoffen, könnten die Folgen für den Virunga-Park schlimm sein.

Dass die Regierung das Projekt trotz dieser Risiken vorantreibt und den Protest der Unesco, der britischen Regierung und von Naturschutzorganisationen übergeht, kommt einer Kehrtwende gleich. Denn bisher drohte den Gorillas im Kongo vor allem dort Gefahr, wo der Einfluss des Staates nach all den Kriegsjahren gering ist. Dort geraten die Tiere immer wieder zwischen die Fronten verfeindeter Milizen. Wilderer, die tote Gorillas als Trophäen und den lebenden Nachwuchs an reiche Privatzoos verhökern, haben leichtes Spiel. Wälder werden illegal gerodet für Landwirtschaft, Gold- und Coltanminen, oder um Holzkohle zu brennen. Der Bestand der Östlichen Flachlandgorillas, dieser zweiten Unterart des Östlichen Gorillas, ist so innerhalb von nur zwanzig Jahren von 17.000 auf heute etwa 5.000 Tiere zurückgegangen.