Soubey in der SchweizHeimat im Funkloch

Wie ein Schweizer Bauer eine Strukturschwäche als Stärke vermarkten wollte von Burkhard Straßmann

Nachts, wenn alle schlafen, wenn der Hauptschalter am Sicherungskasten auf null steht und draußen am Fluss nur noch Zikaden hörbar sind – dann klappt der Bauer Nicolas Barth in der Küche seinen Laptop auf. Er drückt den On-Schalter. Das Anschaltsignal erklingt. Die Festplatte beginnt mit Batteriestrom zu arbeiten. Sofort ertönt aus der oberen Etage ein Schmerzensschrei. Und gleich darauf reißt jemand die Küchentür auf: "Was treibst du da? Kannst du keine Rücksicht nehmen?"

Es ist Marianne, die Untermieterin.

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Viele solcher Situationen hat es gegeben. Und es wurde immer schlimmer. Dabei ist Nicolas seiner Untermieterin und deren beiden Leidensgefährtinnen schon so weit entgegengekommen. Die Elektrokabel sind ummantelt. Schaltet man das Licht aus, wird gleichzeitig die Zuleitung spannungsfrei geschaltet. Täglich wird der gesamte Hof für viele Stunden vom Stromnetz genommen. Darum ist auch der Weg zum Kühlschrank recht weit: Drei Kilometer muss man fahren, bis zum Gemeindekühlhaus in Soubey.

Das Tal des Flusses Doubs im Kanton Jura ist eines der wenigen zuverlässigen Funklöcher der Schweiz. Handyfreie Zone, in Fachkreisen Zone blanche genannt. Ebendies war der Anlass für die drei elektrosensiblen Damen, auf Nicolas' Hof um Zuflucht zu bitten. Doch als der Bauer einmal ein paar Bretter elektrisch sägen wollte, wurde er beschimpft: Ob er seine Gäste ermorden wolle? Die Laptop-Episode ist dann der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Und sie markiert den Anfang vom Ende der Idee vom "strahlenfreien" Dörfchen Soubey.

Begonnen hatte die ganze Geschichte im Jahr 2009. Ein älteres französisches Ehepaar zog durch die Provinz, auf der Suche nach einem Zufluchtsort für ihre Tochter Marianne. Die litt an quälenden Kopfschmerzen, starkem Herzklopfen, Atemnot. Mit ihrem hageren, tief eingekerbten Gesicht sah sie aus wie eine Schwerkranke. Man hatte sie schon in der Psychiatrie therapiert, ans Bett fixiert, ihr Medikamente gegeben – nichts hatte geholfen. Marianne war sich nun gewiss: Sie war hochgradig elektrosensibel.

So war ihrer Ansicht nach auch nicht die Fesselung in der Klinik ihr größtes Problem gewesen, sondern die Neonlampe über dem Bett. Und nun suchten ihre Eltern nach einem Platz "ohne Strahlen". Das Doubs-Tal bei Soubey an der Grenze zu Frankreich schien ideal für die Elektrosensible – kein Netz, kein Handy, keine pulsierte Hochfrequenzstrahlung. Marianne zog mit ihrem Sohn und zwei ebenfalls betroffenen Freundinnen beim Bauer Nicolas ein.

Nicolas Barth ist eine Mischung aus Aussteiger, Landfreak, Weltverbesserer, Netzwerker und Philosoph. Der Spross einer Schweizer Theologendynastie wollte einst Jurist und Staranwalt werden, doch ihm kamen "seriöse Sinnkrisen" dazwischen. Ein Erbe erlaubte ihm den Kauf des jurassischen Bauernhofs und den Ausstieg aus der bürgerlichen Existenz. Seither engagiert er sich für Naturschutz, lebt von ein paar Kühen, seinem Garten und Staatssubventionen für Alternativagrarier. Er lässt Leute bei sich leben, arbeitete eine Zeit lang mit problematischen Jugendlichen und denkt sich immer neue Existenzgrundlagen aus.

Die Zone blanche in Soubey, also ein besonders strahlenarmes Gebiet als Zufluchtsort für Menschen, die glauben, unter Strahlen zu leiden, schien solch eine gute Idee. Als die drei Frauen bei ihm anklopften, sah es zunächst erfreulich aus. Die Damen fühlten sich wohl, schienen zu genesen. Könnte man nicht aus der sonst als unzivilisiert empfundenen Funkloch-Lage Kapital schlagen? Aus der Strukturschwäche eine Stärke machen? Soubey hat in den letzten hundert Jahren 60 Prozent seiner Einwohner verloren, heute wohnen dort bloß noch rund 150 meist ältere Leute.

Leserkommentare
    • Rend
    • 30. August 2013 18:30 Uhr

    Oder sind das eingebildete Krankheiten? Ich meine, ich fange auch an zu hyperventilieren und Kopfschmerzen zu kriegen, wenn ich ne richtig fette große Spinne sehe. Da macht mich aber nicht die Spinne krank, die sitzt einfach nur gemütlich an der Wand. Da passiert eher auf psychischer Ebene was bei mir.

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    Eine vor kurzen veröffentliche Untersuchung hat herausgefunden, dass nur Leute an Elektrosmog erkranken, die auch daran glauben.

    Jeder andere wird nicht krank!

    Ob alles Elektrosensible "eingebildete Kranke" sind, dürfte schwer zu beweisen sein. Aber bei vielen dürfte das wohl tatsächlich zutreffen.

    Aus einem ZEIT-Artikel, der gestern auf ZEIT Online veröffentlicht wurde:

    "Sie installierten einen mobilen Sendemast im Ort und überwachten den Schlaf von knapp 400 Freiwilligen mithilfe von Sensoren. Außerdem bewerteten die Probanden die Qualität ihres Schlafs in einem Fragebogen. Diejenigen, die sich zuvor besorgt über Elektrosmog geäußert hatten – jeder Dritte nämlich –, schliefen nach dem Errichten des Sendemasts objektiv schlechter. Sie schliefen später ein und wachten nachts häufiger auf. In der Tat: Auf Dauer ist so etwas ungesund.

    Was man den Probanden verschwiegen hatte: In fünf von zehn Nächten war der Sender gar nicht aktiv. Elektrosmog macht also manche krank, selbst wenn er gar nicht da ist. Auch in vielen anderen Experimenten ist es Elektrosensiblen bislang nicht gelungen, ihr vermeintliches Gespür für die Strahlung unter Beweis zu stellen."

    Ob beim Beispiel aus diesem Artikel der "Schmerzensschrei" von oben auch ertönt wäre, wenn am Laptop der Ton beim Hochfahren ausgeschaltet gewesen wäre und die elektrosensible Dame im Stockwerk darüber keinen Anschaltton vernommen hätte? Wohl eher nicht.

    "Er drückt den On-Schalter. Das Anschaltsignal erklingt. Die Festplatte beginnt mit Batteriestrom zu arbeiten. Sofort ertönt aus der oberen Etage ein Schmerzensschrei."

    Spinne ist Mutter. Also Unterbewusste Muster die mit der Mutter zu tun haben. Kann man los werden. Also die Spinnenphobie ))

    Ja die Krankheit gibt es. Die Leider der Mentschen sind auch Real.

    Allerdings handelt es sich um einen nonplacebo effect der duch den Glauben das etwas schlecht auf den Körper wirkt ausgelöst wird, und nicht um einwirkungen von Strahlen.

    Die Wissenschaft hat das Phänommän schon komplett untersucht und kann auch alle Zusammenhänge erklären. Nur eine Heilmetode ist noch nicht wirklich gefunden da das mentschlicht Bewustsein nun mal leider nicht so einfach arbeitet. Und pychatische Heilungsansätze immer erst mal auf den Mentschen zugeschnetten werden müssen, und auch weil es wohl mehrere Auslöser gibt bei denen die Idee im Unterbewustsein geboren wird das man krank von etwas wird.

    Die Fälle das Mentschen Kopfschmertzen oder beschwerden bei Strichkods bekommen sind da ähnlich.

  1. Eine vor kurzen veröffentliche Untersuchung hat herausgefunden, dass nur Leute an Elektrosmog erkranken, die auch daran glauben.

    Jeder andere wird nicht krank!

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    die Leute werden nur krank wenn sie sich das einreden lassen. Die Masche ist immer dieselbe und viele fallen darauf rein. Nicht umsonst rennen viele dauernd, eigentlich ohne Grund zum Arzt.

  2. Ob alles Elektrosensible "eingebildete Kranke" sind, dürfte schwer zu beweisen sein. Aber bei vielen dürfte das wohl tatsächlich zutreffen.

    Aus einem ZEIT-Artikel, der gestern auf ZEIT Online veröffentlicht wurde:

    "Sie installierten einen mobilen Sendemast im Ort und überwachten den Schlaf von knapp 400 Freiwilligen mithilfe von Sensoren. Außerdem bewerteten die Probanden die Qualität ihres Schlafs in einem Fragebogen. Diejenigen, die sich zuvor besorgt über Elektrosmog geäußert hatten – jeder Dritte nämlich –, schliefen nach dem Errichten des Sendemasts objektiv schlechter. Sie schliefen später ein und wachten nachts häufiger auf. In der Tat: Auf Dauer ist so etwas ungesund.

    Was man den Probanden verschwiegen hatte: In fünf von zehn Nächten war der Sender gar nicht aktiv. Elektrosmog macht also manche krank, selbst wenn er gar nicht da ist. Auch in vielen anderen Experimenten ist es Elektrosensiblen bislang nicht gelungen, ihr vermeintliches Gespür für die Strahlung unter Beweis zu stellen."

    Ob beim Beispiel aus diesem Artikel der "Schmerzensschrei" von oben auch ertönt wäre, wenn am Laptop der Ton beim Hochfahren ausgeschaltet gewesen wäre und die elektrosensible Dame im Stockwerk darüber keinen Anschaltton vernommen hätte? Wohl eher nicht.

    "Er drückt den On-Schalter. Das Anschaltsignal erklingt. Die Festplatte beginnt mit Batteriestrom zu arbeiten. Sofort ertönt aus der oberen Etage ein Schmerzensschrei."

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  3. Zitat:
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    Das Anschaltsignal erklingt. Die Festplatte beginnt mit Batteriestrom zu arbeiten. Sofort ertönt aus der oberen Etage ein Schmerzensschrei. Und gleich darauf reißt jemand die Küchentür auf: "Was treibst du da? Kannst du keine Rücksicht nehmen?"
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    Ist das in irgendeiner Form belegbar? Wurde es überprüft? Ich will ganz ehrlich sein: Ich glaube kein Wort davon.

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  4. gibt es leider öfters. Eine Tante von mir wurde 10! Jahre lang auf rheumatische Syndrome behandelt, bis endlich die richtige Diagnose gestellte wurde und die Krankheit beseitigt werden konnte.

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    ... eine Borreliose ist fürs Leben; allenfalls die Symptome lassen sich etwas lindern.

    Mir ist auch eine Person bekannt, die jahrelang wie ein Gespenst aussah, wegen der unterschiedlichsten Krankheiten behandelt wurde und dann schließlich nach der Diagnose einer verschleppten Borreliose und deren Behandlung wieder aussieht wie ein Mensch... Es ist nahezu ein Unterschied wie Nacht und Tag.
    Aber auch Borrelliose hat sich, wie Elektrosmog, wohl in manchen Kreisen zur "Modeerklärung" für alle möglichen unerklärlichen Beschwerden entwickelt, samt nicht immer seriösen Diagnose- und Behandlungsverfahren. Im Zweifelsfall mehr als eine Meinung einzuholen, einen handfesten Nachweis der Bakterien einzufordern und auch an andere Ursachen zu denken dürfte genauso sinnvoll sein wie bei vielem Anderem...

  5. Spinne ist Mutter. Also Unterbewusste Muster die mit der Mutter zu tun haben. Kann man los werden. Also die Spinnenphobie ))

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    • Rend
    • 30. August 2013 20:38 Uhr

    Spinne ist für mich 8-beiniges undefinierbares Monster, das eher aus einem lovecraftschen Horror-Roman zu stammen scheint, als von der Erde, und auf sehr abartige Weise seine Opfer tötet.

    Das werde ich nicht mehr los^^

    Ausserdem hab ich ja kein Problem mit Kleinen, selbst wenn die mir über die Hand laufen, die husch ich einfach weg.

    Naja, soviel nur kurz zu meinen persönlichen Psychosen :)

    • Rend
    • 30. August 2013 20:38 Uhr

    Spinne ist für mich 8-beiniges undefinierbares Monster, das eher aus einem lovecraftschen Horror-Roman zu stammen scheint, als von der Erde, und auf sehr abartige Weise seine Opfer tötet.

    Das werde ich nicht mehr los^^

    Ausserdem hab ich ja kein Problem mit Kleinen, selbst wenn die mir über die Hand laufen, die husch ich einfach weg.

    Naja, soviel nur kurz zu meinen persönlichen Psychosen :)

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  6. Ja die Krankheit gibt es. Die Leider der Mentschen sind auch Real.

    Allerdings handelt es sich um einen nonplacebo effect der duch den Glauben das etwas schlecht auf den Körper wirkt ausgelöst wird, und nicht um einwirkungen von Strahlen.

    Die Wissenschaft hat das Phänommän schon komplett untersucht und kann auch alle Zusammenhänge erklären. Nur eine Heilmetode ist noch nicht wirklich gefunden da das mentschlicht Bewustsein nun mal leider nicht so einfach arbeitet. Und pychatische Heilungsansätze immer erst mal auf den Mentschen zugeschnetten werden müssen, und auch weil es wohl mehrere Auslöser gibt bei denen die Idee im Unterbewustsein geboren wird das man krank von etwas wird.

    Die Fälle das Mentschen Kopfschmertzen oder beschwerden bei Strichkods bekommen sind da ähnlich.

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    • chodo
    • 30. August 2013 23:39 Uhr

    Den Nocebo-Effekt gibt es wirklich. Nocebo = "ich werde schaden." Es ist zwar das Gegenteil von Placebo, aber dennoch ein eigenes Wort mit eigener Bedeutung und keine bloße Verneinung.

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  • Schlagworte Elektrosmog | Schweiz | Dorf | Mobilfunk | Gesundheitsrisiko
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