Wenn ein Baby mit dem Kopf nach unten geboren wird, dann sieht es die ersten Szenen seines neuen Lebens tatsächlich auf dem Kopf stehend. Ansonsten ergibt die Frage nicht viel Sinn.

Es stimmt, dass die Linse unseres Auges das Bild der Außenwelt kopfüber und seitenverkehrt auf die Netzhaut projiziert. Was oben ist, landet unten, was rechts ist, landet links. Die Vorstellung, nun müsste irgendeine Instanz im Gehirn das Bild wieder umdrehen und Babys müssten das erst einmal lernen, ist aber falsch. Das wäre ja so, als stünde hinter der Netzhaut noch ein kleiner Betrachter und würde dieses umgedrehte Bild anschauen. 

Tatsächlich aber verbindet der Sehnerv die Netzhaut mit der entsprechenden Region im visuellen Kortex. Dort sind die Nervenzellen tatsächlich topologisch so angeordnet wie die Projektion – wo "unten" und "oben" ist, das ist dabei ziemlich egal. Wir lernen vom ersten Tag an, welche Nervenzellen welcher Richtung im Raum entsprechen. "Umdrehen" müssten wir die Eindrücke nur, wenn wir vorher einmal andersherum gesehen hätten.

Genau das hat man seit 1896 in Experimenten untersucht, bei denen Testpersonen Brillen trugen, die das Bild auf den Kopf stellten. Tatsächlich waren erwachsene Menschen in der Lage, sich daran zu gewöhnen, zu lesen und sogar Fahrrad zu fahren (ZEIT Nr. 47/99). Dass sie dabei tatsächlich die Welt wieder aufrecht gesehen haben, wird heute aber eher bezweifelt.

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Babys müssen also kein Bild im Kopf umdrehen. Trotzdem hat ihr Sehsinn noch einiges zu lernen: Das fängt schon damit an, dass sie die zwei Einzelbilder, die von den beiden Augen geliefert werden, zu einem verschmelzen müssen. Auch das Fokussieren auf weit entfernte oder sehr nahe Gegenstände fällt Neugeborenen noch schwer. So dauert es eine Weile, bis sie die verwirrenden visuellen Eindrücke der Welt deuten können.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt's?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt's?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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