Die FDP steht für eine Ampel (Rot-Gelb-Grün) nicht zur Verfügung. Das soll bald ein Parteikonvent beschließen. Mich nervt die rituelle Ausschließerei, denn die Ampel ist bei dem wechselseitigen Hass der Protagonisten sowieso undenkbar. Außerdem signalisiert sie mir, dass man mit meiner Stimme eh nicht rechnet.

Ich bin Wechselwähler. Ich habe Rote und Grüne schon gewählt, aber ich passe auch in die gelbe Zielgruppe, nicht nur gemäß meiner Klassenlage. Liberalismus, Bürgerrechte, Fortschritt – eigentlich voll mein Ding! Ich hätte gern eine wählbare freiheitliche Partei.

Ich kann den Abscheu nicht verstehen, mit dem Linke oft über die FDP herziehen. Deutschland ist in Europa das einzige Land, in dem politischer Liberalismus nichts mit Fremdenfeindlichkeit, Euro- und Europa-Hass zu tun hat. Es gab populistische Versuchungen, aber die FDP hat widerstanden, und das ist schon was: Freiheitliche ohne Ressentiment muss man heute mit der Lupe suchen.

Trotzdem: Die FDP braucht eine Auszeit. Wenn man ihren Wahlkampf sieht, scheint sie das auch dumpf zu ahnen. Sie ist geistig schon in der Opposition. Sie macht eine Anti-Kampagne. Sie hat kein Projekt, seit die Steuersenkungen gefloppt sind. Sie will bloß allerlei verhindern: die Verlängerung des Soli, die Aufweichung unserer Währung, die Abschaffung des Gymnasiums, die grünen Steuererhöhungen, die Eurobonds.

Der Soli läuft aber sowieso aus. Der Euro ist trotz Draghi bretthart. Gymnasien können sich vor Schülern kaum retten. Die grünen Steuerpläne sind selbst der SPD zu links. Und die Eurobonds kommen laut Merkel erst dann, wenn die anderen Europäer genau so wirtschaften wie wir (also: nie).

Ich brauche keine Verhinderungspartei. Ich wünsche mir eine liberale Partei, die Freiheitlichkeit durchdenkt bis zu dem Punkt, wo es wehtut: wo der freie Markt Lebenschancen und Ressourcen und damit Freiheit vernichtet. Liberalismus für Erwachsene, das muss doch möglich sein.

Aber vielleicht nicht unter Schwarz-Gelb: Das Regieren mit den Schwarzen tut der FDP nicht gut. Nach den langen Jahren mit Kohl war man geistig und machtpolitisch ausgelaugt und wollte nie wieder Anhängsel sein. Vier Jahre an Merkels Seite – und alles ist noch schlimmer. Trotzdem tönt es "schwarz-gelb oder tot". Ich kann da nicht folgen. Zusammen mit den Sozis sind die Liberalen in den Siebzigern einmal groß geworden. Warum sollte man da irgendwas ausschließen?

Merkel, ungerührt, schließt nichts aus. Die FDP wiederum will mir davor Angst machen. Weil Merkel eh dranbleibt, flüstert Brüderle, musst du mich wählen. Sonst kriegst du eine Große Koalition, und das wird schlimm, weil diese Kanzlerin im Herzen schon zu sehr Sozi ist. Merkel 3.0 erträgst du nur mit der FDP, der letzten Bastion gegen die totale Rotgrünisierung Deutschlands. Misstrauen gegen den angeblichen Wunschpartner schüren, das ist ziemlich verdrehte Werbung. Hoffentlich geht das nach hinten los.

Ich will trotzdem, dass die FDP in den Bundestag kommt – schon damit sie nicht in Wut- und Angstpolitik abdriftet wie ihre europäischen Schwesterparteien. Aber darum Gelb wählen, das ist mir diesmal zu riskant.

Jede Stimme für die FDP birgt die Gefahr, dass Schwarz-Gelb einfach weitermacht.