AuslandsstudiumIm richtigen Moment

Das Bachelorstudium ist kurz und verschult. Trotzdem ist ein Auslandsaufenthalt möglich. von Katja Bosse

Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Auslandsaufenthalt?

Die meisten Studenten gehen derzeit im vierten oder fünften Semester des Bachelorstudiums oder im dritten Semester des Masterstudiums ins Ausland. Das geht aus Befragungen des HIS-Instituts für Hochschulforschung zur Auslandsmobilität deutscher Studierender hervor. Durch die Bologna-Reform und das damit verbundene zweistufige Studiensystem gehen Studenten heute früher und durchschnittlich etwas kürzer ins Ausland als zu Zeiten von Magister und Diplom. Viele nutzen auch die Zeit zwischen Bachelor- und Masterphase für einen Auslandsaufenthalt.

Studenten wählen den Zeitpunkt im Studienablauf heute oft danach aus, welche Studienleistungen sie auch im Ausland erbringen können. Sie schauen zudem, wann sich Anschlusskurse bestmöglich erreichen lassen und wo man – insbesondere für die Masterarbeit – ein Urlaubssemester mit einer Forschungsphase verbinden könnte. "Im besten Fall wählt man von vornherein ein Studium, das einen Auslandsaufenthalt fest im Lehrplan vorsieht", sagt Claudius Habbich vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Diese Möglichkeit gibt es bereits häufig in betriebswirtschaftlichen Studiengängen.

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Wie lange sollte man ins Ausland gehen?

Nach der aktuellen Befragung des HIS sind immer weniger Studenten bereit, die Regelstudienzeit im Bachelor für einen Auslandsaufenthalt zu überschreiten. Das hängt zum einen mit den verschulten Studienstrukturen zusammen und der damit verbundenen Sorge, nach der Rückkehr nicht direkt wieder anschließen zu können. Zum anderen wird der derzeitigen Studentengeneration von Wirtschaft und Politik eingeimpft, dass sie früh fertig werden müsse. Das führt dazu, dass nur noch etwa die Hälfte der Studenten, die während ihres Studiums ins Ausland gehen, dort auch studieren. Die andere Hälfte macht ein Praktikum, nimmt an Studienreisen oder Sprachkursen teil. Der DAAD allerdings rät sehr, ein volles akademisches Jahr in der Ferne zu verbringen: um voll in die Kultur einzutauchen, die Sprache zu vertiefen, kleine Krisen erfolgreich zu meistern, Festtage und Jahreszeiten mitzuerleben. "Kein Arbeitgeber wird es einem anlasten, wenn sich das Studium dadurch verlängert", sagt Claudius Habbich. "Weil man als gestärkte Persönlichkeit zurückkehrt – und kulturelle Kompetenzen hinzugewinnt, die man in kürzerer Zeit kaum anders erlangen kann."

Was ist von Summer Schools zu halten?

Seit einiger Zeit gibt es ein verstärktes Interesse daran, drei- bis achtwöchige Fachkurse an ausländischen Hochschulen zu belegen, um die Sommerpause sinnvoll zu überbrücken. Bislang spielte so ein Mini-Auslandsaufenthalt bei vielen Studenten nur eine untergeordnete Rolle. 2013 nutzen die Stippvisite aber fast doppelt so viele wie 2007 – auch das steigende Angebot renommierter Universitäten für Gaststudenten spricht für diesen Trend. "Um den persönlichen Horizont zu erweitern und internationale Kontakte zu knüpfen, lohnt auch diese Aufenthaltsform", sagt der DAAD-Experte Habbich – zumal man daheim nichts verpasst. Reizvoll sei eine Summer School auch für diejenigen, die ein späteres Auslandssemester in Erwägung ziehen und vorher Erfahrungen sammeln wollen. Ein gleichwertiger Ersatz für ein Auslandsstudium ist die Summer School allerdings nicht.

Wie werden die Kurse nach der Rückkehr anerkannt?

Die fachliche Zielsetzung des Auslandsstudiums sollte man am besten etwa ein halbes Jahr vorher gemeinsam mit dem zuständigen Austauschkoordinator seines Faches erarbeiten. Im sogenannten Learning Agreement sollte dann stehen, welche inhaltlichen Schwerpunkte man setzen und welche konkreten Seminare man an der Gasthochschule besuchen möchte. Kann man einen Kurs vor Ort nicht belegen, kann der Vertrag in den ersten Wochen nachträglich angepasst werden. Nach der Rückkehr reicht man alle Leistungsnachweise beim Koordinator ein. Er gleicht die Unterlagen mit dem Agreement ab und leitet alles an den Prüfungsausschuss weiter. Erstellt der einen Anerkennungsbescheid, geht dieser ans Prüfungsamt, wo die Kreditpunkte endgültig verbucht werden können.

Wer will jetzt zum Studium nach... Ägypten

"Ich studiere Islamwissenschaft, da war es für mich klar, dass ich während des Studiums ins arabisch-sprachige Ausland gehen werde. Ich habe mich für ein spezielles Programm für Arabistikstudenten in Kairo beworben. Zu der Zeit galt die Lage im Land als relativ stabil. Meine Eltern und Freunde haben meine Bewerbung unterstützt, aber als die Zusage kam, hieß es dann: Oh Gott, das kannst du doch nicht machen! Vor allem meine Mutter machte sich große Sorgen. Es war aber nun mal mein Ziel, das Land, die Sprache, seine Kultur und damit auch die Krisensituation kennenzulernen und zu verstehen. Mir war klar, dass sich die Lage im Land noch mehr zuspitzen konnte. Doch dass die Situation nun so eskaliert, war nicht absehbar. Ich habe gerade vom DAAD eine endgültige Absage bekommen, alle Programme für Ägypten wurden ausgesetzt. Doch falls sich die Lage im nächsten Jahr entspannt, werde ich mich noch einmal bewerben."

Magdalena Süß, 21, studiert Islamwissenschaft. Sie wollte ein Semester nach Kairo

Griechenland

"Ich war schon oft in Griechenland, und meine Leidenschaft für die vielseitige Kultur, die Geschichte und die Lebensart ist weitaus stärker als die Bedenken und Vorurteile wegen der wirtschaftlichen Schieflage des Landes. Davon mache ich mir lieber selbst ein Bild. Natürlich hat das Land mit großen Problemen zu kämpfen, mit hoher Arbeitslosigkeit und wachsender Armut. Mich als Musikstudenten interessiert besonders, wie sich die Krise auf das kulturelle Leben auswirkt. Man hört von Kinos, die inzwischen Tickets gegen Mehl tauschen. Ich bin sehr gespannt, ob die Leute in einer Großstadt wie Athen weiterhin am kulturellen Leben teilnehmen und was durch die Krise noch alles aufkommen wird, musikalisch oder kulturell. Oft führen Krisen ja zu neuen Strömungen in der Gesellschaft, in Musik, in Texten oder in der Architektur. Ich hoffe, dass ich mit dem, was ich erleben werde, nach meiner Rückkehr einige Vorurteile über Griechenland ausräumen kann."

Max Brentrup, 21, studiert Musik und Latein. Im Herbst geht er an die University of Athens.

Indien

"Indien – das muss doch mehr sein als Bollywood und Yoga, dachte ich, als ich mich für ein Auslandssemester in Delhi bewarb. Doch als ich von den vielen Vergewaltigungen hörte, habe ich noch vor meiner Abreise einen Selbstverteidigungskurs gemacht. Und um sicher zu sein, dass ich hier gut unterkomme, haben meine Eltern mich anfangs sogar nach Indien begleitet. Ich fühle mich zwar sicher hier, trotzdem ist mein Alltag ein- geschränkter als in Deutschland. Ich gehe hauptsächlich mit weiten, langen Hosen und Blusen sowie zusammengebundenen Haaren auf die Straße, um möglichst unauffällig zu sein. Ich nehme keinen öffentlichen Bus und versuche, nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine unterwegs zu sein. Ich habe zur Sicherheit immer die Notfallnummer der deutschen Botschaft bei mir. Trotz aller Umstände und Risiken, die das Leben hier mit sich bringt, ist es schön, die locals und ihre Kultur kennenzulernen."

Annika Bergbauer, 23, studiert Development Economics an der Delhi School of Economics

Wofür braucht man ein Urlaubssemester?

Etwa drei Monate vor Antritt des Auslandsaufenthaltes reicht man beim Studentensekretariat der Heimathochschule ein oder zwei Urlaubssemester ein (Antragsvordrucke gibt es vor Ort). Es zählt nicht als Fachsemester und wird folglich auch nicht auf die Regelstudienzeit angerechnet. Insbesondere Bafög-Beziehern geht also keine Studienzeit mit finanzieller Unterstützung flöten – im Gegenteil: Sie können für bis zu zwei Urlaubssemester zusätzliches Auslands-Bafög beantragen. Da man weiterhin an seiner Heimat-Uni immatrikuliert ist, steigt lediglich die Zahl der Hochschulsemester.

Welche Möglichkeiten gibt es, ein ganzes Studium im Ausland zu absolvieren?

Dafür bietet sich vor allem die Zeit des Masterstudiums an. Bis dahin hat man die Grundlagen erworben und kann die fachliche Spezialisierung mit einer intensiven Auslandserfahrung kombinieren. Die Seite hochschulkompass.de der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) listet alle Kooperationen deutscher Hochschulen mit dem Ausland auf. Der  DAAD stellt eine weitere Datenbank zur Verfügung. Darüber hinaus kann man sich auf Messen wie Study World oder Mastermap persönlich beraten lassen. Die Bewerbung um einen Masterplatz im Ausland ist allerdings aufwendig, man sollte eineinhalb Jahre Vorlauf einplanen.

Alternativ kommen auch binationale Masterprogramme infrage: Derzeit gibt es an deutschen Hochschulen mehr als 200 Studienangebote, mit denen man einen Doppelabschluss erwerben kann. In der Regel verbringt man das erste Jahr an der Heimathochschule, das zweite im Ausland. Sehr verbreitet sind die doppelten Abschlüsse in den Wirtschafts-, Ingenieur- und Sozialwissenschaften.

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    • Schlagworte Auslandsstudium | Bologna-Reform | Auslandssemester | DAAD | Student
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