Auslandsstudium"Wir optimieren Bewerbungen"

Zu beschäftigt, sich selbst um ein Auslandsstudium zu kümmern? Berater wie Hilka Leicht vermitteln an Unis. Der Service ist kostenlos, aber für das Studium werden Gebühren fällig von Katja Bosse

DIE ZEIT: Frau Leicht, Sie leiten eine Agentur, die deutsche Studenten an ausländische Universitäten vermittelt. Darum kümmern sich doch eigentlich die Auslandsämter der Hochschulen. Reicht das nicht?

Hilka Leicht: Wir arbeiten eng mit ihnen zusammen: Wir halten Vorträge an International Days, kommen zu Campus-Messen, organisieren Themenveranstaltungen zu einzelnen Ländern – und bieten den Mitarbeitern der Auslandsämter an, auf unsere Beratung zu verweisen.

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ZEIT: Wollen die das überhaupt?

Leicht: Das Interesse steigt – schließlich hat sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung zum Ziel gesetzt, dass 50 Prozent der Studierenden bis zu ihrem Abschluss mindestens einen Auslandsaufenthalt verwirklichen. Seitdem sind die Auslandsämter auf Unterstützung angewiesen: Ein Beraterteam, das aus drei, vier Leuten besteht und sich um 20.000 Studenten kümmern soll, kann schließlich nicht auf individuelle Belange eingehen. Da kriegt man höchstens ein paar Infos zu Austauschprogrammen, Stipendien und Partneruniversitäten. Strategische Beratung sieht anders aus.

ZEIT: Und wie sollte die aussehen?

Leicht: Wir haben professionell weitergebildete Studienberater, die in mehreren intensiven Gesprächen abklopfen, wann und wie lange der Studierende ins Ausland gehen möchte, welche Länder für ihn infrage kommen, wie viel Geld er zur Verfügung hat und welche Ziele er mit seinem Aufenthalt verfolgt. Wir zeigen Möglichkeiten auf, wie sich durch Auslands-Bafög und Förderprogramme das Budget aufbessern lässt. Wir optimieren Bewerbungen samt Motivationsschreiben, erinnern an Fristen und weisen auf nötige Unterlagen hin. Und schließlich beraten wir auch dahingehend, welche Uni speziell für eine Fachrichtung interessant sein könnte.

ZEIT: Haben sich die Motive für ein Auslandsstudium geändert?

Leicht: Ja, sogar ganz erheblich. Während die meisten Studenten vor zehn Jahren noch ins Ausland gegangen sind, um herauszufinden, wer sie selbst in einem anderen Kontext sind, wollen heute viele Studenten ihren Lebenslauf damit schmücken – und sich vor Ort so viele Leistungen wie möglich für das Studium daheim anerkennen lassen, um bloß keine Zeit zu verlieren. Deshalb liegt unser Fokus mittlerweile darauf, für sie herauszufinden, wo und wie man sich Studienkurse vorab sichern kann. In Australien und Neuseeland beispielsweise funktioniert das sehr gut.

ZEIT: Wird Ihre Hilfe häufiger nachgefragt, seit es die kompakteren Bachelor- und Masterstudiengänge gibt?

Leicht: Ja, seitdem haben wir einen gewaltigen Zulauf. Die Studierenden sind dankbar für jede Hilfe, weil das Angebot nie zuvor so vielfältig war – und so unübersichtlich. Darüber hinaus gehen die meisten jetzt schon früher ins Ausland. Sie sind also jünger und haben viel mehr Fragen.

Leserkommentare
  1. Der Tanz ums goldene Kalb nimmt seinen weiteren (Lebens-)Lauf. Nun wird der Nachwuchs auch noch wohlbehütet und in Watte gepackt sanft ins Ausland manövriert und die Lebensläufe fremdgeschmückt.

    Fragt sich nur, ob und wann DAS angeblich viel beschäftige Kind, das noch nicht einmal in der Lage ist, sich selbst um ein oder zwei Auslandssemester zu kümmern, tatsächlich selbständig wird.

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    Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich die Prüfungsämter der deutschen Universitäten sehr sehr schwer tun, Leistungen, die während des oder der Auslandssemester an den dortigen Universitäten erbracht wurden, anzuerkennen. Die Universitäten im Ausland stehen bei den Juristen, Verwaltungs- und Betriebswirten der deutschen Prüfungsämter unter dem Generalverdacht, den deutschen Studenten die Scheine hinterher zu werfen. Und die deutschen Studenten stehen unter dem Generalverdacht, beim Auslandsaufenthalt nur Party gemacht zu haben. Die Regel ist: wer ein oder zwei Semester im Ausland war, muss anschließend diese Semester an der deutschen Universität nachholen.

    Was mir inzwischen allerdings an deutschen Universitäten auffällt, ist ein Phänomen, das ich zu meiner Zeit bestenfalls aus der Grundschule kannte: da werden viele Studenten inzwischen morgens von ihren Eltern zur Uni gebracht. Und es gibt an den Universitäten inzwischen auch Elternabende. Zu meiner Zeit wäre das undenkbar gewesen. Man wurde nach dem Abitur einfach ins kalte Wasser geschmissen, hatte seine erste eigene Wohung bzw. ein Zimmer in einer WG und musste sich alles selbst organisieren. Aber das waren ja noch die guten Zeiten des Diploms - die Zeit, in der die Studenten angeblich so faul waren.

    • nouraa
    • 10. September 2013 10:33 Uhr

    Ich weiß garnicht, was es da groß zu beraten gibt... auf den Homepages jeder Uni gibt es Seitenweise Infos zu Partnerunis, Bewerbungen und Ansprechpartnern an der Uni. Und auch Stipendien werden da massenweise ausgeschrieben und sind (wenn man erstmal die Unterlagen gesammelt hat) wirklich leicht zu haben. Und dann muss man keine Studiengebühren zahlen sondern bekommt (vor allem bei Partneruniversitäten) häufig Teil- oder Vollstipendien. Zusammen mit dem Auslandsbafög kann man also ein halbes oder ein Jahr wunderbar im Ausland studieren und auch im Land herumreisen und viel angucken.

    Wer natürlich zu faul ist, um sich das durchzulesen und die Anstrengung zu machen Bewerbungsunterlagen selbst zusammen zu suchen der sollte meiner Meinung nach garnicht erst ins Ausland gehen, da man sich dort ja auch um fast alles selbst kümmern muss.

    Die Informationen sind schon so offen und einfach überall zu erhalten, da braucht man doch keinen extra Berater!

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    Heute bieten Universitäten ELTERNABENDE an. Und die Nachfrage danach ist groß. Ebenso beobachte ich, dass Studenten (!) von ihren Eltern wie Schulkinder zur Uni gebracht und wieder abgeholt werden.
    Kein Wunder, dass Studenten beim Auslandssemester unterstellt wird, sie würden im Ausland nur Party machen und abhängen - und nicht über den Büchern brüten.

  2. Manche brauchen nach 12 Semestern noch einen Berater für ihre Krankenversicherung und Finanzen.
    Was man im Studium nicht lernte, kann man schließlich nicht.
    Gibt doch für alles Spezialisten die auf Provisionen aus sind.

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  3. Ich habe während meines Studiums ein Auslandssemester eingelegt und mehrere Veranstaltungen im Ausland mitgemacht (die teilweise ein oder zwei Wochen dauerten).

    Dazu musste ich nicht zu einem Berater sondern nur mit offenen Augen durch meine Fakultät gehen. Überall hingen riesige Poster mit Ausschreibungen für diverseste Programme unterschiedlichster Organistionen vom DAAD bis hin zur Deutsch-Amerikanischen Juristen-Vereinigung.

    Dann hieß es noch, Bewerbungen schreiben und schon war alles in Sack und Tüten.

    Ich denke heute noch, dass meine Mitstudenten wohl blind gewesen sein müssen. Und dann immer dieses Gejammer: "Ohhh, was du alles gemacht hast und wo du überall warst. Das würde ich auch so gerne." Was soll man da noch sagen, wenn überall in der Fakultät Plakate für Auslandsprogramme rumhängen und sich doch keiner bewirbt.

    Da braucht man dann natürlich auch einen Berater, der einen an die Hand nimmt und da durchführt.

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  4. << Während die meisten Studenten vor zehn Jahren noch ins Ausland gegangen sind, um herauszufinden, wer sie selbst in einem anderen Kontext sind, wollen heute viele Studenten ihren Lebenslauf damit schmücken – und sich vor Ort so viele Leistungen wie möglich für das Studium daheim anerkennen lassen, um bloß keine Zeit zu verlieren. <<

    Dann hat die zukünftige Elite (oder was sich dafür hält) den Kapitalismus ja hervorragend internalisiert, Max Weber hatte ja schon vor Ewigkeiten analysiert, dass die Marktwirtschaft sich genau die Individuun züchtet, die sie zur Verwertung braucht.
    Et voilá!
    Die menschenverachtende Weltanschauung ist also schon massenpräsent (vergleichbar dem Sozialdarwinismus und Rassismus des 20. Jahrhunderts) in den Köpfen verankert, es fehlt nur noch die große Krise und ein autoritärer Messias um den totalen Markt und damit die nächste globale Groß-Barbarei umzusetzen.
    Glückwunsch, liebe Menschheit!

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    • Abwaka
    • 10. September 2013 11:57 Uhr

    Wie kann man nur den unseren Kapitalismus nur so in den Dreck ziehen. Ohne ihn wären wir doch nur Kommunisten oder Höhlenmenschen die sich in keinster Weise weiterentwickeln würden.

    *ironieoff*

    • R4mbo
    • 10. September 2013 13:30 Uhr

    "Max Weber hatte ja schon vor Ewigkeiten analysiert, dass die Marktwirtschaft sich genau die Individuun züchtet, die sie zur Verwertung braucht."
    Sie versucht es. Leute werden irgendwo hingeschickt, bekommen Zertifikate und was weiß ich, Papier halt ^^, aber entscheidend ist doch was im Kopf drin ist. Sooo, dann haben wir jetzt 2013, fast das gesamte Wissen der Menschheit ist im Internet verfügbar. Beispiel: http://www.uctv.tv/ondemand/
    runterscrollen. Das heißt, Menschen können ihren eigenen Bildungsweg gehen, ganz ohne Auslandsstudium, sogar ohne Schulabschluss, und KÖNNEN Studenten übertreffen, wenn sie es denn wollen.

  5. "Während die meisten Studenten vor zehn Jahren noch ins Ausland gegangen sind, um herauszufinden, wer sie selbst in einem anderen Kontext sind, wollen heute viele Studenten ihren Lebenslauf damit schmücken – und sich vor Ort so viele Leistungen wie möglich für das Studium daheim anerkennen lassen, um bloß keine Zeit zu verlieren."

    Schöner kann man den Wechsel vom humanistischen Bildungsideal der klassischen Universität zum Hochleistungsturbostudium dank Bologna kaum auf den Punkt bringen.

    "Sie sind also jünger und haben viel mehr Fragen." Oder einfach unselbständiger dank zunehmender Verschulung der Hochschulen?

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    Der "moderne" Absolvent soll eines auf gar keinen Fall: Kritische (aka Dumme) Fragen stellen. Er hat nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam zu funktionieren. Und wenn der Chef sagt, der Wasser ist trocken, dann ist Wasser eben trocken. Weil das so ist und weil's der Liebe Gott so will oder ein Professor in Amerika. Und die darf man nicht fragen. Das ist ein Sakrileg.

    Wie sang man weiland noch in der DDR?

    "Die Partei, die Partei, die hat immer recht!" Lässt sich nahtlos umdichten - der Gehalt ist derselbe.

  6. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich die Prüfungsämter der deutschen Universitäten sehr sehr schwer tun, Leistungen, die während des oder der Auslandssemester an den dortigen Universitäten erbracht wurden, anzuerkennen. Die Universitäten im Ausland stehen bei den Juristen, Verwaltungs- und Betriebswirten der deutschen Prüfungsämter unter dem Generalverdacht, den deutschen Studenten die Scheine hinterher zu werfen. Und die deutschen Studenten stehen unter dem Generalverdacht, beim Auslandsaufenthalt nur Party gemacht zu haben. Die Regel ist: wer ein oder zwei Semester im Ausland war, muss anschließend diese Semester an der deutschen Universität nachholen.

    Was mir inzwischen allerdings an deutschen Universitäten auffällt, ist ein Phänomen, das ich zu meiner Zeit bestenfalls aus der Grundschule kannte: da werden viele Studenten inzwischen morgens von ihren Eltern zur Uni gebracht. Und es gibt an den Universitäten inzwischen auch Elternabende. Zu meiner Zeit wäre das undenkbar gewesen. Man wurde nach dem Abitur einfach ins kalte Wasser geschmissen, hatte seine erste eigene Wohung bzw. ein Zimmer in einer WG und musste sich alles selbst organisieren. Aber das waren ja noch die guten Zeiten des Diploms - die Zeit, in der die Studenten angeblich so faul waren.

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    "Was mir inzwischen allerdings an deutschen Universitäten auffällt, ist ein Phänomen, das ich zu meiner Zeit bestenfalls aus der Grundschule kannte: da werden viele Studenten inzwischen morgens von ihren Eltern zur Uni gebracht. Und es gibt an den Universitäten inzwischen auch Elternabende."

    Das kann doch nicht wahr sein, oder?
    Bitte sagen Sie mir, daß das ein Scherz ist.

    "Und es gibt an den Universitäten inzwischen auch Elternabende."

    Das wäre ja Realsatire vom feinsten.
    Aber es wäre nicht schlecht, wenn sie auch Belege für Ihre Aussage hätten.
    Elternabende an Unis klingen mir doch etwas zu abenteuerlich.
    Für mich lesen sich Ihre Beiträge so, als wollten Sie die ganze Bologna-Generation schlecht machen.

    • Abwaka
    • 10. September 2013 11:57 Uhr

    Wie kann man nur den unseren Kapitalismus nur so in den Dreck ziehen. Ohne ihn wären wir doch nur Kommunisten oder Höhlenmenschen die sich in keinster Weise weiterentwickeln würden.

    *ironieoff*

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