Transportdrohnen : Die fliegenden Kuriere

Drohnen taugen nicht nur für den Krieg: Als Transportmittel der Zukunft könnten sie Medikamente in die entlegensten Gebiete bringen.

Mehr als 100 Meter hoch über der Stadt Port-au-Prince fliegt der kleine Roboter schnurgerade in Richtung Norden. Unter der Drohne erstrecken sich in der Hauptstadt Haitis drei Jahre nach dem schweren Erdbeben noch immer Zeltstädte und Trümmerhaufen. Plötzlich wird der "Grashüpfer", wie sein Erfinder Andreas Raptopoulos ihn getauft hat, langsamer und beginnt zu sinken, bis er schließlich sanft landet. Zwei Männer eilen herbei, öffnen die kleine Box, die unter der Drohne befestigt ist, und nehmen eine Tasche heraus.

Andreas Raptopoulos stoppt das Video vom ersten Feldversuch mit dem Quadrokopter aus dem letzten Herbst. "Alles hat auf Anhieb funktioniert. Es war atemberaubend", sagt er. Sein Start-up-Unternehmen Matternet hat sich vorgenommen, weltweit den Transport zu revolutionieren. Noch immer sind fast eine Milliarde Menschen zumindest zeitweise – vor allem während der Regenzeit – abgeschnitten vom Straßennetz. Die Roboter von Matternet sollen über diese Lücken der Infrastruktur einfach hinwegfliegen.

Drohnen sind vor allem als umstrittenes Kriegsgerät bekannt. Seit einigen Jahren erforschen Wissenschaftler jedoch auch ihren nichtmilitärischen Einsatz. Besonders zeigte sich das gerade auf der "Unmanned Systems" in Washington, einer der weltgrößten Drohnenmessen. Die Hersteller überboten sich geradezu darin, den zivilen Nutzen zu betonen.

Waren Drohnen anfangs kaum mehr als fernsteuerbare Fluggeräte, haben Forscher ihnen Schritt für Schritt Lernfähigkeit beigebracht. Heute erkunden Schwärme ferngesteuerter Drohnen unwegsames Gelände, warten Windkraftanlagen und assistieren bei Rettungseinsätzen. Inzwischen sind die Fluggeräte so intelligent geworden, dass sie für den nächsten Schritt bereit sind: Drohnen, die nicht nur als Augen und Ohren fungieren, sondern wichtige Kurierdienste erledigen.

Der "Grashüpfer" der Firma Matternet, eine Art Helikopter mit vier Rotorblättern, kann bis zu zwei Kilogramm schwere Lasten tragen. Ein Netzwerk aus Solar-Ladestationen soll den Drohnen dereinst erlauben, sich weitestgehend unabhängig zu bewegen. Wer etwas transportieren möchte, ruft einen der "Grashüpfer", belädt ihn und schickt ihn zu seinem Ziel. Weil die Reichweite der Batterie bislang zehn Kilometer nicht übersteigt, sollen die Drohnen an sogenannten Dockingstationen automatisch eine frisch aufgeladene Batterie aufnehmen und ihren verbrauchten Akku zum Aufladen abgeben können. Ein Flugroboter, der in Afrika dringend benötigte Antibiotika von einem Krankenhaus in ein 25 Kilometer entferntes Dorf bringt, würde über mindestens zwei Zwischenstationen zum Zielort fliegen und nach dem erfüllten Auftrag dort auf den nächsten Einsatz warten.

Das alles soll völlig selbstständig funktionieren: 40 Stundenkilometer schnell und 60 Meter hoch werden die Drohnen fliegen, auch bei Wind und Regen. Kein Pilot wird benötigt, kein Bodenpersonal; einmal aktiviert, agiert das System autonom. "Die Schönheit dieser Technologie ist ihre Unabhängigkeit", sagt Raptopoulos.

Bis seine Vision von der Drohnenflotte am Himmel Afrikas Wirklichkeit wird, sind noch viele Probleme zu lösen: Wie etwa sollen sich die Drohnen orientieren? Zwar gibt es spektakuläre Beispiele. Kürzlich erregte ein Schwarm handtellergroßer Quadrokopter von der University of Pennsylvania Aufsehen: Die kleinen Flugroboter spielten selbstständig die James-Bond-Melodie auf verschiedenen Instrumenten, indem sie jeweils auf der richtigen Taste landeten. Doch solche technischen Kabinettstückchen sind nur in geschlossenen Räumen möglich. Außerdem mussten die Drohnen vorher mit den Koordinaten der Umgebung gefüttert werden.

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Kommentare

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Grundwissen

Verkürzt erklärt:

Sprengstoff - zur Kriegsführung entwickelt - hat dem Menschen einen erweiterten Zugriff auf Rohstoffe und Umgebung ermöglicht und so einen Zivilisationssprung ermöglicht, der sonst nicht möglich gewesen wäre.

Die Autobahn: Als militärische Aufmarschstraße konstruiert um große Armeen schnell ins Einsatzgebiet zu entsenden, und der Möglichkeit zur Start/Landebahn umfunktioniert zu werden, hat durch ihre Bedeutung für die Infrastruktur erheblich zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen.

Troll?

Wäre diese Technologie ohne das Einsatzgebiet als Kriegsgerät jemals entwickelt bzw. bis zu dieser Perfektion entwickelt worden?

Ja. Google hilft!

Was war der Anteil?

Keiner.

Könnte man aus den gezeigten Geräten nicht auch wieder Kriegsgerät entwickeln?

Mit Sicherheit. Und nun? Verbieten? Wie die Pickups, weil man auf die ein MG montieren kann?

Zeigt diese Technologie doch dass der Krieg der Vater aller Dinge sein sollte?

Nein. Eher Nerds.