Unternehmer Thorsten FischerDer Überflyer

Mit seiner aggressiven Geschäftspolitik hat der fränkische Unternehmer Thorsten Fischer die Druckbranche aufgemischt. von 

Annahme, Schuss, Tor. Annahme, Schuss, Tor. Einmal, viermal, sechsmal. Kurzes Lächeln, fester Händedruck, dann ist es vorbei nach zwei bis drei Minuten. Ob gegen einen Gegner oder mehrere, für Thorsten Fischer spielt das keine Rolle. Ihn beim Tischfußball zu schlagen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Fischer zu schlagen ist auch abseits des Kickers in seinem riesigen Büro schwer vorstellbar. Er spricht es sogar selbst aus, laut, aber nicht aufdringlich – mit einem Selbstbewusstsein, das auf realen Erlebnissen fußt. Siegesgewiss und bodenständig zugleich kommt der 38-jährige Unternehmer rüber. Gegen einen wie ihn zu null unterzugehen, das brauche niemandem peinlich zu sein. "Ich stell mich ja ned her, um zu verlieren."

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Zumal er üblicherweise Gegner ganz anderer Kaliber aus dem Weg räumt – sowohl beim kleinen Pausenwettkampf wie auf dem großen Spielfeld seiner Branche.

Flyeralarm: Arbeitsteilung

Das im Jahr 2002 gegründete Unternehmen ist rasant gewachsen und ist heute der größte Onlinedienstleister in der Druckereibranche Europas. Der Umsatz lag 2012 bei 260 Millionen Euro. Die Firma ist im alleinigen Besitz ihres Gründers Thorsten Fischer.

Die Geschäftsführung teilt er sich seit 2007 mit Tanja Hammerl, seiner früheren Lebensgefährtin. Die gelernte Steuerberaterin verantwortet die Bereiche Finanzen, Controlling und auch die Produktion. Thorsten Fischer konzentriert sich darauf, neue Kunden zu gewinnen und neue Produkte zu entwickeln.

Kosten

Zu den Erfolgsgeheimnissen von Flyeralarm zählt ein Verfahren zum Sammeldruck verschiedener Einzelaufträge auf einem Bogen, wodurch sich in erheblichem Umfang Kosten sparen lassen.

Kritik

Gewerkschafter sind nicht gut auf das Unternehmen zu sprechen. Es arbeite vor allem mit wenig qualifizierten Mitarbeitern, zahle niedrige Löhne und unterhöhle damit die Standards dieser Branche.

Thorsten Fischer ist Chef und Inhaber von Flyeralarm, einer Druckereifirma, die nach eigenen Angaben mit rund 10.000 Aufträgen pro Tag der größte Onlinedienstleister dieser Branche in Europa ist. Dieses Geschäftsfeld hat er 2002 mit einem Hybrid aus E-Commerce und Druckerei "revolutioniert", wie jedenfalls Christoph Schleunung vom Bundesverband Druck und Medien meint.

Im Schwimmbad hat er seine erste Geschäftsidee – ein Stadtmagazin

Zuvor war das Leben des Würzburgers bemerkenswert ziellos verlaufen. Den Beruf des Unternehmensberaters fand er attraktiv, den Weg dahin aber nicht. Sein Vater, ein TÜV-Ingenieur in althergebrachter Alleinernährerrolle, wollte den Filius nach dem Wirtschaftsabitur zu "was Technischem" bewegen. Doch zuzusehen, wie Beton härte, "das war nicht meine Berufung", sagt Fischer.

Für ein Studium sei er nicht geeignet gewesen, "zu faul", kokettiert Fischer und bezeichnet sich zugleich als "für nine to five nicht geschaffen". Eine Versicherungslehre brach er ab und gründete "aus einer Schwimmbadlangeweilelaune" heraus ein Stadtmagazin mit dem profanen Titel Würzburger Tester.

Das Monatsheft warf schon bald solide Erträge ab. Fischer leistete sich eine Sekretärin, einen geleasten BMW und ein mittleres Gehalt. "Echt schöne Zeit", erinnert er sich. Er war ein Do-it-yourself-Verleger, der viel lernte: Schreiben, Layout, Anzeigengeschäft, Druck und Vertrieb.

Bald aber hatte er eine noch bessere Idee. Statt "noch 20 Jahre lang in Kneipen Anzeigen zu verkaufen", auf deren Bezahlung man oft Wochen warte, gründete der Drucker ohne Druckerausbildung eine Vertriebsplattform für Drucksachen und nannte sie Flyeralarm.

Leserkommentare
  1. Maschinen ersetzen Menschen. Ein paar wenige Große bleiben über (Oligopolstruktur), und der Rest schaut in die Röhre. Es klingt im Artikel ja zumindest an, dass es nur diejenigen "schaffen", die Niedriglöhne bezahlen und wo der Automatisierungsgrad am höchsten ist. Das ist quasi das Endspiel namens Wettbewerbsfähigkeit.
    Wenn, ja wenn denn nur von den wegrationalisierten Arbeitnehmern alle in anderen (innovativen?) Bereichen der Wirtschaft unterkommen würden - dann könnte man nichts dagegen einwenden. Realistisch ist das leider nicht, ironischerweise gehört aber genau diese Annahme zum Wirtschafts-Glaubensbekenntnis unserer Lenker. Selbst Staaten sind ja dieser Wettbewerbs-Ideologie unterworfen, aber das geschieht ja alles zum Wohle der Nation, also den oberen 10% ;-)

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    Das sind völlig natürliche Entwicklungen. Aus genau diesen gründen ist unsere Lebensqualität auch so hoch wie nie. Flyeralarm hat Kosten und Aufwand für Einkäufer solcher Leistungen enorm gesenkt, welche wiederum völlig neue Branchen blühen lässt. (Geistige) Trägheit wird in unserem System bestraft, ich kann darin nur positives erkennen.

    Im zweifel bleiben Ihnen natürlich noch einige wenige Alternativen wie z.B. Kuba oder auch Nord-Korea. Dort wird Initiative noch bestraft. ;)

    Erst die Welt in Scherben legen - und sie dann retten wollen: Wahn, ein Schöpfer zu sein. -

  2. Das sind völlig natürliche Entwicklungen. Aus genau diesen gründen ist unsere Lebensqualität auch so hoch wie nie. Flyeralarm hat Kosten und Aufwand für Einkäufer solcher Leistungen enorm gesenkt, welche wiederum völlig neue Branchen blühen lässt. (Geistige) Trägheit wird in unserem System bestraft, ich kann darin nur positives erkennen.

    Im zweifel bleiben Ihnen natürlich noch einige wenige Alternativen wie z.B. Kuba oder auch Nord-Korea. Dort wird Initiative noch bestraft. ;)

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    in unserem Wirtschaftssystem, das einem klaren Wachstumszwang unterliegt, sämtliche wegrationalisierte AN wieder in Arbeit zu bringen?
    Woran misst sich denn "unsere" Lebensqualität? Die meisten Menschen gehen bei ständig steigender Produktivität wieder m e h r arbeiten. Wir waren mal bei 35h angelangt, mittlerweile sind wir wieder bei 40+h.
    Bin gespannt auf Ihre Erklärung, wie das zusammenpasst.

    „Das sind völlig natürliche Entwicklungen. Aus genau diesen gründen ist unsere Lebensqualität auch so hoch wie nie.“

    Besonders hoch ist jetzt die Lebensqualität tausender qualifizierter ehemaliger Drucker, die ihr Erspartes vervespern, bevor sie ALG2 beziehen und also ein sorgenfreies Leben haben werden. Man kommt aber über die Runden, wenn man im Backshop ein Brötchen für 8 Cent kauft, mit Ryan Air nach Mallorca fliegt und Wiesenhof-Hähnchen für 2,60/kg vertilgt. Zum Praktiker-Baumarkt geht er nicht mehr, aus bekannten Gründen. Beim Haareschneiden in der Billigfriseur-Kette kann man sich trefflich austauschen, an welchem Tag im Monat das Geld ausgeht.

    Es gibt sicher schon andere findige Unternehmer, die Tag und Nacht darüber nachdenken, diese Preise zu unterbieten, um neuer Marktführer zu werden. Und um unsere Lebensqualität zu steigern. Für die Kollateralschäden ist ja der Staat zuständig. So ist die Aufgabenteilung im Kapitalismus, der nicht mehr wachsen kann und wo es nur noch um Marktanteile um buchstäblich jeden Preis geht.

  3. in unserem Wirtschaftssystem, das einem klaren Wachstumszwang unterliegt, sämtliche wegrationalisierte AN wieder in Arbeit zu bringen?
    Woran misst sich denn "unsere" Lebensqualität? Die meisten Menschen gehen bei ständig steigender Produktivität wieder m e h r arbeiten. Wir waren mal bei 35h angelangt, mittlerweile sind wir wieder bei 40+h.
    Bin gespannt auf Ihre Erklärung, wie das zusammenpasst.

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    ...in unserem Wirtschaftssystem, das einem klaren Wachstumszwang unterliegt, sämtliche wegrationalisierte AN wieder in Arbeit zu bringen?"

    Die Frage ist doch ob dies überhaupt "unser Ziel" ist und vor allem wer die Verantwortung überhaupt dafür tragen soll. Eine zentral Kontrollstelle in Berlin vielleicht? Die Polizei? Die Jungs die bereits unser Stromnetz privatisiert haben? Oder vielleicht unsere glamourösen Landesbanken? Das ich nicht lache.

    Die Stabilität dezentraler und freier Marktwirtschaft ist historisch unerreicht. Freiheit ist selten der bequemere und sicherere Weg, langfristig jedoch hat sie ihre Tauglichkeit beweisen (egal ob nun bei wirtschaftlichen oder sozialen Themen). Wir nehmen die Natur doch sonst auch so gerne als Vorbild, warum nicht bei der Wirtschaft?

    Wie ich bereits erwähnte, das Problem ist die geistige Faulheit. In der Druckbranche sind seit zwei Jahrzehnten gewaltige Änderungen -klar- abzusehen. Die betrifft in erster Linie die Digitalisierung, sowie das Internet. Dies kam nicht über Nacht und ganz sicher nicht überraschend.

  4. Ist doch eine gute Sache. Mehr Effizienz schützt das Klima und macht wettbewerbsfähiger.
    Produktivitätssteigerung heißt das und ist genau das, was in den meisten anderen Debatten fehlt:

    - wird diese auch an die Arbeitnehmer weitergegeben müsste die Lohnsteigerung bei mehr als 4% im Jahr liegen (Inflation und Produktivitätssteigerung) - aber sie bleibt seit langen bei den Arbeitgebern
    - Sozialversicherungssysteme: hier wird bewiesen, dass es in einer Gesellschaft nicht darauf ankommt, wie viele Arbeiten, sondern wie produktiv sie sind, um alle Kosten des Systems zu tragen. Würden die Produktivitätsgewinne weitergeleitet hätten wir eine sichere Rente, ein gutes Gesundheitssystem und eine hohe Arbeitslosenabsicherung
    - Zeit ist außerdem auch ein Wohlstandfaktor und in einer Demokratie kein kleiner, denn wer keine Existenzängste hat und Zeit kann sich engagieren. Also wäre eine Arbeitszeit von 30-35 h vorerst sinnvoll bei vollem Lohn zu realisieren

    Wettbewerbsfähigkeit, wie sie Schröder, Merkel, Thatcher und Co. begreifen, geht zu lasten der Löhne, schleift das Sozialsystem und belastet die Umwelt. Belässt die Gewinne in den Unternehmen und bei den Kapitaleignern, die dann widerum nicht im hiesigen realen Markt investiert werden, sondern zu Blasen führen. Die Arm.Reich-Schere spaltet die Gesellschaft und die Demokratie wird untergraben. Wer will schon eine denkende Masse, die Zeit und Geld hat sich zu engagieren.

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  5. „Das sind völlig natürliche Entwicklungen. Aus genau diesen gründen ist unsere Lebensqualität auch so hoch wie nie.“

    Besonders hoch ist jetzt die Lebensqualität tausender qualifizierter ehemaliger Drucker, die ihr Erspartes vervespern, bevor sie ALG2 beziehen und also ein sorgenfreies Leben haben werden. Man kommt aber über die Runden, wenn man im Backshop ein Brötchen für 8 Cent kauft, mit Ryan Air nach Mallorca fliegt und Wiesenhof-Hähnchen für 2,60/kg vertilgt. Zum Praktiker-Baumarkt geht er nicht mehr, aus bekannten Gründen. Beim Haareschneiden in der Billigfriseur-Kette kann man sich trefflich austauschen, an welchem Tag im Monat das Geld ausgeht.

    Es gibt sicher schon andere findige Unternehmer, die Tag und Nacht darüber nachdenken, diese Preise zu unterbieten, um neuer Marktführer zu werden. Und um unsere Lebensqualität zu steigern. Für die Kollateralschäden ist ja der Staat zuständig. So ist die Aufgabenteilung im Kapitalismus, der nicht mehr wachsen kann und wo es nur noch um Marktanteile um buchstäblich jeden Preis geht.

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  6. Erst die Welt in Scherben legen - und sie dann retten wollen: Wahn, ein Schöpfer zu sein. -

  7. ...in unserem Wirtschaftssystem, das einem klaren Wachstumszwang unterliegt, sämtliche wegrationalisierte AN wieder in Arbeit zu bringen?"

    Die Frage ist doch ob dies überhaupt "unser Ziel" ist und vor allem wer die Verantwortung überhaupt dafür tragen soll. Eine zentral Kontrollstelle in Berlin vielleicht? Die Polizei? Die Jungs die bereits unser Stromnetz privatisiert haben? Oder vielleicht unsere glamourösen Landesbanken? Das ich nicht lache.

    Die Stabilität dezentraler und freier Marktwirtschaft ist historisch unerreicht. Freiheit ist selten der bequemere und sicherere Weg, langfristig jedoch hat sie ihre Tauglichkeit beweisen (egal ob nun bei wirtschaftlichen oder sozialen Themen). Wir nehmen die Natur doch sonst auch so gerne als Vorbild, warum nicht bei der Wirtschaft?

    Wie ich bereits erwähnte, das Problem ist die geistige Faulheit. In der Druckbranche sind seit zwei Jahrzehnten gewaltige Änderungen -klar- abzusehen. Die betrifft in erster Linie die Digitalisierung, sowie das Internet. Dies kam nicht über Nacht und ganz sicher nicht überraschend.

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