Unternehmer Thorsten Fischer : Der Überflyer

Mit seiner aggressiven Geschäftspolitik hat der fränkische Unternehmer Thorsten Fischer die Druckbranche aufgemischt.

Annahme, Schuss, Tor. Annahme, Schuss, Tor. Einmal, viermal, sechsmal. Kurzes Lächeln, fester Händedruck, dann ist es vorbei nach zwei bis drei Minuten. Ob gegen einen Gegner oder mehrere, für Thorsten Fischer spielt das keine Rolle. Ihn beim Tischfußball zu schlagen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Fischer zu schlagen ist auch abseits des Kickers in seinem riesigen Büro schwer vorstellbar. Er spricht es sogar selbst aus, laut, aber nicht aufdringlich – mit einem Selbstbewusstsein, das auf realen Erlebnissen fußt. Siegesgewiss und bodenständig zugleich kommt der 38-jährige Unternehmer rüber. Gegen einen wie ihn zu null unterzugehen, das brauche niemandem peinlich zu sein. "Ich stell mich ja ned her, um zu verlieren."

Zumal er üblicherweise Gegner ganz anderer Kaliber aus dem Weg räumt – sowohl beim kleinen Pausenwettkampf wie auf dem großen Spielfeld seiner Branche.

Thorsten Fischer ist Chef und Inhaber von Flyeralarm, einer Druckereifirma, die nach eigenen Angaben mit rund 10.000 Aufträgen pro Tag der größte Onlinedienstleister dieser Branche in Europa ist. Dieses Geschäftsfeld hat er 2002 mit einem Hybrid aus E-Commerce und Druckerei "revolutioniert", wie jedenfalls Christoph Schleunung vom Bundesverband Druck und Medien meint.

Im Schwimmbad hat er seine erste Geschäftsidee – ein Stadtmagazin

Zuvor war das Leben des Würzburgers bemerkenswert ziellos verlaufen. Den Beruf des Unternehmensberaters fand er attraktiv, den Weg dahin aber nicht. Sein Vater, ein TÜV-Ingenieur in althergebrachter Alleinernährerrolle, wollte den Filius nach dem Wirtschaftsabitur zu "was Technischem" bewegen. Doch zuzusehen, wie Beton härte, "das war nicht meine Berufung", sagt Fischer.

Für ein Studium sei er nicht geeignet gewesen, "zu faul", kokettiert Fischer und bezeichnet sich zugleich als "für nine to five nicht geschaffen". Eine Versicherungslehre brach er ab und gründete "aus einer Schwimmbadlangeweilelaune" heraus ein Stadtmagazin mit dem profanen Titel Würzburger Tester.

Das Monatsheft warf schon bald solide Erträge ab. Fischer leistete sich eine Sekretärin, einen geleasten BMW und ein mittleres Gehalt. "Echt schöne Zeit", erinnert er sich. Er war ein Do-it-yourself-Verleger, der viel lernte: Schreiben, Layout, Anzeigengeschäft, Druck und Vertrieb.

Bald aber hatte er eine noch bessere Idee. Statt "noch 20 Jahre lang in Kneipen Anzeigen zu verkaufen", auf deren Bezahlung man oft Wochen warte, gründete der Drucker ohne Druckerausbildung eine Vertriebsplattform für Drucksachen und nannte sie Flyeralarm.

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Kommentare

6 Kommentare Kommentieren

Re: "Wetten, dass Sie es nicht schaffen...

...in unserem Wirtschaftssystem, das einem klaren Wachstumszwang unterliegt, sämtliche wegrationalisierte AN wieder in Arbeit zu bringen?"

Die Frage ist doch ob dies überhaupt "unser Ziel" ist und vor allem wer die Verantwortung überhaupt dafür tragen soll. Eine zentral Kontrollstelle in Berlin vielleicht? Die Polizei? Die Jungs die bereits unser Stromnetz privatisiert haben? Oder vielleicht unsere glamourösen Landesbanken? Das ich nicht lache.

Die Stabilität dezentraler und freier Marktwirtschaft ist historisch unerreicht. Freiheit ist selten der bequemere und sicherere Weg, langfristig jedoch hat sie ihre Tauglichkeit beweisen (egal ob nun bei wirtschaftlichen oder sozialen Themen). Wir nehmen die Natur doch sonst auch so gerne als Vorbild, warum nicht bei der Wirtschaft?

Wie ich bereits erwähnte, das Problem ist die geistige Faulheit. In der Druckbranche sind seit zwei Jahrzehnten gewaltige Änderungen -klar- abzusehen. Die betrifft in erster Linie die Digitalisierung, sowie das Internet. Dies kam nicht über Nacht und ganz sicher nicht überraschend.