Auto der ZukunftAlles außer fliegen

Lutz Fügener erfindet mit seinen Studenten und den ZEITmagazin-Lesern das Auto der Zukunft. Hier erklärt er vorab, was möglich ist. von  und

Ein japanisches Konzeptfahrzeug (Archivbild)

Ein japanisches Konzeptfahrzeug (Archivbild)  |  © Leon Neal/AFP/Getty Images

ZEITmagazin: Herr Professor Fügener, erfindet die Industrie nicht jedes Jahr das Auto neu? Was können Sie und Ihre Studenten da noch draufsetzen?

Lutz Fügener: Wir stehen nicht unter dem Druck, dass sich das, was wir uns ausdenken, sofort verkaufen muss. Deshalb können wir mit unseren Ideen und Entwürfen viel mutiger und radikaler sein. Sie gehen zwar nicht in die Fertigung, aber sie können Anregungen liefern. Die Industrie geht immer davon aus, wie die Welt ist. Wir können auch darüber nachdenken, wie sie sein könnte.

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ZEITmagazin: Gibt es da wirklich noch etwas Neues zu erfinden?

Lutz Fügener
Lutz Fügener

Lutz Fügener ist Professor für Transportation Design an der Hochschule Pforzheim. Seine Studenten sind die Autodesigner von morgen. Der bundesweit einzigartige Bachelorstudiengang zählt zu den renommiertesten der Welt.

Fügener: Wir trainieren mit den Studenten, ein Gespür für die Spielräume zu entwickeln, für die weißen Flecken, die es immer noch gibt. Wir zielen nicht auf den Torwart, sondern in den freien Raum um ihn herum. Es ist eben nicht alles schon einmal da gewesen. Man muss die Freiheit nur entdecken und dann mit wirklich überraschenden Dingen kommen.

ZEITmagazin: Dabei wollen wir Ihnen mit unserem Fragebogen ein bisschen helfen. Was erhoffen Sie sich von den Lesern?

Fügener: Es wäre toll, wenn die Leser möglichst genau beschreiben, was ihr Traumauto können soll und was es nicht können muss. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Jeder, der den Fragebogen ausfüllt, sollte nicht von dem ausgehen, was er schon kennt, sondern davon, was er sich wünscht.

Auto der Zukunft – wie soll es aussehen?

Das Auto steht nach wie vor wie kein zweites Verkehrsmittel für die individuelle Freiheit. Doch es verschmutzt die Luft, lässt uns im Stau stehen und kostet viel Geld. Wie müsste ein Auto aussehen, das Spaß macht, sozial verträglich ist und mit dem wir unser schlechtes Gewissen verlieren?

Das wollen wir mit Ihrer Hilfe herausfinden. Füllen Sie hier den Fragebogen aus. Studenten des Fachs Transportation Design an der Hochschule in Pforzheim bekommen die ausgefüllten Fragebögen und entwerfen auf dieser Basis dann die Zukunftsmodelle der ZEIT-Leser: visionär, aber straßentauglich.

ZEITmagazin: Was gibt es für Einschränkungen?

Fügener: Dass wir das Straßensystem nutzen, das existiert. Also nicht unbedingt fliegende Autos. Sonst ist alles möglich. Wichtig ist für uns, zu erfahren, was im Innenraum passieren soll. Wie viele Leute sollen reinpassen? Baue ich alle Sitze fest ein, oder kann ich Sitze ausbauen und dann hinten auf einer großen Fläche schlafen oder etwas transportieren? Will ich ein Auto, das ich unter der Woche immer nur alleine nutze, mit dem ich aber am Wochenende eine Fußballmannschaft transportiere? Möchte ich, dass man in mein Auto reinschauen kann, oder möchte ich vor Blicken geschützt sein? Will ich mein Auto überhaupt selber fahren oder gefahren werden?

ZEITmagazin: Dafür gibt es doch das Taxi.

Fügener: Wir können ja auch ein neues Taxi entwerfen. Vielleicht gibt es Leser, die sagen: Ich würde öfter Taxi fahren, wenn ich mein Fahrrad mitnehmen könnte. Solche Aussagen sind für uns wertvoll. Die überraschenden Ausreißer sind es, die die Sache spannend machen – auch wenn sie weit weg von der Realität sind. Nur so kommt man auf neue Ideen. Das heißt aber nicht, dass wir das klassische Auto beerdigen müssen. Es kann auch etwas Klassisches dabei sein, das aber irgendwie anders funktioniert und ökologischer ist. Indem man zum Beispiel versucht, die Nachteile eines klassischen Sportwagens auszuschalten.

ZEITmagazin: Was wird mit den Wünschen der Leser passieren?

Fügener: Wir werden versuchen, ähnliche Vorschläge zusammenzufassen, sodass wir am Ende in unterschiedlichen Richtungen weiterarbeiten können: ein umweltfreundlicher Sportwagen, ein Familienauto, ein Carsharing-Modell...

ZEITmagazin: Macht es denn für einen Designer einen Unterschied, wenn jemand im Fragebogen ankreuzt, er wünsche sich ein Auto zum Carsharing?

Fügener: Der Unterschied ist sehr groß. Das Carsharing-Auto muss vor allem einfach und intuitiv funktionieren, damit sich jeder sofort zurechtfindet. Das Auto, das ich mir persönlich kaufe, ist vergleichbar mit meiner Kleidung – wie ein Accessoire. Es sagt etwas über mich aus. Das negieren viele, aber Sie können sich nicht in einen Ferrari setzen und erwarten, dass Sie niemand nach Ihrem Auto beurteilt. Und ich möchte in der Regel auch einen ästhetischen oder einen sinnlichen Gewinn von diesem Fahrzeug haben.

ZEITmagazin: Möbel dürfen ihre Geschichte zeigen, Lederjacken werden erst gebraucht schön. Beim Auto aber ärgern wir uns über jeden Kratzer. Gäbe es dafür nicht auch eine Lösung?

Leserkommentare
  1. allein sind erstmal relativ egal, solange man sie nicht umgesetzt bekommt, kann man nur orakeln was sie wohl getaugt hätten. Doch nach dem was man da so sieht, ist es verständlich und nicht zu beklagen, das vieles nicht gebaut wird.

    Aber zuviel Praxis schadet ohnehin nur beim Designerträumen, wie das "ständig muss man mit dem Wagen in die Werkstatt" zeigt.
    Mein Auto sieht die Werkstatt selten außerhalb von TÜV & AU.

    • tb
    • 30. August 2013 14:21 Uhr
    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    @tb und @Azenion:

    Es ist nur ein Archivbild. In Konzepten dürfen sich Designer austoben, was wichtig ist, da sich bei "realen Autos" in der Regel wenig bewegt. "Mut" haben hier nur Modelllinien, die auf Flops folgen oder auf Modelllinien, die sich in der Phase der Oberreife/Sterbezyklus bewegen. "Erfolgreiches" zu ändern, welches sich gut verkauft, wäre wirtschaftlich töricht.

    Autos unterliegen Geschäftsmodellen. Design ist nicht Mittel zum Zweck und auch keine Selbstverwirklichungsdisziplin mancher Designhöhenflieger. Kunden haben Moden, Wünsche und Vorstellungen, die das Design erfüllen muss, ohne zu verschrecken.

    Aus Japan, um beim Archivbild zu bleiben, kommen traditionell die wildesten Zukunftsauslebungen, die häufig wie realisierte Mangamode und etwas verkitscht aussehen. Die japanische Realität ist hier deutlich scheuer, als die Phantasie der Konzepte. Grundsätzlich ist in japanischen Autos aber immer mehr Fließendes zu erkennen, als in Autos europäischen Herkunft. Hier wird momentan mehr das etwas Eckigere gelebt. Auch das ist mehr eine Mode und sind Aspekte des Nachwirkens der Bauhauskultur.

    Das europäische System der Kostenreduktion durch viele innere Gleiteile, Baukästen und Module kann jedoch mit großen Chancen zu einer größeren äußeren Designvielfalt und mehr Mut im Design führen. Das ist die positive Entwicklung, die dem Kunden als Individuum zufließen wird. Die Autos können immer unterschiedlicher aussehen, ohne die Kosten explodieren zu lassen.

    • 29C3
    • 30. August 2013 20:26 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/jk

    • Azenion
    • 30. August 2013 14:43 Uhr

    Typisch für alle möglichen Designerstudien ist, daß der überbaute Raum nicht vernünftig genutzt wird – gerade so, als habe man nie Gepäck zu bewegen.

    Ich vermute das liegt daran, daß heutige Kleinwagen bezüglich Raumausnutzung dem Optimum bereits nahekommen, und Designerstudien auf keinen Fall so aussehen sollen wie heute bereits existierende Kleinwagen.

    Eine Leserempfehlung
  2. @tb und @Azenion:

    Es ist nur ein Archivbild. In Konzepten dürfen sich Designer austoben, was wichtig ist, da sich bei "realen Autos" in der Regel wenig bewegt. "Mut" haben hier nur Modelllinien, die auf Flops folgen oder auf Modelllinien, die sich in der Phase der Oberreife/Sterbezyklus bewegen. "Erfolgreiches" zu ändern, welches sich gut verkauft, wäre wirtschaftlich töricht.

    Autos unterliegen Geschäftsmodellen. Design ist nicht Mittel zum Zweck und auch keine Selbstverwirklichungsdisziplin mancher Designhöhenflieger. Kunden haben Moden, Wünsche und Vorstellungen, die das Design erfüllen muss, ohne zu verschrecken.

    Aus Japan, um beim Archivbild zu bleiben, kommen traditionell die wildesten Zukunftsauslebungen, die häufig wie realisierte Mangamode und etwas verkitscht aussehen. Die japanische Realität ist hier deutlich scheuer, als die Phantasie der Konzepte. Grundsätzlich ist in japanischen Autos aber immer mehr Fließendes zu erkennen, als in Autos europäischen Herkunft. Hier wird momentan mehr das etwas Eckigere gelebt. Auch das ist mehr eine Mode und sind Aspekte des Nachwirkens der Bauhauskultur.

    Das europäische System der Kostenreduktion durch viele innere Gleiteile, Baukästen und Module kann jedoch mit großen Chancen zu einer größeren äußeren Designvielfalt und mehr Mut im Design führen. Das ist die positive Entwicklung, die dem Kunden als Individuum zufließen wird. Die Autos können immer unterschiedlicher aussehen, ohne die Kosten explodieren zu lassen.

    • 29C3
    • 30. August 2013 20:26 Uhr
    5. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/jk

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