FührungskräfteTeilzeitjob in der Chefetage

Viele Manager würden gern ihre Arbeitszeit verkürzen. Aber sie fürchten, dass das ihrer Karriere schaden könnte. Andere Länder sind da schon weiter. von Sophie Derkzen und

Kurz nachdem Manfred Tidelski zum Abteilungsleiter befördert wurde, beschloss er, mittwochs nicht mehr ins Büro zu gehen. Tidelski, 44 Jahre alt, Manager bei der Krankenversicherung der Allianz, leitete damals ein Team von 35 Fachleuten: Ökonomen, Ärzte, Apotheker. Das Team handelte mit den Vertragskliniken der Allianz die Konditionen aus. Tidelski hatte gerade einen zweiten Sohn bekommen. Und er wollte beides: ein guter Chef und ein guter Vater sein. Als er seine Vorgesetzten um einen einjährigen Teilzeitvertrag bat, waren die "überrascht, aber verständnisvoll", sagt er.

Doch dass der Chef kurz vor Verhandlungsschluss verschwand, um seine Kinder aus der Krippe abzuholen, war so nicht vorgesehen. Es gab bei der Allianz zwar Mitarbeiter, vor allem Frauen, die ihre Arbeitszeit reduzierten. Aber die fand man nicht in den Chefetagen. Trotzdem schraubte Tidelski seine Arbeitszeit herunter. Vier statt fünf Werktage, Spielplatz statt Büro, Kinder statt Kollegen. Tidelski hatte keine Vorbilder und keine Ahnung, ob sein Modell klappen würde. Er war der erste Teilzeitchef der Allianz.

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In Deutschland hat nur etwa jeder Hundertste männliche Chef einen Teilzeitvertrag von 30 oder weniger Stunden. So steht es in einer Studie, die das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) in diesem Jahr veröffentlicht hat. Unter den Managern in Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern ist die Quote noch deutlich niedriger. "Die Zahl der Spitzenmanager in Teilzeit ist so klein, dass es uns schwerfällt, sie statistisch überhaupt zu erfassen", sagt die Soziologin Lena Hipp, eine der Autorinnen der Studie.

Fragt man in den Personalabteilungen der großen börsennotierten Unternehmen nach Managern, die ihre Arbeitszeit reduzieren, bekommt man fast immer die gleiche Antwort: Ein paar weibliche Chefs in Teilzeit gebe es. Männer seien die absolute Ausnahme. Beim Energieversorger E.on zum Beispiel arbeiten nur zwei Prozent der männlichen Manager in Teilzeit, beim Salz- und Düngemittelhersteller K+S sind es 0,3 Prozent. Viele Unternehmen, der Baustoffkonzern HeidelbergCement zum Beispiel, haben keinen einzigen Teilzeitchef.

Dabei gibt es unter Topmanagern viele, die gern weniger arbeiten würden. Die Unternehmensberatung Bain&Company hat 2011 eine Studie veröffentlicht. Darin steht, dass sich 80 Prozent der männlichen Manager für flexible Arbeitszeiten interessieren, für Teilzeitmodelle zum Beispiel.

"Viele wünschen sich weniger Arbeit", sagt Gunther Schwarz, Personalstratege bei Bain. "Das Problem ist nur: Die wenigsten ziehen das durch." Wenn ein Unternehmen Mitarbeitern anbietet, weniger zu arbeiten, nehmen laut der Studie nur 25 Prozent der Männer das Angebot an. Dabei gibt es in Deutschland seit 2001 sogar ein Recht auf Teilzeit, festgeschrieben im Teilzeit- und Befristungsgesetz. Aber kaum ein Chef fordert es ein.

In vielen Unternehmen gibt es eine harte Präsenzkultur

Dabei werde der Bedarf nach Teilzeitstellen gerade in den Führungsetagen eher noch steigen, sagt die Soziologin Hipp. Hoch qualifizierte Männer seien oft mit hoch qualifizierten Frauen liiert, die lange studiert haben, spät Kinder bekommen und – so wie Manfred Tidelskis Frau – nach der Geburt schnell wieder arbeiten wollen. "Die Zeit, in der man Kinder kriegt und große Karrieresprünge macht, fällt zusammen auf ein winziges Fenster", sagt Hipp. "Das ist die Rush Hour zwischen 30 und 40 – die übersteht man oft nur, wenn man im Job Abstriche macht."

Es gibt also offenbar einen Bedarf, es gibt ein Teilzeitgesetz, es gibt sogar Teilzeitmodelle, die eigens für Chefs entworfen wurden, sie heißen Top-Sharing oder Tandem-Führung. Warum gibt es trotzdem fast keine Chefs, die in Teilzeit arbeiten?

Das liege an der Kultur vieler deutscher Unternehmen, sagt Hipp. Da herrsche oft eine rigide Präsenzkultur, sagt sie. Als guter Chef gelte man vor allem dann, wenn man zu 100 Prozent verfügbar sei. Der Personalexperte Gunther Schwarz sagt, die meisten Befragten hätten Angst, dass eine Teilzeitstelle ihrer Karriere schaden könnte. Ältere Manager wollen nicht als verkappte Frührentner dastehen, jüngere nicht als Faulpelze.

Vorgelebt wird diese Kultur nicht nur in den Vorstandsetagen großer Unternehmen, sondern auch in der Politik. Der FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr wurde im Juni zum ersten Mal Vater. Kurz vor der Geburt seiner Tochter fragten ihn Journalisten, ob er sich vorstellen könne, seines Kindes wegen weniger zu arbeiten. "Das Ministeramt gilt rund um die Uhr", sagte er. "Das kann man nicht in Teilzeit machen." Deutschland ist Vollzeitland. Zumindest unter Männern, zumindest unter Chefs.

Edwin Winter wundert sich darüber, jedes Mal, wenn er auf seinen Dienstreisen in deutsche Unternehmen kommt. Winter, 45, ist Manager bei Samhoud, einer niederländischen Beratungsagentur – und hat freitags meistens frei. "In manchen deutschen Firmen gibt es noch Stechuhren. Das ist ja prähistorisch!", sagt er.

Leserkommentare
  1. ein Mann könne nur dann ein "guter Vater" sein, wenn er nur Teilzeit arbeitet. Das ist natürlich Blödsinn. Wenn man seine Frau gut instruiert, was sie während seiner Abwesenheit zu tun und wie sie das Kind zu erziehen hat, kann man selbst bei langer Abwesenheit ein guter Vater für das Kind sein.

    Wir möchten Sie bitten, sich in Ihren Kommentaren um eine weniger provokante Rhetorik zu bemühen. Kommentare, die als beleidigend aufgefasst werden können, tragen nicht zu einer sachlichen Diskussion bei. Danke, die Redaktion/se

    8 Leserempfehlungen
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    Dass derartige Artikel ein ideologisch eingefärbtes Gesellschaftsbild transportieren ist zwar unseriös aber auch nicht ungewöhnlich. Wesentlich unseriöser scheint mir aber der zweite Teil Ihres Kommentars zu sein. Oder habe ich den Ironie-Button verpasst?

    Ihre Aussage ist ziemlich prähistorisch. Da passt ja gar nichts zum modernen Familienbild. Der Vater als Patriarch, der der Mutter, die zu Hause zu bleiben hat, vorgibt, wie die Erziehung funktionieren soll.

    Ein guter Vater ist aus meiner Sicht derjenige, der sich Zeit für seine Kinder nimmt. Es gibt aber leider in Deutschland immer noch bei vielen die Ansicht, dass die Arbeit vor allem kommt und mit dem mehr an Arbeit (und damit einhergehend Einkommen) könne man den Kindern ein qualitativ schöneres leben bieten.
    Verkürzt heißt das: Hohes Einkommen = Höhere Lebensqualität.

    Fragen Sie ihr Kind mal, ob es ihm gefällt, dass sein Vater selten da ist. Spätestens, wenn das Kind sagt: "Du bist ja nie da!" fällt Ihnen auf, dass die Wahrnehmung des Kindes auf hohe Anwesenheit ausgerichtet ist.

    Entschuldigung, aber der zweite Teil Ihres Kommentars ist zum ins Essen-brechen. Wenn Sie der Meinung sind, Ihre Frau sei nur dann in der Lage, Ihre Familie zu erziehen, wenn Sie sie instruieren, hätten sie vielleicht auf den Sprung mit der Zeitmaschine verzichten sollen und wieder ins Jahr 1960 zurückkehren sollen...

    Abgesehen davon, einer der Geschäftsführer der Firma, in der ich arbeite (Teilzeit, ich muss mich ja noch um meine Tochter kümmern) war auch in Elternzeit und nur 2 Tage im Büro. Lief...

    Mein Mann teilt sich übrigens die Zeit bis zum Kindergarten mit mir. Läuft. Schadet weder seiner noch meiner Karriere :-)

    >>Wenn man seine Frau gut instruiert, was sie während seiner Abwesenheit zu tun und wie sie das Kind zu erziehen hat, kann man selbst bei langer Abwesenheit ein guter Vater für das Kind sein.<<

    Nun mit Sicherheit sind Sie Ihrer Frau dann ein schlechter Partner, es sei denn Sie haben ein unmündiges Kind oder sonst irgendwie "betreuungsbedürftige Frau geheiratet. Partnerschaft auf Augehöhe ist es nicht, wenn Sie ihr "Instruktionen" geben müssen. Gott bewahre mich vor solchen Männern!

  2. Aber mal davon abgesehen gibt es auch genügend Väter, die nicht in der Chefetage sitzen und solche Möglichkeiten gern sehen würden,nur geht das nicht bei der hiesigen Erwerbsbiographie,da meist der Mann immer noch der Hauptverdiener ist.
    Deshalb auch wesentlich seltener die Väterzeit in Anspruch nehmen kann, weil dann einfach zuviel Geld, welches benötigt wird um laufende Kosten zu finanzieren, flöten geht.
    Gut ausgebildete Männer mit schon einiger Reputation haben es da wesentlich einfacher, weil sie z.T. eh händeringend gesucht werden und gleichzeitig im Hier und Jetzt auch noch mit einem solchen Anhängsel in der Bewerbung punkten können, während das der gemeine Arbeitnehmer wohl er gegenteilig erfahren dürfte.

    Es wäre also zu Überlegen, ob die Väterzeit/Elternzeit nicht auch umgewandelt werden könnte, in, wie im Artikel angedeutet,längerfristige "Teilzeit", so dass Väter bzw. der Hauptverdiener/in nur z.B. 4 Tage Wochen absolvieren müssen.
    Pädagogisch ist dies bestimmt sehr sinnvoll, den die Entwicklung von Babys/Kindern hört ja nicht nach 14 Monaten auf und mit Kindern mal mehr Zeit zu verbringen schadet nicht und ist keine Schande.

    Nur muss dies eben allen Erbsbiographien ermöglicht werden und nicht nur einigen.

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  3. Dass derartige Artikel ein ideologisch eingefärbtes Gesellschaftsbild transportieren ist zwar unseriös aber auch nicht ungewöhnlich. Wesentlich unseriöser scheint mir aber der zweite Teil Ihres Kommentars zu sein. Oder habe ich den Ironie-Button verpasst?

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  4. Ihre Aussage ist ziemlich prähistorisch. Da passt ja gar nichts zum modernen Familienbild. Der Vater als Patriarch, der der Mutter, die zu Hause zu bleiben hat, vorgibt, wie die Erziehung funktionieren soll.

    Ein guter Vater ist aus meiner Sicht derjenige, der sich Zeit für seine Kinder nimmt. Es gibt aber leider in Deutschland immer noch bei vielen die Ansicht, dass die Arbeit vor allem kommt und mit dem mehr an Arbeit (und damit einhergehend Einkommen) könne man den Kindern ein qualitativ schöneres leben bieten.
    Verkürzt heißt das: Hohes Einkommen = Höhere Lebensqualität.

    Fragen Sie ihr Kind mal, ob es ihm gefällt, dass sein Vater selten da ist. Spätestens, wenn das Kind sagt: "Du bist ja nie da!" fällt Ihnen auf, dass die Wahrnehmung des Kindes auf hohe Anwesenheit ausgerichtet ist.

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    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen und differenzierten Argumenten an der Diskussion und begründen Sie Ihre Äußerungen. Die Redaktion/mak

  5. das zeigen Firmen (gerade Ostdeutschland) an denen die Belegschaft Miteigentümer ist. Man darf also öfter auf Sie verzichten und Sie dürfen ihren Teilzeitbeschäftigungen ruhig nachgehen.

    Die heutige Art von Männern und Teilzeit für das Kind hat auch eine Alibifunktion, nach dem Motto, schau mal, ich hatte auch Erziehungsurlaub. Selbst wenn es einen halben Tag pro zwei Wochen war. Gerade das kann Karrierefördernd sein und deswegen bewusst vom Mann eingesetzt.
    Hat aber mit dem Alltag einer alleinerziehenden Mutter als wirkliche 'Kindtagesmanagerin' wenig zu tun

  6. 6. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen und differenzierten Argumenten an der Diskussion und begründen Sie Ihre Äußerungen. Die Redaktion/mak

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    "Das 50-er-Jahre-Familienbild war auch besser. Alles ist besser als der verlogene Mist von heute. Männer müssen die Chefs sein und Frauen anweisen, weil diese eben nicht kompetent genug sind."

    Vielleicht sollten Sie ganz die Finger von Frauen lassen. Es sei denn, Sie haben die "Ihre" schon richtig "erzogen"...

    *kopfschüttelnd*

    Der Kommentar auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Die Redaktion/se

  7. Entschuldigung, aber der zweite Teil Ihres Kommentars ist zum ins Essen-brechen. Wenn Sie der Meinung sind, Ihre Frau sei nur dann in der Lage, Ihre Familie zu erziehen, wenn Sie sie instruieren, hätten sie vielleicht auf den Sprung mit der Zeitmaschine verzichten sollen und wieder ins Jahr 1960 zurückkehren sollen...

    Abgesehen davon, einer der Geschäftsführer der Firma, in der ich arbeite (Teilzeit, ich muss mich ja noch um meine Tochter kümmern) war auch in Elternzeit und nur 2 Tage im Büro. Lief...

    Mein Mann teilt sich übrigens die Zeit bis zum Kindergarten mit mir. Läuft. Schadet weder seiner noch meiner Karriere :-)

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  8. "Das 50-er-Jahre-Familienbild war auch besser. Alles ist besser als der verlogene Mist von heute. Männer müssen die Chefs sein und Frauen anweisen, weil diese eben nicht kompetent genug sind."

    Vielleicht sollten Sie ganz die Finger von Frauen lassen. Es sei denn, Sie haben die "Ihre" schon richtig "erzogen"...

    *kopfschüttelnd*

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