Familie und Beruf : Ein Kind für den Abstieg

Mütter, die nach der Karenz wieder arbeiten möchten, haben es schwer. Neben Kinderbetreuungsplätzen mangelt es vor allem an neuen Arbeitszeitmodellen.

Die zackige Frau Mitte dreißig stand bei ihrer Firma einmal hoch im Kurs. Katharina Blumfeld, die ihren richtigen Namen nicht nennen will, arbeitete bei einem internationalen Konzern im mittleren Management. Zuletzt leitete sie eine Arbeitsgruppe, reiste viel, wurde mit Weiterbildungen gefördert und mit Bonuszahlungen belohnt. Doch dann sackte ihr Kurs in den Keller. Der Grund: Sie wurde schwanger.

Während sie ihre Geschichte erzählt, greift sie immer wieder in eine Schale mit frisch geernteten Kirschen. Die Alleinerzieherin wohnt mit ihrer kleinen Tochter in einer modern eingerichteten, geräumigen Wohnung. Unverkennbar, dass sich Blumfeld einen gewissen Wohlstand erarbeitet hat. Sie ist eine selbstbewusste Frau, die mit Humor und einer Prise Zynismus erzählt, was sie seit dem Ende ihrer Karenz erlebt hat. Denn anstatt wie geplant nach einem Jahr halbtags an ihren früheren Arbeitsplatz zurückzukehren, wird sie nun seit über zwölf Monaten fürs Zuhausebleiben bezahlt.

Da sie aufgrund des Anspruchs auf Elternteilzeit nicht gekündigt werden konnte, versuchte man zunächst, sie dazu zu bringen, von sich aus zu gehen. "Es war Psychoterror" sagt sie. "Es gab unzählige Sitzungen, in denen einfach geschwiegen wurde." Man bot ihr Jobs an, die eine Verschlechterung bedeutet hätten, nicht passten oder mit der Betreuung des Kindes nicht vereinbar waren. Sie ließ sich nicht darauf ein.

Oft werden schon Bewerberinnen gefragt, ob sie schwanger sind

Landauf, landab beklagen Politiker die niedrige Geburtenrate in Österreich. Seit vielen Jahren wird die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie versprochen. Im Wahlkampf ist von einer Flexibilisierung und möglichen Erhöhung der Arbeitszeit die Rede. Tatsächlich aber werden Frauen Steine in den Weg gelegt, wenn sie Kinder bekommen und anschließend weiterhin berufstätig sein wollen: Sie müssen finanzielle Nachteile in Kauf nehmen, werden schlechter qualifiziert, und manche müssen sich auch abfällige Bemerkungen gefallen lassen. Katharina Blumfeld wurde beispielsweise von Kollegen Naivität unterstellt, weil sie nicht habe akzeptieren wollen, dass ein Kind nun einmal einen Karriereknick mit sich bringt.

Allein die finanziellen Einschnitte mit Folgen bis zur Pension sind für einige Mütter massiv, wie eine aktuelle Studie des Instituts L&R Sozialforschung im Auftrag der Arbeiterkammer ergab. Demnach verdienten 45 Prozent der Frauen vor der Karenz noch mehr als 2.000 Euro brutto. Vier Jahre später zählt nur mehr ein Drittel zu dieser Gruppe. Besser sind da die Männer dran: Zwar sinkt auch ihr Einkommen im ersten Jahr der Karenz auf ein Drittel des ursprünglichen Lohns. Im vierten Jahr aber verdient schon wieder die Hälfte von ihnen mehr als 2.000 Euro brutto – genau so viele wie vor der Karenz.

Ein wesentlicher Grund für diese Gehaltsunterschiede: Frauen steigen wegen ihrer Kinder deutlich länger aus dem Berufsleben aus als Männer. Erst am vierten Geburtstag ihres Kindes sind wieder 70 Prozent der Frauen berufstätig. Bei Männern ist etwas mehr als die Hälfte schon nach drei Monaten wieder an den Arbeitsplatz zurückgekehrt. Ein weiterer Grund für die Unterschiede liegt darin, dass Frauen deutlich häufiger mit Teilzeitjobs wieder einsteigen möchten und dadurch nur selten auf die gleiche Stundenzahl wie vor der Geburt kommen. Überdies kommt Teilzeit bei Headhuntern gar nicht gut an. "Als Wiedereinsteigerin einen Job zu suchen ist die Hölle", sagt die Personalberaterin Charlotte Eblinger. Ein Problem in großen Konzernen sei, dass diese nicht zu viele Personen beschäftigen wollen und in Headcounts, also der Anzahl an Beschäftigten, denken – eine Teilzeitstelle lasse die natürlich ansteigen.

Manuela Vollmann sieht das ähnlich. Sie ist Geschäftsführerin der NGO abz Austria, die Firmen beim "Karenzmanagement" unterstützt. Eigentlich sind es weniger die großen Konzerne, bei denen es Probleme gibt, sagt sie. Österreich sei nach wie vor ein Land der Klein- und Mittelbetriebe: "Diese Unternehmen brauchen Unterstützung. Wir beobachten den Markt seit zwanzig Jahren, seither gab es viele Programme. Trotzdem hat sich nicht rasend viel verändert." Warum? "Das hat mit der Struktur der Firmen und der Politik zu tun."

Ein Problem sei der Mangel an Kinderkrippen sowie fehlende Nachmittagsbetreuung für ältere Kinder. Einen Grund dafür sieht Vollmann darin, dass in erster Linie den Müttern die Verantwortung für die Kinderbetreuung zugeschrieben wird. "Österreich hat da einen sehr konservativen Zugang", sagt sie. Von daher liegt es geradezu auf der Hand, dass Firmen in berufstätigen Müttern eine potenzielle Quelle für Probleme sehen.

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Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Aha... aber

Wovon ernähren Sie denn so Ihre Familie... so ganz ohne Job? Oder nehmen Sie JEDEN Job, der zeitlich in Ihre Familienplanung passt? Das wäre konsequent und bewundernswert, kann aber zu massivem Stress im Job führen.

Man kann es sehr wohl unter einen Hut bringen. Das haben die Menschen schon immer gemacht. Die haben nicht einfach aufgehört zu arbeiten, weil ein bis zwei Kinder da waren! Was wir aber lernen müssen ist, dass die alten Modelle nicht mehr gehen.

Man kann die Kinder nicht mehr bei den Großeltern lassen, weil die zu weit weg sind. Das gleiche gilt für Tanten & Onkel. In den meisten Fällen kann auch nicht einer aufhören zu arbeiten, das lässt die finanzielle und ideelle Situation nicht zu.
Ganz ohne Bewertung: Der Staat muss die Betreuung, die sonst durch Oma & Opa, Onkel, Tanten & Geschwister übernommen wurde, sicherstellen. So bleiben die Familien unabhängig- sowohl von der Politik (Gesetze) als auch von staatlichen Geldern.