Stimmt's?Stehen in fast allen Biergärten Kastanien?

... fragt Beate Straka aus Stuttgart. von 

Unter "Biergarten" firmiert ja heute fast jedes Lokal, das im Sommer draußen ein paar Tische aufstellt. Hier aber soll es um die ursprünglichen Biergärten gehen, die direkt an eine Brauerei angegliedert sind und in denen der Gast zum Bier seine mitgebrachte Mahlzeit verzehren darf. Und natürlich kommt diese Kultur aus Bayern.

Dort durfte früher in den Sommermonaten nicht gebraut werden, genauer gesagt zwischen dem 23. April und dem 29. September. Der Grund war die erhöhte Brandgefahr in den Sommermonaten. Es war in diesen Monaten aber auch praktisch unmöglich, das damals beliebte untergärige Bier herzustellen, denn dessen Hefepilze arbeiten bei Temperaturen von vier bis acht Grad. Und Kühlschränke gab es noch nicht.

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Also musste das auf Vorrat gebraute Bier über die Sommermonate gelagert werden, und dafür legten die Brauereien Keller an. Zusätzliche Kühlung brachten Bäume, die man über den Kellern pflanzte.

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Stimmt's?

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Die Rosskastanie bot sich da gleich aus drei Gründen als idealer Braukellerbewuchs an: Sie wächst ziemlich schnell und hat große Blätter, die viel Schatten spenden. Vor allem aber ist sie ein Flachwurzler, das heißt, ihre Wurzeln breiten sich oberhalb des Kellergewölbes aus und zerstören nicht das Mauerwerk.

Es dauerte dann nicht lange, bis geschäftstüchtige Brauer auf die Idee kamen, an diesem lauschigen, schattigen Plätzchen im Sommer ein paar Tische und Bänke aufzustellen und das Bier direkt an die Kundschaft auszuschenken – unter Umgehung der Gastwirte. Die waren davon überhaupt nicht erbaut, und so erließ König Maximilian I. von Bayern im Jahr 1812 ein Dekret, in dem er zwar den Ausschank im Biergarten genehmigte, auch Brezeln durften die Brauer servieren, "das Abreichen von Speisen und anderen Getränken bleibt ihnen aber ausdrücklich verboten".

Dieses Verbot hielt nur 13 Jahre, und heute muss der Biergartenfreund mancherorts mit einem Rauswurf rechnen, wenn er die mitgebrachte Brotzeit auf dem Tisch ausbreitet.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt's?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt's?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. Irgendwie hab ich die Frage von Beate so verstanden, ob jetzt in allen Biergärten Kastanien stehen. Nein, das ist nicht der Fall, es wurden auch schon Ahorn und Linden als Biergartenbäume gepflanzt. Natürlich ist die Kastanie perfekt geeignet, aber es handelt sich um keinen einheimischen Baum. Und dass Biergärten auf Bierkellern angelegt wurden, ist schon ewig her. Ein gutes bayerisches Wirtshaus verfügt auch über einen ordentlichen Biergarten, und nicht alle Bäume müssen Kastanien sein.

  2. Weil es mir gerade einfällt : Das Müllner Bräu in Salzburg ist noch eines von diesen urtümlichen Orten :D da darf man seine Speisen auch bis heute selber mitbringen.

    Eine Leserempfehlung
  3. Der Biergarten in Köln am Schokolademuseum erlaubt auch das mitbringen von Speisen. Finde ich ein schönes System.

  4. Also ich kenne keinen Biergarten in München und Umgebung, in dem es verboten wäre, seine mitgebrachten Speisen zu verzehren. Bei Bierpreisen von an die 7,00 € für eine Maß, wäre das auch unverschähmt

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    Ist das nicht einigermaßen günstig? Das wären gerade mal 3,50 € für einen halben Liter. Soviel zahlen Sie überall anders in Deutschland auch.

  5. Ist das nicht einigermaßen günstig? Das wären gerade mal 3,50 € für einen halben Liter. Soviel zahlen Sie überall anders in Deutschland auch.

    Antwort auf "Speisen"
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    In Oberfranken sind wir jetzt bei der 2-Euro-Schmerzgrenze angelangt (wobei die meistens noch mit 1,80, 1,90 noch nicht ganz ausgereitz wird), die hoffentlich ebenso lange Bestand haben wird, wie die 1,50-Schranke, welche erst vor kurzem gefallen ist.

  6. Der Artikel beantwortet leider die Ausgangsfrage nicht.

    Dazu sollte man die "Bayerische Biergartenverordnung" heranziehen. Traditionell stehen zwar in alten Biergärten Kastanienbäume, aus im Artikel genannten Gründen, aber davon steht nichts in der Biergartenverordnung, weil mit Einführung von künstlichen Kältesystemen der ursprüngliche Grund für die Anpflanzung von Kastanienbäumen heute keine Rolle mehr spielt.

    „Kennzeichnend für den bayerischen Biergarten im Sinne der Verordnung sind vor allem zwei Merkmale: der Gartencharakter und die traditionelle Betriebsform, speziell die Möglichkeit, dort auch die mitgebrachte, eigene Brotzeit unentgeltlich verzehren zu können, was ihn von sonstigen Außengaststätten unterscheidet.“

    Und weiter:

    "Der typische bayerische Biergarten ist eine Gaststätte ... "

    Das heißt, dass Schankbetrieb etc. im Freien stattfinden muss, wenn ein Biergarten als solcher im eigentlichen Sinne gelten will.

    Mit anderen Worten, es ist zwar definiert, was ein Biergarten ist, aber der Begriff als solcher ist nicht geschützt, was leider bedeutet, dass Jeder, der ein paar Tische und Stühle im Freien aufstellt, diesen Ort ungestraft als Biergarten bezeichnen darf, solche Orte sind aber tatsächlich "Wirtsgärten".

  7. In Oberfranken sind wir jetzt bei der 2-Euro-Schmerzgrenze angelangt (wobei die meistens noch mit 1,80, 1,90 noch nicht ganz ausgereitz wird), die hoffentlich ebenso lange Bestand haben wird, wie die 1,50-Schranke, welche erst vor kurzem gefallen ist.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "7 € für eine Maß?"
  8. Vor den Kühlschränken gab es Eismaschinen. Und davor konnte man die Keller mit Kork auskleiden und im Winter Eis einlagern.
    Weil Eis bei Null Grad einen Haltepunkt hat, funktioniert das ganz gut.
    Manche Brauereisen machen das immer noch so.
    Die Methode ist sehr Energiesparend aber arbeitsintensiv.

    Zum Kühlen von Bier Fässern nimmt man immer noch Eis.

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    Einen Bierkeller? Na, na, na ...– warum nicht mit Styropor?

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  • Serie Stimmt's
  • Schlagworte Brauerei | Sommer | Bayern
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