Birdy"Der Applaus versetzt mich immer wieder in eine Art Trance"

Mit 15 Jahren wurde Birdy zum YouTube-Star. Jetzt, mit 17, fühlt sie sich auf der Bühne noch immer wie in einem Traum. von Christoph Dallach

Wenn ich auf Reisen bin, träume ich nur selten. Aber sobald ich wieder daheim bin, geistern die wildesten Dinge durch meinen Schlaf. Wenn ich morgens aufwache, brauche ich manchmal einige Minuten, bis mir dämmert, dass der Traum vorüber ist. Früher haben meine Schwester und ich nach dem Aufstehen oft unsere Träume verglichen. Meistens hatte ich im Traum viel merkwürdigere Sachen erlebt als sie.

Birdy

17, heißt eigentlich Jasmine van den Bogaerde und kam in Lymington an der Südküste Englands zur Welt. Ihr vor zwei Jahren erschienenes Debütalbum verkaufte sich weltweit mehr als eine Million Mal, in Deutschland war die Britin vor allem mit der Single "People Help The People" erfolgreich. Ende September erscheint ihr zweites Album unter dem Titel "Fire Within"

Lustigerweise träume ich oft von Nudeln. Ich habe sogar mal ein ganzes Nudelmärchen geträumt: von einer Königin, die für ihren Königsgatten immer Berge von Nudeln kochte, weil er die so gern aß, insbesondere Spaghetti Bolognese. Eines Tages übertrieb sie es allerdings mit ihrer Fürsorge und kochte so viele Nudeln, dass die ganze Küche sich mit ihnen füllte. Die Nudeln und die Soße quollen erst aus den Fenstern und dann über die Schlossmauern. Die Königin versuchte, die Nudeln beiseitezuschaffen, aber das klappte nicht. Im Gegenteil, es wurden immer mehr Nudeln. Schließlich kamen ihr Schweine aus dem Stall des Schlosses zur Hilfe und fraßen die Nudeln auf.

Anzeige

Übrig blieb nur die Mahlzeit für den König. Er aß also seinen Riesenteller Nudeln, und als alles verputzt war, forderte er noch mehr – aber da war nichts mehr. Dann bekam die Königin einen Nervenzusammenbruch, und ich wachte auf und war sehr hungrig. Ich mag Spaghetti Bolognese so gern, dass ich sie schon zum Frühstück essen könnte. Auch wenn mein Leibgericht eigentlich Spaghetti Carbonara sind.

Solche seltsamen Dinge träume ich zwar ziemlich häufig, aber ich käme nie auf die Idee, einen Song darüber zu schreiben.

Die Musik zum Beruf zu machen, davon habe ich nie geträumt, erst recht nicht vom Berühmtwerden. Meine Karriere habe ich einer Karaokemaschine zu verdanken, die ich zu meinem zehnten Geburtstag bekam. Die brachte mich dazu, zum ersten Mal meine Stimme so richtig zu strapazieren, denn ich habe nie mit ihr mitgesungen, sondern immer so lange mitgeschrien, bis ich heiser war. Meine Lieblingsband war damals S Club 7, deren Songs krakeelte ich rauf und runter. Die Karaokemaschine ist längst kaputt, aber manchmal taucht sie noch in meinen Träumen auf.

Ich habe einen Traum
Alle bisherigen Träume zum Nachlesen

Alle bisherigen Träume zum Nachlesen  |  © Miss Jones/Photocase

Als ich elf war, nahm ich zum ersten Mal an einem Gesangswettbewerb teil. Damals kam ich nicht weit, auch deswegen, weil ich zu jung war und eigentlich noch gar nicht hätte mitmachen dürfen. Mit zwölf durfte ich dann ganz offiziell antreten – und gewann. Das war natürlich wie ein Traum für mich. Und gleichzeitig sehr real. Es war viel intensiver, als es die aufregendsten Träume je sein können.

Noch heute stehe ich am Ende meiner Konzerte manchmal auf der Bühne und frage mich, ob ich vielleicht gerade träume, weil der Applaus mich immer wieder in eine Art Trance versetzt. Aber eigentlich sollte man die Realität und die Traumwelt immer sauber trennen. Manche Träume verlieren sonst ihren Zauber.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. selten so einen belanglosen (Traum-)bericht gelesen. Ein Mädchen, das von Nudelbergen träumt und sich im Applaus sonnt? Beneidenswert, wenn das Leben so einfach ist...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Ich habe einen Traum
  • Schlagworte Popmusik | Musik | Musiker | Traum
  • Album "Text und Musik": Mutter zuhören!

    Mutter zuhören!

    "Wer hat schon Lust zu denken, wie sie denken, die uns hassen?" Auch das zwölfte Album der Berliner Band Mutter stellt die richtigen Fragen zum Menschsein.

    • Der Rapper Marteria. Er legt Wert darauf, so etwas Altmodisches wie eine politische Meinung zu haben.

      "Ich will Feuer sehen, keine Handys"

      Der aus Rostock stammende Rapper Marteria analysiert für uns das Zeitgeschehen. Mit ihm kann man sogar über Neonazis, Spießer, Drogen und Videospiele reden.

      • "Deutsch so wie Du": Kamyar und Dzeko (von links) sind 15 Jahre alt und kommen aus Fulda.

        "Nee, Du bist kein Deutscher"

        Zwei 15-Jährige widerlegen Sarrazins Thesen: Kamyar und Dzeko geben Kindern mit Migrationshintergrund eine Stimme. Ihr Rap-Video feiert Premiere auf ZEIT ONLINE.

        • Anna Prohaska, 1983 in Neu-Ulm geboren, ist die Tochter eines österreichischen Opernsängers und einer irischen Sängerin.

          Zwischen den Fronten

          Die begnadete klassische Sängerin Anna Prohaska hat ein Faible für schräge Konzeptalben und doppelgesichtige Gestalten. Auf ihrem neuen Album besingt sie den Krieg.

          Service