Serie GesellschaftskritikÜber Initiationsriten

Eine Gesellschaftskritik von 

Miley Cyrus und Robin Thicke bei den MTV Video Music Awards 2013

Miley Cyrus und Robin Thicke bei den MTV Video Music Awards 2013  |  © Lucas Jackson/Reuters

Miley Cyrus, 20, manchen bekannt als pubertierendes Mädchen aus der amerikanischen TV-Serie Hannah Montana und als Sängerin (28 Millionen Facebook-Fans, 13 Millionen Follower auf Twitter und nochmals drei Millionen Nutzer auf Instagram), hat bei der Verleihung der MTV Video Music Awards für einen Skandal gesorgt. So provozierend war ihr Auftritt, dass selbst Will Smith (Men in Black) und seine Kinder die Gesichter vor Entsetzen verzogen haben sollen, wie ein Beweisfoto aus dem Zuschauersaal angeblich belegte. Hinterher stellte sich dann heraus, dass es während des Auftritts von Lady Gaga aufgenommen wurde, aber das nur nebenbei.

Der Skandal bestand darin, dass Miley Cyrus, der schon seit Längerem nachgesagt wird, sie wolle sich unbedingt vom Image des kleinen Mädchens befreien, halb nackt (hui!) mit ihrem Gesangspartner kopulationsartige (huiuiui!) Tänze vorführte.

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Von den 28 Millionen Facebook-Fans, 13 Millionen Followern auf Twitter und drei Millionen Nutzern auf Instagram waren einige schockiert: "Was für eine ekelhafte Performance", schrieb einer; "deine Eltern tun mir leid. Du brauchst Hilfe, Mädchen" ließ ein anderer verlauten.

Gesellschaftskritik
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Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen.  |  © Frazer Harrison/Getty Images

Die Rebellion gegen die Gesellschaft gehört spätestens seit James Dean zum Erwachsenwerden, die Auflehnung gegen die Alten, gegen ihre Werte usw. usf. Doch geht es darum wirklich, nachdem schon Madonna vor gefühlten hundert Jahren halb nackt auf der Bühne rumgemacht hat? Damals hatte das vielleicht noch was Revolutionäres. (Ich als Frau kann das auch – oder so ähnlich.) Aber seitdem haben das unzählige andere Stars (zum Beispiel Rihanna) schon nachgeturnt, und einige sind damit reich und berühmt geworden.

Vor diesem Hintergrund ist es viel naheliegender, Mileys Performance nicht als Protest gegen die Erwachsenen, sondern als Initiationsritus zu verstehen, der dazu dient, in die Gemeinschaft der Großen aufgenommen zu werden.

Erstaunlich ist, dass sich die Großen noch so sehr darüber aufregen können. Eigentlich müssten sie doch die vermeintlichen Protestgesten von jungen Weltstars wie Miley Cyrus oder Justin Bieber eher langweilen, so unglaublich angepasst, wie diese sind. Bei solchen jungen Wilden muss kein Erwachsener fürchten, dass sie die Welt verändern.

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    • Serie Gesellschaftskritik
    • Schlagworte Miley Cyrus | MTV | Madonna | Mädchen | Rihanna | Skandal
    • Der Autor Diedrich Diederichsen

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