Nicht immer bleiben die Details hängen, sondern oft haftet nur ein grober Eindruck. Eine Überschrift im Sinn, ein Halbsatz im Ohr, ein Gefühl von "War da nicht was?". Etwa wenn der Inhalt einer aktuellen Forschungsnachricht so zusammengefasst wird: Der Klimawandel macht Pause.

Das ist nicht nur ziemlich knapp. Es stimmt auch nicht, nicht einmal in der Tendenz. Und das liegt an einer kleinen, feinen Nuance in der Formulierung, die darüber entscheidet, ob das richtige Faktum hängen bleibt oder ein völlig falsches Bild entsteht.

Worum geht es? In der Wissenschaftszeitschrift Nature haben chinesische und kalifornische Forscher am Donnerstag vergangener Woche das Ergebnis einer Berechnung veröffentlicht. Demnach könnte der Pazifik in den vergangenen Jahren eine deutlich größere Wärmemenge aufgenommen haben als gewöhnlich. Der Grund ist das Wetterphänomen La Niña, das gerade besonders stark ist. Es befördert in Äquatornähe kaltes Tiefenwasser an die Oberfläche. Deswegen kann das Wasser nun mehr Wärme aus der Luft aufnehmen als im langjährigen Durchschnitt. Und das wiederum wäre eine plausible Erklärung für die Stagnation der weltweiten mittleren Lufttemperatur. Deren Anstieg, das ist keine Neuigkeit mehr, pausiert seit Anfang der nuller Jahre (ZEIT Nr. 5/13).

Also eine Pause des Temperaturanstiegs, nicht des Klimawandels. Das ist nicht spitzfindig, sondern entscheidet über Verständnis oder Unverständnis. Denn der Anstieg der Lufttemperatur ist ja nur ein Faktor neben weiteren wie Ozeanversauerung, Gletscherschmelze oder Meereisschrumpfung, die alle munter weitergehen – insgesamt das Gegenteil von Pausieren.

Was genau macht also Pause? Diese Frage ist deshalb so zentral, weil ja oft nicht viel mehr hängen bleibt als der Eindruck: Irgendwie wissen die Forscher es selbst nicht so genau. Dazu, ihre Grundannahmen infrage zu stellen, taugt die Pazifikthese aber nicht.

Denn auch falls sie stimmt: Der Ozean wird nicht endlos Wärme schlucken. Auf La Niña folgt irgendwann ein entgegengesetzt wirkender El Niño. Dann dürfte der Pazifik weniger kühlend wirken. Wer weiß, ob nicht gar die verschluckte Wärme wieder einen Weg zurück an die Wasseroberfläche findet? Dann würde die Energie aus dem trägeren System Ozean ins dynamischere System Atmosphäre zurückkehren, könnte den Wandel gar beschleunigen.

Und unser Ausstoß von Klimagasen, die Ursache all dieser Wirkungen, pausiert ja keineswegs. Erst im Sommer vermeldete die Internationale Energieagentur einen globalen Emissionsrekord für das Jahr 2012. Damit läuft das planlose Experiment, das die Menschheit in der Atmosphäre durchführt, ungebremst weiter.

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