FernsehserieDie "Girls"

Seit Lena Dunham, 27, die Serie "Girls" erfand, dürfen Frauen im Fernsehen charmante Loserinnen spielen. Dunham, Jemima Kirke, 28, Zosia Mamet, 25, und Allison Williams, 25, spielen Frauen in New York, die wenig auf die Reihe bekommen von Marlene Sørensen

Das Schöne daran, Mitte zwanzig zu sein, ist, dass noch alles offen ist. Dumm nur, dass man sich so sehr den Kopf darüber zerbricht, was man mit all den Möglichkeiten anstellen soll. Welches Leben will man für sich? Welchen Job? Welche Beziehung? Fragen, die sich in dem Alter jeder stellt. Lena Dunham hat aus der Sinnsuche eine der besten Fernsehserien der letzten Jahre gemacht: Girls. Es geht um vier Freundinnen in New York, sie daten dämliche Typen, arbeiten für Praktikantengehälter, fallen immer wieder auf die Nase und versuchen vor allem herauszufinden, wer sie sind.

Girls wird im Frühjahr 2012 zum ersten Mal ausgestrahlt, und schon Wochen vorher redete die Stadt von kaum etwas anderem. Macherin Dunham, Tochter eines New Yorker Künstlerehepaars, hat den Ruf der Überfliegerin. Ihren ersten Film Tiny Furniture, von der eigenen Biografie inspiriert, dreht sie mit 24. Über Girls schrieb das New York Magazine, so etwas habe es im Fernsehen noch nie gegeben. Tatsächlich aber wirken die Charaktere der jungen Frauen bekannt: Es gibt die Lustige (Lena Dunham), die Perfekte (Allison Williams, 25), die Wilde (Jemima Kirke, 28) und die Unschuldige (Zosia Mamet, 25). Doch wenn Sex and the City ein glamouröser Stiletto war, ist Girls der abgelatschte Turnschuh. Jünger, entblößender, ironischer, dabei unfassbar lustig und erschütternd gut. Wer Mitte zwanzig ist, kann sich von der Serie an die Hand nehmen lassen. Wer älter ist, bereut, dass sie erst jetzt läuft. Man hätte die eigenen Krisen einfach als komischer empfunden.

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Lena Dunham und ihre Kolleginnen wurden durch Girls prompt zu Stars. Dunham hat einen astronomisch hohen Vorschuss für das Buch erhalten, an dem sie gerade schreibt. Terry Richardson und Annie Leibovitz haben sie für die schicksten Magazine fotografiert. Paparazzi-Bilder zeigen Dunham auf den Bürgersteigen von New York. Und weil so viel Ruhm den Neid der anderen hart arbeitenden Kreativen auf sich zieht, schrieb Joyce Carol Oates gerade eine Verteidigung der jungen Regisseurin.

Die Girls-Schauspielerinnen werden in New York auf der Straße angesprochen, Fans der Serie besichtigen Greenpoint in Brooklyn – bislang nicht unbedingt ein Ort für Touristen. In den Cafés der Mädchen, wie dem Café Grumpy, bestellen sie einen Tall Latte, sie trinken in Bars wie Over the Eight und kaufen im Vintageladen Beacon’s Closet ein, aus dem die Kostüme stammen. Und so ist Girls dann doch wieder wie Sex and the City: Es existiert bereits die erste geführte Tour zu den Lieblingsorten der Charaktere.

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