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Zwischen schwäbischer Hausfrau, Ludwig Erhard und Milton Friedman: Die Kanzlerin als Ökonomin von 

Kürzlich war eine Gruppe von Internetspezialisten bei der Kanzlerin. Ihre Botschaft an Angela Merkel: Deutschland fehlt Wagniskapital. Deshalb schlugen sie ihr vor, den Finanziers junger Unternehmen mit Steuervorteilen zu helfen, so wie in Großbritannien. Der Vorschlag kam nicht gut an. In Deutschland habe man nun einmal ein anderes System, lautete die knappe Botschaft.

So ist es schon vielen Forschern und Akteuren aus der Wirtschaft gegangen, die – voller Vertrauen in die Einsichtsfähigkeit der Physikerin Merkel – bei ihr vorsprachen. "Zurückhaltend bis abweisend" sei sie mit ihren Positionen behandelt worden, sagt eine junge Mittelständlerin, die wie so viele beim Thema Kanzlerin nicht namentlich genannt werden will. Ihr Resümee ist aber umso deutlicher: "Angela Merkel ist nicht offen."

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Die Kanzlerin höre sich schon alles an, aber nur einmal, heißt es in ihrer Nähe. Die Frau mit den vielen Besuchern ist skeptisch geworden gegenüber Ideen aus der Wirtschaft und aus der Wirtschaftstheorie. Viel wird darüber geredet, dass sie mit Bierdeckel-Steuerreform und dem Beschwören einer "Neuen Sozialen Marktwirtschaft" beinahe die Wahl 2005 verloren hätte und ihr das eine Lehre gewesen sei. Aber sonst ist wenig bekannt darüber, wie sich das ökonomische Weltbild von Angela Merkel entwickelt hat und was von ihr in der Wirtschaftspolitik noch zu erwarten ist. Wer Antworten auf diese Fragen sucht, findet sie bei Ökonomen, die ihr nahe sind, ebenso wie in ihren Reden auf internationalem Parkett oder im Hintergrundkreis – und in ihren Entscheidungen während der Krisenjahre.

Ein führender konservativer Wirtschaftsforscher des Landes gibt das Unbehagen zu Protokoll, das seine Zunft in den vergangenen Jahren ergriffen hat. "Ihre Sicht auf die Wirtschaftsordnung ist nicht zu greifen", sagt er. Auf vielen Feldern bleibe die Kanzlerin "ohne jede ökonomische Konsequenz". Reformen sind Mangelware, Grundsatzreden ebenso. Bestenfalls gebe es mal eine Kommission, wie bei der Demografie und ihren Folgen, aber keine durchgreifende Änderung. Und die Energiewende habe Angela Merkel zwar selbst ausgerufen, dann aber an den Umweltminister delegiert. Wie das laufe, das sei "bestürzend, nachgerade naiv".

Dann kommt das Aber, das in solchen Gesprächen fast nie fehlt: "Aber in der Euro-Krise ist eine andere Merkel zu sehen." Da lege sie selbst Hand an, da sei alles "Kanzlerarbeit". Ob nun 2008, als Lehman pleiteging, oder 2010, als die Euro-Zone zu explodieren drohte – es gab keine Blaupausen fürs politische Handeln. Also musste die Kanzlerin ihre Position selbst finden. Sie tat es mit Erfolg, wie der Gesprächspartner findet: "Ihre Linie ist beachtlich. Die Experten hatten nichts anzubieten."

Sie sei die Aufgabe angegangen wie ein Experiment und habe ihre Haltung angesichts neuer Ergebnisse weiterentwickelt. Die Natur der Krise, die alle festen Bahnen gesprengt hat, und die Natur der Kanzlerin, die den Dingen auf den Grund gehen will, passten demnach zusammen. Und das unter immensem Druck von außen: Ohne Verschuldungsorgie und Fiskalunion werde der Euro nicht überleben, schrien die Angelsachsen; Deutschland müsse eisern sparen und dürfe bloß keine Haftung für andere Länder übernehmen, empörten sich die deutschen Euro-Skeptiker. In diesem Korridor der extremen Forderungen lernte Angela Merkel Krisenökonomie.

Einer, der gemeinsam mit ihr lernte, sagt, sie habe früh beschlossen, dass sie Ökonomie wirklich verstehen müsse. An diese Aufgabe sei sie dann herangegangen, wie sie es als Physikerin gewohnt war: analysierend, auf der Suche nach Wirkung und Gegenwirkung. "Die Durchdringung ist bei ihr außergewöhnlich", lobt der Ökonom. Einmal erhielt sie das Buch Fraktale und Finanzen des Mathematikers Mandelbrot. Der schrieb, führende Volkswirte hätten unrecht, und die Finanzmärkte folgten keineswegs erkennbaren und gleichmäßigen Entwicklungsmustern. Chaos gäbe es da, plötzliches Emporsteigen und Niederkrachen, hohe Unsicherheit und ein großes Überraschungsmoment. Merkel gefiel das Buch. Sie las es durch und verarbeitete es, ein Mosaikstein der Merkelnomics.

Ihre Skepsis gegenüber den ökonomischen Glaubenssätzen von links und rechts, jeweils vorgetragen mit großem Selbstvertrauen, muss währenddessen gewachsen sein. Da waren die Freunde freier Finanzmärkte und Banklobbyisten, die ihr bis ins Jahr 2008 hinein erzählten, nichts sei sicherer als deregulierte Finanzmärkte. Dann brachen genau diese Märkte wie Kartenhäuser zusammen. Aus der Forderung "Finger weg" wurde über Nacht "Der Staat muss helfen", als sei es das Natürlichste auf der Welt.

Leserkommentare
  1. Da kommt doch so einiges gutes zusammen was hier über unsere Kanzlerin, Angela Merkel geschrieben wird. Und ich finde es auch an der Zeit dass mal ein ganzer Artikel über sie kommt. Klar ist hier nicht nur Lob sondern auch Kritik drin, aber eben ohne polemisch oder zynisch mit Schlamm werfen.
    Den Vergleich auf der dritte Seite mein ich, ist wohl am besten gelungen: Schwäbische Hausfrau mit sozialer Marktwirtschaft, aber auch klare Kante: jeder fängt mal klein an und jeder kehrt vor seiner Türe, denn Esel streck dich, das war einmal. Ich denke, das ist die "Merkel´sch´e Zauberformel dass esunserem land in der globalen Krise jetzt so gut geht. Und Frau Merkel weiß auch, wir dürfen uns nicht auf unseren Lohrbeeren ausruhen sondern es muss weiter gehen. Lieber viele kleine Schritte als wie immer alles auf einmal, die Rechnung ist seid Merkel als erste deutsche Bundeskanzlerin immer aufgegangen und ich denk an dem Konzept wird sie auch dranbleiben.
    Klar, Merkel kommt nicht so direkt und sprudelnd rüber wie das bei anderen ist, aber sie kommt eben aus dem kühlen Nordosten und da fällt man nicht sofort jeden um den Hals. Aber das muss sie auch nicht. Sie kann sehr gut zuhören und reden und es stimmt schon ,sie könnte noch einen Tick mehr auf andere eingehen, wenn sie was gefragt wird. Aber ich denke auch, bei dem Termindruck den die Frau hat, schützt sie sich auch wenn sie mal sehr kurz und knapp antwortet. Schließlich hat Frau merkel auch noch einen Mann und damit ein Privatleben

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    • NGC1672
    • 15. September 2013 9:56 Uhr

    Der praktisch einzige Grund liegt in dem Leistungsbilanzüberschuss. Und dieser zeigt recht einfach an, wie stark andere Länder von uns ausgesagut werden.

    Wenn ich mir die Ergebnisse der Merkel-Politik näher anschaue, habe ich den Eindruck, dass Frau Merkel uns die blühenden Landschaften zeigt und die Klippen umschifft wie der Kapitän der Cotsa Concordia.
    Richtschnur scheint nur der Wunsch der Wähler sein, Schönes zu sehen. Ein Beispiel ist sicher die Bankenkrise, wo der Spiegel ("Die Bombe tickt weiter") mit Recht darauf hinweist, dass sich nichts gebessert hat. Die privaten Risiken wurden verstaatlicht und die systematischen Risiken der EU-Banken haben sich seit 2007 verdoppelt (Quelle: Finance Watch und CRML, Universätät Lausanne). Bei der Atompolitik gab es eine umgedrehte Echternacher Springprozession - erst zwei Schritte zurück und dann drei vor. Soll man ausgerechnet einer Physikerin glauben, sie hätte vor dem vierten Reaktorunglück die Risiken nicht verstanden ? Das ist, wie wenn ein Sportlehrer behauptet, er könne nicht Radfahren. Und die sog. Energiewende wird so organisiert, dass die Wähler abgeschreckt werden, weil sie die Zeche zahlen. Die Aufzählung liesse sich lange fortsetzen. Aber das sprengt den Rahmen. Aber die Beispiele lassen erahnen, dass Merkelonomics bedeutet, dass Frau Merkel wie Schettino macht, was ihr kurzfristige Zustimmung einbringt - egal wie gefährlich es wird.

    Eine schöne Aneinanderreihung gängiger Denkfehler, die entstehen, wenn man einzelwirtschaftliches Denken auf die Gesamtwirtschaft anwendet. Lobhudelei für die schwäbische Hausfrau und pure Wahlwerbung für Merkel, das märkische Milchmädchen

  2. ...aber angeblich wollen sie ihren Namen nicht genannt wissen, was ist denn das für ein Stil, mit Verlaub, und wie glaubwürdig sind derartige Artikel ?

    Fest steht, die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordtief, der Dax auf Rekordhoch, die Wirtschaft brummt, die Leute drängen sich in den Innenstädten, mit vollen Einkaufstüten, ich komme selbst gerade von dort zurück, summa summarum, die Wirtschaft brummt, und die Regierung macht alles richtig, das ist die Nachricht, die seriös ist, eine Woche vor der Wahl.

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    So sehe ich das auch. Nur werden wir das wohl von der Zeit nicht erwarten dürfen weil hier das Pendel in der Tendenz immer eher kritisch richtung CDU/FDP ausschlägt. Und dafür gemessen, find ich den Artikel ganz gut, wie oben schon gesagt. Die positiven Seiten die Sie nennen sind aber mehr Leuten klar, als wie es manche die für Steinbrück oder die Grünen halten wahrhaben wollen. Das ärgert die Opposition doch so sehr: es geht Deutschland und den Deutschen gut bis sehr gut und alles an Kritteleien aus der opposition prallen nicht nur an der frau Merkel und der regierung sondern auch an den Wählern ab. Auch wenn es ganz knapp werden wird. Ich bin doch sehr aussichtsvoll dass es solide mit CDU und FDP weiter gehen wird.

    den rotGrünen Sündenfall sich von Griechenland bei der Euroaufnahme blenden zu lassen, machte diese Regierung fast handlungsunfähig.
    Nun ja : dafür haben sie sich eigentlich wirklich gut angestellt
    Die Griechenlandkrise war einfach deftig.
    Eine harte Hand war von Nöten.
    Die Griechen haben ja dennoch aufgrund ihrers Nationalstolzes enorme Probleme mit Auflagen und man muss hier einfach starr bleiben und klare Grenzen markieren.
    Ideologisch verbrämter "Proeuropäismus" führt definitv nicht zum Ziel.

    Genauso wenig wie die ewigen Zitate von fast sozialistischen Ökonomen ,wie Stieglitz, der der STar der Grünen ist.
    Ideologisch gebundene Ökonomen als Refernzen zu verwenden, macht eben nur das DIW , das hauseigene "Institut" der Opposition

    Daß es Deutschland "gut geht" (naja, kommt drauf an, wer Deutschland ist...), oder sagen wir besser: Daß die Wirtschaft momentan brummt und die Arbeitslosigkeit niedrig, ist ja wohl mehr als eindeutig eine direkte Folge der Sozialstaatsreform Agenda 2010. Und das war unter Rot-Grün.

    Frau Merkel fährt lediglich die Ernte ein.

    Oder glauben Sie, die Konjunktur ist an die Aura des jeweiligen Bundeskanzlers geknüpft? Eine Kanzlerin mit guter Aura bringt Wachstum, ein Kanzler mit böser Aura verursacht dagegen schlechte Stimmung in der Wirtschaft und Arbeitslosigkeit?

    die einzige aufgabe der politik besteht also nur darin, die wirtschaft zu stärken?

    Das "Tief" Arbeitslosigkeit korrespondiert mit dem Prinzip Aufstocker und Niedriglohn. Beide Prinzipien sind an sich Subventionen von Arbeitgebern und ggf. Arbeit. Also entweder kaschierte Arbeitslosigkeit oder Stützung von nicht selbst tragenden Unternehmertum.

    In jedem Fall eine Mogelpackung im Bezug auf Wettbewerb und/oder realer Arbeitslosigkeit (als Zahl). Bezahlt vom Steuerzahler.

    Aus FDP Sicht an sich untragbar....

    ...gemeinsam erfolgreich?....

  3. So sehe ich das auch. Nur werden wir das wohl von der Zeit nicht erwarten dürfen weil hier das Pendel in der Tendenz immer eher kritisch richtung CDU/FDP ausschlägt. Und dafür gemessen, find ich den Artikel ganz gut, wie oben schon gesagt. Die positiven Seiten die Sie nennen sind aber mehr Leuten klar, als wie es manche die für Steinbrück oder die Grünen halten wahrhaben wollen. Das ärgert die Opposition doch so sehr: es geht Deutschland und den Deutschen gut bis sehr gut und alles an Kritteleien aus der opposition prallen nicht nur an der frau Merkel und der regierung sondern auch an den Wählern ab. Auch wenn es ganz knapp werden wird. Ich bin doch sehr aussichtsvoll dass es solide mit CDU und FDP weiter gehen wird.

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  4. .... will damit andeuten, Merkel hätte Standpunkte? Auf die Idee ist auch noch keiner gekommen.

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    ...der Autor will andeuten das Merkel in Europa alles richtig macht. Das hier in ein Kanzler Werbeartikel kurz vor der Wahl.

    "Von Irland über Portugal und Spanien bis Griechenland mussten die Krisenländer sich gesundschrumpfen. Heute können diese Volkswirtschaften besser in der Welt mithalten, und erstmals wächst die Wirtschaft der Euro-Zone wieder."

    Das klingt zwar toll, geht aber an der wirtschaftlichen Realität aller Länder vorbei. Das tolle an der Sache ist, das sich kein Leser per Kommentar darauf einlassen kann, denn die komplexität ist gigantisch.

    Nehmen wir nur mal Griechenland. 25% seiner Wirtschaftsleistung verloren, aber die Schuldenhöhe ist die selbe wie 2010, was bedeutet die Quote ist schlechter geworden.
    Eine extrem hohe Arbeitslosigkeit von fast 27% (2010 12,5%).
    Die Infrastruktur des Landes ist veraltet, die Bildung liegt am Boden. Gebildete Griechen verlassen das Land.

    Wenn das in Deutschland passieren würde und ein Jornalist würde dies Gesundschrumpfen nennen...

    Praktisch ist auch der mysteriöse Ökonom aus dem Kanzleramt.
    Und wo ist bitte schön ist Wachstum in Europa/Eurozone? Hat niemand etwas von Inflation gehöhrt und das wirtschaftliches Wachstum nur dann Wachstum ist, wenn das Wachstum Inflationsbereinigt ist? Vorallem betrifft das "Wachstum" nur das letzte quarta l! Das Ökonomen keine wirkliche Erhohlung sehen wird verschwiegen.
    Dieser Artikel basiert nicht auf Fakten sondern auf Wunschvorstellungen und ist einfach nur extrem schlecht.

    MfG

    Ist es denn wirklich so, dass Merkel bei der wichtigsten wirtschaftspolitischen Fragestellung, der Eurokrise, keinen Standpunkt hat?
    Lieber Kommentator, fragen sie doch bitte mal bei unseren Verbündeten nach:
    1) Merkel ist gegen Eurobonds
    2) Merkel lehnt eine Bankenunion ab, welche nur auf eine Übernahme der Verpflichtungen durch Deutschland hinauslaufen würde.
    Hier hat Merkel also durchaus sehr konkrete Vorstellungen.

    Im Gegensatz dazu fordert Steinbrück eine Bankenunion aber behauptet gleichzeitig in einer Bundestagsdebatte, dass ausländische Banken von uns niemals Geld bekommen würden (habe ich das jetzt richtig verstanden?).

    In anderen Politikfeldern haben sie ja vermutlich Recht aber in der Wirtschaftspolitik würde ich Ihnen vehement widersprechen.
    Übrigens ist die Garantie für Spareinlagen im Oktober 2008 sehr interessant. Amerika hatte zwar Ende September bereits eine Garantie für Geldmarktfonds ausgesprochen gehabt, die Ankündigung selbst war aber ein unabsichtlicher Bluff, da man überhaupt nicht wusste, was man eigentlich garantiert. (Siehe http://deutsche-wirtschaf...). Für Merkel war das damals wirklich bemerkenswert.

  5. liest diesen Artikel eher als stillschweigendes Eingeständnis der Medien, ihren Auftrag mangels Durchblick nicht erfüllt zu haben. Statt emphatischer Katastrophenszenarien hätte man sich oft mehr Information und weniger Meinung gewünscht. Wirklich alle wussten es besser und beschworen den Untergang des Abendlandes, falls die Regierung nicht exakt den vorgeschlagenen Wegen folgen würde. Persönlich habe ich daraus den Schluss gezogen, meine Interessen mehr in das Privatleben zu verlagern und mich verstärkt mit interessanten Menschen auszutauschen. Hoffen wir, dass trotz aller Lobby-Interessen, die Kostenreduktion bei der Energiewende gelingt und die Infrastruktur ausgebaut werden kann. Falls nicht, sehe ich schwarz für dieses Land.

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  6. Es ist weder Milton Friedman noch die schwäbische Hausfrau und schon gar nicht die soziale Marktwirtschaft, die europapolitisch als Merkelnomics zum Zuge kamen, sondern eine ganz seltsame Mischung aus Keynesianismus und neoliberaler Deregulierungspolitik, Keynesianismus, weil die EZB wie wahnsinnig Liquidität in die Märkte pumpt, Staatsanleihen in Schräglage geratener Staaten unbegrenzt aufkauft. Zu dieser Lösung musste die Kanzlerin nach 2 Jahren des Zauderns von Mario Draghi quasi hingetragen werden. Auch die deutsche Opposition hat dies schon lange vorher gefordert. Neoliberale Deregulierungspolitik, weil die kleinen Leute in Griechenland, Irland oder Italien über gekürzte Renten, Löhne, Sozialleistungen die Zeche zahlen und der Staat seine Aufgaben stark einschränken muss. Merkel nennt das marktkonforme Demokratie. Das hat mit sozialer Marktwirtschaft nicht mehr viel zu tun. Ob man mit dieser Austeritätspolitik dauerhaft aus der Rezession kommt, muss sich erst noch zeigen. Nebenbei bemerkt ist der Fall der Haftungsunion längst gegeben, da sollten sich die Merkel-Apologeten keine Illusionen machen.

    Innenpolitisch hat Merkel gar nichts geleistet. Die positiven Entwicklungen und die negativen Missstände sind gleichsam Folgen von Schröders Agenda 2010. Welches große Reformpaket hat Merkel gemeinsam mit der FDP angepackt? Da bleibt nur die Energiewende und selbst die hat sie kräftig vermurkst.

    Der Artikel passt deshalb zu Merkels Kanzlerschaft: Purer Etikettenschwindel.

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    Milton Friedman hat sich immer als moderner Keynesianist gesehen. Allerdings in dem Sinne, dass Keynes die Bedeutung des Geldes, einer reinen Geldschwemme zur Lösung von Konjunkturkrisen abgelehnt hat und Friedman als Monetarist genau diese Geldpolitik, die Politik des billigen Geldes und damit die Stärkung der Investorenseite statts der Nachfrage als Lösung betrachtet hat.

    Deshalb stimmt der Vergleich mit der schwäbischen Hausfrau nur insoweit, als dass man als Norddeutscher im Schwabenland häufig das Gefühl hat, es wird nach dem Motto vorne hui und hinten pfui gehandelt. Also vor der Tür ist alles sauber, aber im Keller sollte man besser keinen Blick werfen.

    Ansonsten würde ich die Politik von Frau Merkel eher mit merkantilistischen Motiven beschreiben, also auf den kurzfristigen eigenen Vorteil gerichtet, ohne die Langzeitfolgen zu beachten. Eher mikroökonomisch denkend und ideologisch handeln, als in systemisch denkend.

    Ihr Denken und Handlen scheint absolut auf den Erhalt der Macht und die nächste Wahl ausgerichtet, ökonomisch daher eher verschwenderisch und ohne langfristigen Nutzen angelegt zu sein.

    Daher dürfen wir nach dieser Wahl auch mit vielen Überraschungen rechnen. Interessant wird sein, wen sie sich dafür als Schuldigen aussuchen wird. Vielleicht den Partner der nächsten Koalition?

  7. Eine traditionelle schwäbische Hausfrau hat auch einen Mann. Er verdient das Geld, sie gibt es sparsam aus. Wenn das Budget knapp ist wird sie sicher nicht so dämlich sein zu vergessen dass nicht nur sie mehr sparen muss, sondern auch er mehr reinholen könnte.
    Aber schon dieser simple Zusammenhang - die Einnahmenseite auch zu berücksichtigen, wird stur von CDU und FDP ignoriert. Auf dem Niveau findet der Diskurs statt. Unfasslich.

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    • isback
    • 14. September 2013 20:43 Uhr

    ... auch sehr für die Steigerung der Staatseinnahmen.

    Aber bitte, wie derzeit, weiterhin als Anteil am zusätzlich (!) Erwirschafteten.

    Die Staatseinnahmen durch Steuererhöhungen zu steigern, macht das Land nicht reicher.

    Dadurch wird nur der Anteil des vom Staat verwalteten Geldes höher.
    Welchen Vorteil das haben soll, konnte noch niemand vernünftig begründen.

    Die Einnahmenseite sieht doch wohl ganz ordentlich ein. Die Steuern spülen Milliarden in die Staatskasse und die Krankenkassen vermelden einen Gewinn nach dem andern.Darum meine ich, ist es auch sehr wichtig immer wieder zu sagen, Steuererhöhung alla Rot und Grün würde Gift sein für unser Land. Wir lagen 2005 noch sehr schlecht da und dann wurde alles immer besser mit Angela Merkel und der CDU. Weil viel neue Arbeitsplätze sind entstanden und die Arbeitslosenquote ist sehr niedrig. Gut, es sind nicht immer die besten Job´s, aber lieber für kleines Geld arbeiten und nur ein bischen aufstocken als wie auf Dauer dem Staat immer und chronisch auf der Tasche liegen. Das Existenzlimit ist ja wohl gewährleistet.
    Ich finde es auch gut wie Angela Merkel mehr für den Straßenbau und für die maroden Dauerbaustellen tun will weil das geht wirklich nicht mehr auf eine Kuhhaut. Besonders hier im Westen wurde jahrelang nichts gemacht und das kreide ich der Regierung schon als Minuspunkt an. Gut das der ADAC sich durchsetzen wird und gut Druck macht dass unsere Straßen wieder ordentlich und sicher werden. Das hat zwar Ausgaben in der Konsequenz aber es ist gut angelegtes Geld für unser Land mit so großen Verkehrsströmen am laufenden Band, meine ich.

  8. Man wundert sich, dass Herr Heuser den Artikel nicht mit "ein führender Journalist der Online-Abteilung einer führenden norddeutschen Wochenzeitung" signiert hat.

    Warum werden keine Namen genannt? Vielleicht weil die Herrschaften nicht "führend" sind und eigentlich alles ganz anders war?

    "Aus der Forderung "Finger weg" wurde über Nacht "Der Staat muss helfen", als sei es das Natürlichste auf der Welt."

    Weiß der Autor, was in einer dieser Nächte passierte? Er kann es nachlesen in einem öffentlich gewordenen Protokoll zur Rettung der Hypo Realestate.

    Frau Merkel wurde damals nicht nur von Herrn Dr. Ackermann beraten, sie wurde von ihm ERPRESST als er die Verhandlungen um eine unbeschränkte Haftung der Regierung ab einer Haftungssumme von 7,x Milliarden forderte und durchsetzte. Dieses Protokoll (die vollständige Version über 17 Seiten!!) ist noch im Netz zu finden, zum Beispiel hier:

    http://www.ruhrbarone.de/...

    P.S: Die Rettung der HR hat den Steuerzahler bislang einen satten dreistelligen Milliardenbetrag gekostet.

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