Stimmt's?Haben die Römer Mineralwasser aus Germanien importiert?

... fragt Gerhard Bronner aus Donaueschingen. von 

Dass heute manche Zeitgenossen Mineralwasser von den Fidschi-Inseln oder aus Tasmanien trinken, kann man als Snobismus und Ressourcenverschwendung brandmarken – zumindest ist es im Zeitalter der Globalisierung kein logistisches Problem. Aber waren die Römer so dekadent, dass sie sprudelndes Mineralwasser aus Quellen im heutigen Rheinland-Pfalz in Tonkrüge füllten, luftdicht verschlossen und dann über die Alpen schafften?

Auf den Websites vieler Mineralwasserfirmen kann man diese Geschichte finden. Wahrscheinlich haben alle sie aus derselben Quelle, nämlich von der Informationszentrale Deutsches Mineralwasser. In einer Broschüre mit "wissenschaftlichen" Informationen, die sich an Lehrer wendet, steht zu lesen: "Schon die Römer schätzten das mineralhaltige Getränk aus den germanischen Provinzen ... als Getränk stand das Mineralwasser aus Germanien so hoch im Kurs, dass die Römer es in Tonkrügen über die Alpen nach Rom transportierten."

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Serie: Stimmt's?
Stimmt's?

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Auf die Quelle der Geschichte angesprochen, verweist die zuständige PR-Agentur auf Ulrich Eisenbach vom Hessischen Wirtschaftsarchiv, der zum 100. Geburtstag des Verbands Deutscher Mineralbrunnen 2004 ein Buch über die Geschichte des Mineralwassers verfasst hat. Eisenbach aber hält die Sache für Humbug. Wasser aus sprudelnden Quellen hätten die Römer vor allem für Heilbäder genutzt – beim Trinken waren sie offenbar weniger wählerisch. Ganz gewiss hätten sie es nicht in Krügen die Alpen hinauf- und wieder hinuntergeschleppt. Solche Geschichten seien ein Produkt "wohlmeinender, aber übereifriger Heimatforscher. Für einen geregelten Wasserversand in Krügen", schreibt Eisenbach, "gibt es keinerlei Beweise." Außerdem hätten die Römer noch keine glasierten Tonkrüge gekannt – sodass germanisches Sprudelwasser auf einer Italienreise seine Kohlensäure komplett verloren hätte.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt's?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt's?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. Wichtig war das 2:1 Ideal von Magnesium zu Kalzium, damit die Römer auch in der nächsten Schlacht noch kraftvoll zuschlagen konnten :-)

    5 Leserempfehlungen
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    Ich nehme Medikamente , die zweiwetige Eisenverbindungen entfernen.
    Eigentlich sollte dieses Medikament nur Eisen entfernen. Ich fülle den Speicher
    mit "gaensefurther"mineralwasser auf. Calcium 193 mg/l und Magnesium
    88,5 mg/l. Das ist ein vielfaches eines normalem Mineralwassers !Eines was mehr bringt kenne ich nicht.

  2. Zitat : " Außerdem hätten die Römer noch keine glasierten Tonkrüge gekannt – sodass germanisches Sprudelwasser auf einer Italienreise seine Kohlensäure komplett verloren hätte."

    Ja, klar, Mineralwasser kommt ja komplett mit Kohlensäure aus der Quelle gesprudelt.

    Mann, Mann, Mann....

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    Man braucht aber genau solche Experten wie Sie !

    Bevor ihr Denkapparat das qualmen anfängt: Mineralwasser kommt tatsächlich mit mehr oder weniger viel Kohlensäure aus dem Boden. Zum Beispiel diese Quelle hier sprudelt deutlich: https://fr.wikipedia.org/... , deswegen gibt es das Wasser von dort auch nur mit "wenig" (natürlicher Gehalt) oder "viel" (zugesetzter) Kohlensäure, nicht aber ohne.

  3. Ich nehme Medikamente , die zweiwetige Eisenverbindungen entfernen.
    Eigentlich sollte dieses Medikament nur Eisen entfernen. Ich fülle den Speicher
    mit "gaensefurther"mineralwasser auf. Calcium 193 mg/l und Magnesium
    88,5 mg/l. Das ist ein vielfaches eines normalem Mineralwassers !Eines was mehr bringt kenne ich nicht.

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    Schauen Sie sich doch mal dort um, die Wässer aus der Eifel haben noch ein ganzes Stück mehr an Magnesium und Calcium aufzuweisen. Und zwar durch die Bank...

    (Beispiel: "Nürburg Quelle": 241 mg/l Magnesium und 168 mg/l Calcium)

    Kalzium und Magnesium sind Antagonisten, heben sich also bei gleichzeitiger Einnahme in der Wirkung auf. Da kann man mal sehen, wie der Placeboeffekt wirkt.

  4. Man braucht aber genau solche Experten wie Sie !

    Antwort auf "Erst denken, dann...."
    • welll
    • 15. September 2013 0:10 Uhr

    wenn sie nur das Mineralwasserkonzentrat transportiert hätten, wie man es eine Zeit lang im 19. Jahrhundert geamcht hat ;-)

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    Dass die Römer nur die mineralische Trockensubstanz des Mineralwassers über die Alpen geschleppt haben, ist noch weniger wahrscheinlich. Aber 3-fach konzentriert, wie Tomatenmark, ist gut möglich. Kohlensäure haben sie sich wahrscheinlich aus vulkanischen Quellen gezapft und in den römischen Mineralwasserabfüllbetrieben in der aufbereitere Import-Germanenwasser eingerührt.

    • Ambitio
    • 15. September 2013 6:03 Uhr
  5. Schauen Sie sich doch mal dort um, die Wässer aus der Eifel haben noch ein ganzes Stück mehr an Magnesium und Calcium aufzuweisen. Und zwar durch die Bank...

    (Beispiel: "Nürburg Quelle": 241 mg/l Magnesium und 168 mg/l Calcium)

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    Antwort auf "das passt wohl !"
  6. Unumstritten hatten die alten Römer ja Eis der Alpen bis nach Rom gebracht. Diese Route gab es.

    Natürlich nutzte man auch keine Krüge, da waren die alten Römer schon schlauer, nutzen Leder und Stroh als Isolatoren.

    Die Lösung liegt also wie folgt auf der Hand:
    Im Winter gefrorenes Mineralwasser transportieren. Beim Auftauprozess geht zwar ein guter Teil der Kohlensäure verloren - ein Rest verbleibt aber auch.
    ( Letzteres kann jede/r im Frostfach seines Kühlschrankes ausprobieren. Ist ganz einfach - und Nein! keine Glasflaschen nehmen )

    Übrigens, mit Winterbeginn zogen oft römische Heere wieder gen Rom/Italien. Hatten also die Tribute dabei. Somit grosse Transportkapazitäten vorgehalten.
    So Mineralwasser in Rom einen hohen Handelswert hat ( vergl. Eis ) würde es also Sinn machen. Billiges Getreide kam aus Ägypten, das hätte man nicht aufwendig aus Germanien mitgenommen.

    Ich halte es daher für glaubwürdig.

    Nur so am Rande, nebenbei

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    weshalb auf Mineralwasserflaschen, die keine Kohlensäure enthalten, inzwischen das Wort 'naturelle' steht.

    Ganz sicher haben die Römer aber kein 'Selters'wasser im gefrorenen Zustand über die Alpen transportiert.

    Und vor allem waren die Römer auch nicht so doof ihr gutes Mineralwasser mit Kohlensäure zu versetzen.

    Außerdem gab es zumindest genug gute Quellen in Italien, dass es einfach Quatsch gewesen wäre, Mineralwasser in Krügen oder Schläuchen von Germanien z.B. nach Rom zu transportieren.

    • Tiroler
    • 16. September 2013 18:28 Uhr

    Die Römer wären niemals auf die absurde Idee gekommen, Eis aus den Alpen nach Rom zu transportieren. Das Eis, das die Römer sowohl zur Kühlung als auch zur Bereitung von Speiseeis verwendeten, stammte ausschließlich vom Appenin.

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  • Serie Stimmt's?
  • Schlagworte Geschichte | Getränk | Globalisierung | Wasser
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