Umweltschutz : "Wir lernen sehr langsam"

Lassen sich Wirtschaftswachstum und Umweltschutz miteinander vereinbaren? Ein Gespräch mit Ernst Ulrich von Weizsäcker und Michael Otto, dessen Umweltstiftung 20 Jahre alt wird.
Gelb schimmert der verschmutze Fluss in Jiaxinx, in der südostchinesichen Provinz Zhejiang. Er fließt an einer Fabrik für Schrauben und Muttern vorbei. © Stringer/Reuters

DIE ZEIT: Das Verhältnis zur Natur, so heißt es, wird in der frühen Kindheit geprägt. War das bei Ihnen auch so?

Michael Otto: Nur was man liebt, das schützt man. Ich war immer viel in der Natur. Als 16-Jähriger habe ich meine erste große Radtour nach Schweden und Norwegen unternommen, durch riesige Wälder und Seengebiete. Bis heute finde ich in der Natur zu mir selbst.

ZEIT: Ihr Engagement ist durch den Bericht des Club of Rome ausgelöst worden: Die Grenzen des Wachstums. Wie kam das?

Otto: Der Bericht hat seinerzeit erstmals mit Zahlen, Daten und Hochrechnungen die Gesamtentwicklung auf unserem Globus aufzuzeigen versucht. Das war für mich eine große Bewusstseinserweiterung. Ich dachte: Es muss was passieren, und jeder muss bei sich selbst anfangen. Darum haben wir Ende der siebziger Jahre bei Otto die ersten Projekte zum Thema Umweltschutz begonnen.

Ernst Ulrich von Weizsäcker

ist Chemiker, Physiker und Biologe. Er hat die Universität Kassel und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie geleitet, war SPD-Bundestagsabgeordneter, Umweltwissenschaftler in Kalifornien und ist Mitglied des Club of Rome. Wichtige Anstöße gab er mit seinen Büchern zum Ressourcensparen. Zuletzt erschien Faktor Fünf – die Formel für nachhaltiges Wachstum.

Ernst Ulrich von Weizsäcker: Mich wundert bis heute, dass erst die Mathematik manchen Menschen die Augen für den rapiden globalen Naturverbrauch geöffnet hat. Noch dazu eine fehlerhafte Mathematik: In der Formel, die Dennis Meadows verwendet hat, war die Industrieproduktion an die Umweltverschmutzung gekoppelt. Die Reaktion darauf war aber richtig: Wir mussten uns um die Entkopplung der Umweltzerstörung vom Industrie-Output kümmern.

ZEIT: Hat das Handeln genug bewirkt?

Otto: Schadstoffausstoß und Wachstum wurden zumindest in den Industrieländern stark entkoppelt. Aber weltweit nehmen Umweltverschmutzung und der CO₂-Ausstoß leider nach wie vor zu.

ZEIT: Auch weil wir unsere emissions- und schadstoffträchtigen Industrien in Entwicklungsländer exportiert haben?

Otto: Nicht unbedingt. Aber richtig ist: Wenn wir Waren importieren oder die Produktion in andere Länder verlagern, müssen wir dort Mindeststandards einfordern.

ZEIT: Kann ein Unternehmen allein das leisten?

Otto: Nein, dafür brauchen wir globale Allianzen. Als wir in den Neunzigern bei der Otto Group Sozialstandards für den weltweiten Import eingeführt haben, haben wir damit nur die Lieferanten erreicht, für die wir Großkunde sind. Also habe ich 1998 die Vorstandsvorsitzenden aller großen deutschen Handelsunternehmen eingeladen und mit ihnen die Grundlage für den späteren BSCI-Standard entwickelt. Der wird heute von über tausend Unternehmen in Europa und darüber hinaus eingesetzt.

ZEIT: Es gibt aber auch Lieferanten, die ihn meiden ...

Otto: Firmen, die unsere Standards einhalten, sind am Ende viel besser organisiert als die Billigkonkurrenz!

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Kommentare

5 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Richtig oder falsch?

Richtig, dass alle fossilen Energieträger (Kohle, Öl, Gas) aus abgestorbenen Pflanzen und Tieren entstanden sind, nachdem sie CO2 (Kohlendioxid) gebunden haben? Der Prozess hat Millionen von Jahren gedauert. Und bevor das alles gebunden war, hatten wir auf dem Globus ein richtiges Treibhaus (man blicke auf die Venus). Jetzt holen wir das Werk von Jahrmillionen innerhalb von ein paar Jahrzehnten wieder aus dem Boden raus und machen daraus wieder -Kohlendioxid-, richtig? Was wir davon erwarten müssen, ist wohl klar. Ließe sich das vermeiden? Ja, wenn wir das Kohlendioxid (also Öl, Kohle und Gas) dort lassen, wo es ist, richtig? Plastik, ein Erdölprodukt würde uns da sehr fehlen! Werden wir wohl kaum schaffen! Eine Lösung wäre es, das entstehende Kohlendioxid durch Binden oder Umwandeln unschädlich zu machen. Würde gewaltige Energien und Kräfte kosten plus einem Einverständnis aller CO2 Produzenten. Klingt utopisch. Bleiben also nur noch Sonne, Wind und Wasserkraft und Fahrrad. Klingt utopisch. Es sei denn, wir verändern uns radikal. Klingt auch utopisch. Was bleibt? Das Klima wird sich weiterhin und mit zunehmender Geschwindigkeit verändern (wir holzen ja auch kräftig weiter ab) und das so lange, bis es keine Veränderer mehr gibt! Richtig, oder falsch?