ElektroautosWo ist die nächste Steckdose?

So langsam kommen Elektroautos in Fahrt. Zwei Spezialisten erzählen, wie sie die Wagen flott machen. von Christine Böhringer

Wenn Andreas Kurtz in den letzten Jahren mit seinem Dienstwagen in Deutschland, Südafrika oder Frankreich unterwegs war, hatte er immer nur ein einziges Ziel: Die Batterie des Fahrzeugs so richtig leer zu fahren, bis das Auto fast stehen bleibt und er es gerade noch zurück aufs Testgelände lenken kann. Denn eine leere Batterie ist für Andreas Kurtz die beste Arbeitsgrundlage: Der 28-Jährige ist Spezialist in der Entwicklung von Ladefunktionen für Elektroautos bei BMW. Zusammen mit seinem Team hat er das Aufladen der Batterie des neuen BMW i3 unzählige Male in verschiedenen Situationen getestet und dafür gesorgt, dass die zukünftigen Besitzer ihre Fahrzeuge zu Hause oder an öffentlichen Säulen mit Strom auftanken können, ohne dass es Probleme gibt – einfach Stecker rein, abwarten und fertig. "Wenn die Autofahrer von unserer Arbeit nichts merken, haben wir alles richtig gemacht", sagt Kurtz.

Der junge Ingenieur hat an der Hochschule München für angewandte Wissenschaften Fahrzeugtechnik auf Diplom studiert und anschließend einen Master in Fahrzeugmechatronik daraufgesetzt, einem interdisziplinären Mix aus Mechanik, Elektronik und Informationstechnologie. Während des Studiums war er Werksstudent bei BMW, nach dem Abschluss wurde er in der Entwicklungsabteilung "Energiebordnetz und Elektrifizierung" übernommen. Kurtz hätte nicht in Bayern bleiben müssen, er wäre auch anderswo sofort untergekommen: Alle Hersteller und Zulieferbetriebe sind derzeit auf der Suche nach gut ausgebildeten Elektronik- und Softwarespezialisten wie ihm. In der Automobilbranche zieht die Entwicklung von Elektroautos an. Bis Ende 2014 sollen weltweit 16 neue Modelle auf den Markt kommen. Auch auf der IAA, der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt, sind in diesen Tagen einige der neuen "Stromer" vertreten.

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Die Automobilhersteller wollen nicht nur, sie müssen sich auch in diese Richtung bewegen: Denn die EU hat neue CO₂-Grenzwerte für Autos festgelegt, im Jahr 2020 müssen Neuwagen ein Drittel weniger Kohlendioxid ausstoßen als heute. Klimaschonende Elektroautos und Hybridfahrzeuge können die Autobauer jedoch für einen bestimmten Zeitraum mehrfach anrechnen lassen und so den CO₂-Ausstoß ihrer Neuwagenflotten statistisch reduzieren.

"Viele Fahrer haben Angst, dass sie mit dem Elektroauto liegen bleiben"

Doch es gibt ein Problem: Bislang hält sich das Interesse an Elektroautos in Grenzen. In Deutschland finden sich unter insgesamt 43 Millionen Autos derzeit nur rund 7.100 zugelassene Elektrofahrzeuge. In der Regel sind sie für die Kunden im Vergleich zu herkömmlichen Autos entweder zu klein, zu teuer, zu langsam oder haben eine zu geringe Reichweite – oder gleich alles zusammen. "Viele Autofahrer haben auch Angst, dass sie mit einem Elektroauto liegen bleiben können", sagt Franz-Xaver Biermeier. Er ist Maschinenbauingenieur und bei BMW verantwortlich für den i3-Elektroantrieb. Das soll sich mit dem Kleinwagen, der im September in Leipzig aus dem Produktionswerk rollt, ändern: "Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, nicht einfach einen herkömmlichen Wagen umzurüsten, sondern ein Elektroauto von Grund auf neu und so zu gestalten, dass es erfolgreich sein kann."

Erstmals haben die Münchner Autobauer daher für eine Großserie den Werkstoff Karbon verbaut. Die Fahrgastzelle besteht aus dem kohlefaserverstärkten Kunststoff – sie ist dadurch stabil, aber auch sehr leicht und soll so das hohe Gewicht der Batterie kompensieren. Den Hochvoltspeicher haben die Ingenieure platzsparend unter den Sitzen im Chassis positioniert und dadurch einen Viersitzer geschaffen. "Der i3 wird rund 35.000 Euro kosten, für das Geld will man ja schon mehr als einen Zweisitzer", sagt Biermeier. Ein Batteriemanagement soll eine hohe Lebensdauer der Lithium-Ionen-Zellen garantieren. Mit dem Kältemittel der Klimaanlage wird der Hochvoltspeicher gekühlt. Das Elektroauto soll es so auf 150 Stundenkilometer bringen und bis zu 160 Kilometer weit kommen.

Insgesamt arbeiten bei BMW derzeit 3.000 Mitarbeiter an der Elektromobilität. Seit 2007 ist die Entwicklung des i3 im Gang, und Andreas Kurtz und sein Team haben sich allein zweieinhalb Jahre lang mit dem Testen von Ladefunktionen beschäftigt. "Die Herausforderung für uns war, dass es keine großen Erfahrungen in diesem Bereich gab – der i3 ist das erste vollelektrische Serienauto der Marke", sagt Andreas Kurtz.

Leserkommentare
  1. Das ist technisch überhaupt kein Problem. Aber kostet mindestens 20 % Verlust.
    Man kann da Leitungen in die Fahrbahn legen und z.B. vor Ampeln oder an Steigungen die Fahrzeuge aufladen. Aber die Abrechnung ist kompliziert und die anfallenden Daten wieder ein gefundenes Fressen für die NSA und die Sicherheit.
    Stromübertragung mit Induktion von unten gibt es schon bei Straßenbahnen, weil manche Fanatiker sich an der Ästhetik der Oberleitungen stören.
    Aber ganz ohne Auto und Idividualverkehr wäre viel einfacher umweltfreundlicher.

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    Alle Strassen, möglichst auch noch Parkplätze, per Induktion zu Elektrosmogquellen umzugestalten hört sich für mich zumindest nicht sehr logisch an.

    Nicht alles denkbare oder auch machbare ist eine optimale Lösung.

    Gruss

  2. Alle Strassen, möglichst auch noch Parkplätze, per Induktion zu Elektrosmogquellen umzugestalten hört sich für mich zumindest nicht sehr logisch an.

    Nicht alles denkbare oder auch machbare ist eine optimale Lösung.

    Gruss

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Aufladen mit Induktion"
  3. sogar noch österreichische Alt-Kohle-KWs als Puffer gegen den selbstgewählten Stromnotstand brauchen, ist jede Diskussion über E-Autos überflüssig.

    Erst muss die Krankheit dieser 'Energiewende' geheilt sein, dann kann man da weiterdenken.

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    • ftx32
    • 21. September 2013 16:04 Uhr

    Belegen Sie mal den Quatsch, den Sie da von sich geben. Deutschland hat im letzten Jahr Energieüberschüsse erwirtschaftet.

    • RGFG
    • 21. September 2013 17:11 Uhr

    wie Sie hier argumentieren - "erst muss irgend etwas vollständig nach meinen Wünschen laufen, bevor ich überhaupt zu denken anfange" - dann hätten Sie nicht besonders lange Freude dran...

    • ftx32
    • 21. September 2013 16:04 Uhr

    Belegen Sie mal den Quatsch, den Sie da von sich geben. Deutschland hat im letzten Jahr Energieüberschüsse erwirtschaftet.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "solange wir "
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    DEN Blödsinn braucht man nun wirklich nicht mehr diskutieren - das ist schon in -zig Foren und Artikeln geschehen und dokuméntiert.
    Tagträumen Sie einfach weiter, meine Aufgabe ist es nicht, Sie aufzuwecken.

  4. DEN Blödsinn braucht man nun wirklich nicht mehr diskutieren - das ist schon in -zig Foren und Artikeln geschehen und dokuméntiert.
    Tagträumen Sie einfach weiter, meine Aufgabe ist es nicht, Sie aufzuwecken.

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    Antwort auf "@tempus mendax"
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    • ftx32
    • 21. September 2013 16:29 Uhr

    Sie zitieren eine Meldung vom 05.01.12 (!!) - ein einmaliger Vorgang.

    Ich zitiere aus dem Artikel:

    > An diesen Tagen sorgte das Sturmtief "Ekkehard" für ein fast volles
    > Windkraftangebot von rund 20.000 Megawatt in Norddeutschland, das
    > aber wegen fehlender Leitungen nicht nach Süden transportiert werden
    > konnte.
    > Erschwerend sei hinzu gekommen, dass der Block C des Atomkraftwerks
    > Gundremmingen der RWE AG unplanmäßig abgeschaltet war, [...].

    Es war also genug Strom vorhanden, nur mangelte es beim Netzausbau (nix mit Energiewende!) - denn:

    > Der Energiewende zum Trotz - Deutschland hat 2012 sehr viel mehr
    > Strom ausgeführt als importiert. Im Vergleich zum Jahr des
    > Reaktorunglücks in Japan 2011 vervierfachte es den Exportüberschuss
    > sogar.

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/jahresbilanz-deutschland-vervierfa...

    Außerdem leben wir in der EU, Stromtransfers sind da etwas Übliches. Italien kommt vollkommen ohne AKW aus.

    Sie können nur den Mund aufmachen, wenn es tatsächlich zum Totalausfall kommt. Das war bisher nicht der Fall.

    Das nächste Mal wäre auch ein Kommentar zum Artikelthema hilfreich, was hier nur bedingt der Fall ist.

    • ftx32
    • 21. September 2013 16:29 Uhr
    6. @Troll

    Sie zitieren eine Meldung vom 05.01.12 (!!) - ein einmaliger Vorgang.

    Ich zitiere aus dem Artikel:

    > An diesen Tagen sorgte das Sturmtief "Ekkehard" für ein fast volles
    > Windkraftangebot von rund 20.000 Megawatt in Norddeutschland, das
    > aber wegen fehlender Leitungen nicht nach Süden transportiert werden
    > konnte.
    > Erschwerend sei hinzu gekommen, dass der Block C des Atomkraftwerks
    > Gundremmingen der RWE AG unplanmäßig abgeschaltet war, [...].

    Es war also genug Strom vorhanden, nur mangelte es beim Netzausbau (nix mit Energiewende!) - denn:

    > Der Energiewende zum Trotz - Deutschland hat 2012 sehr viel mehr
    > Strom ausgeführt als importiert. Im Vergleich zum Jahr des
    > Reaktorunglücks in Japan 2011 vervierfachte es den Exportüberschuss
    > sogar.

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/jahresbilanz-deutschland-vervierfa...

    Außerdem leben wir in der EU, Stromtransfers sind da etwas Übliches. Italien kommt vollkommen ohne AKW aus.

    Sie können nur den Mund aufmachen, wenn es tatsächlich zum Totalausfall kommt. Das war bisher nicht der Fall.

    Das nächste Mal wäre auch ein Kommentar zum Artikelthema hilfreich, was hier nur bedingt der Fall ist.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "also über"
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    • ftx32
    • 21. September 2013 16:33 Uhr

    Artikel zum Stromtransfer: http://www.welt.de/dieweltbewegen/article13798376/Oesterreich-rettet-deu...

    Dass die Welt im konservativen Lager dieses Thema nur für seine Zwecke instrumentalisiert, ist an den Kommentaren abzulesen.

    http://www.focus.de/immobilien/energiesparen/tid-33545/chef-der-bundesne...

    Im Kommentarbereich findet sich auch eine zwar richtige, aber zu knappe Erklärung. Befassen Sie sich ruhig mal näher damit, wie der Strom in die Dose kommt - es lohnt.

    Ganz so einfach ist die Thematik leider doch nicht. Ständig wird Strom im- und exportiert. Das liegt nicht primär daran, dass man damit Geld verdienen will, sondern um die Frequenz in den Netzen stabil zu halten.

    Diese Problematik gibt es halt, das Netz braucht 50,2 Hz. Was in aktuellen Tagen das Problem verschärft ist die Tatsache, dass konventionelle Kraftwerke langsam rauf- und runtergefahren werden und PV- oder Windkraftanlagen schnell an- bzw. ausgehen.

    Wenn die konventionellen Kraftwerke laufen, weil kein Wind weht, dann Wind aufkommt, und die EE-Anlagen vorrangig eingespeist werden, muss der überschüssige Strom aus dem Netz.

    Andersherum ist es genauso. In beiden Fällen kommt es sonst zu Sicherheitsabstellungen des Stromnetzes.

    Ich bin in dem Thema nicht kein Profi, aber ich weiß, dass es nicht einfach nur schwarz-weiß ist und sehr kompliziert.

    Smart Grid und Smart Meter mit intelligenten Zählern und NEtzen sollen dabei helfen, den weiter voranschreitenden Ausbau der EE-Anlagen zu untersützen, stecken aber selbst noch in den Kinderschuhen und machen erst Sinn, wenn auch die Endgeräte intelligent arbeiten, z.B Kühlschränke, die Energie speichern können, wenn viel im Netz ankommt.

    • ftx32
    • 21. September 2013 16:33 Uhr

    Artikel zum Stromtransfer: http://www.welt.de/dieweltbewegen/article13798376/Oesterreich-rettet-deu...

    Dass die Welt im konservativen Lager dieses Thema nur für seine Zwecke instrumentalisiert, ist an den Kommentaren abzulesen.

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    Antwort auf "@Troll"
  5. http://www.focus.de/immobilien/energiesparen/tid-33545/chef-der-bundesne...

    Im Kommentarbereich findet sich auch eine zwar richtige, aber zu knappe Erklärung. Befassen Sie sich ruhig mal näher damit, wie der Strom in die Dose kommt - es lohnt.

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    Antwort auf "@Troll"
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    • ftx32
    • 21. September 2013 16:43 Uhr

    Interessant, was für einen Lebenslauf der Herr Homann hat:

    > Unter den FDP-Ministern Martin Bangemann und Helmut Haussmann
    > war er 1987 bis 1990 als Redenschreiber tätig.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Jochen_Homann

    Aber selbst er gibt zu (wie oben schon beschrieben):

    > Der Netzausbau hinkt deutlich hinter dem Ausbau der Stromerzeugung
    > aus erneuerbaren Energien hinterher.

    Er ist also gar nicht gegen die Energiewende, er will sie sogar beschleunigen. Wo ist denn Ihr Problem?

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