FinanzkriseLehmans Lehren

Als das Bankenchaos ausbrach, schien die Welt unterzugehen. Sind wir heute schlauer, oder passiert uns das wieder? von 

Vor fünf Jahren geschah etwas Erstaunliches: Die Welt ging nicht unter. Der Tod der Wall Street, das Ende des Kapitalismus – daran glaubten fast alle, als die New Yorker Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 pleiteging. Die Banken würden einander nun wie Dominosteine in rasender Folge zu Fall bringen.

Es kam anders. Glücklich jene Anleger, die damals Nerven, Aktien und Anleihen behielten. Keine weitere Großbank brach mehr unerwartet zusammen, und die Kurse stehen heute höher als damals. Gemessen an den Erwartungen, ist ein Wunder geschehen – möglich gemacht durch Rettungs- und Konjunkturpakete, Einlagen- und Schuldengarantien. Die Regierungen und Notenbanken haben alle Register gezogen.

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In Wahrheit ist aber weder die Krise zu Ende, noch ist alles gut. Zwar haben wir die Krise satt, Politiker, Leser und Zuschauer, sogar die Journalisten. Und die Banker tun obendrein alles, damit wir sie vergessen. Aber genau das ist das Problem. Anders als 1929, als die Weltwirtschaft in die Depression krachte, haben die Industrieländer sich diesmal Zeit gekauft und sich vorgenommen: Erst retten wir Sparer, Banken, ganze Länder, dann räumen wir auf. Wir bauen Schulden ab, stärken unsere Volkswirtschaften und ordnen die Finanzwirtschaft neu.

Mit einem Nebensatz kann Draghi die Finanzmärkte auf Talfahrt schicken

Doch das große Aufräumen ist schwer. Die Griechen brauchen wieder Hilfe, möchten sich aber nicht gängeln lassen. Und in Portugal schwindet die Mehrheit fürs Sparprogramm. Während also die Nehmerländer genug haben vom harten, fremdbestimmten Leben, wollen die Geberländer nicht noch mehr Geld riskieren. Zwei Drittel der Deutschen befürchten, mit ihren Steuern die europäische Rechnung zahlen zu müssen.

Die Idee der Rettung ist aber, dass keine Nation durchdreht oder sich verweigert. Wir erleben einen historischen Test: Halten die Demokratien so lange durch, dass auch der Euro hält? Und mehr noch: Können sie sich gleichzeitig gegen die Finanzwirtschaft behaupten, diese sanieren und regulieren?

Noch verbergen sich in den Bilanzen der europäischen Banken faule Kredite in zwei- oder dreistelliger Milliardenhöhe, und das nicht nur in Spanien, wo besonders viele Hypotheken platzen. In Deutschland sitzen Institute wie die Commerzbank oder die HSH Nordbank auf unsicheren Schifffahrtskrediten, und in Bad Banks lagern toxische Papiere. Offiziell will Europa ehrlich werden, aber inoffiziell wollen viele Länder weiter mogeln. Nur kann die Wirtschaft eben nicht gesunden, solange die Banken krank sind.

Stabil wird sie zudem nur sein, wenn wir neben den Banken auch die Fonds, die ihnen einen Teil ihres spekulativen Geschäfts abnehmen, streng regulieren. Doch die wetten von London oder den Cayman Islands aus gegen Länder, übernehmen Großfirmen – und können die Weltwirtschaft erbeben lassen, ohne dass jemand sie aufhält. Wie schon so oft konnten sich die 20 großen Wirtschaftsnationen auch jetzt in St. Petersburg nicht auf neue Regeln einigen.

All das soll keine schlechte Laune machen, es gehört bloß zur Krisenwahrheit dazu – genauso wie die größte Herausforderung von allen: die Macht der Zentralbanken. Denn nicht Angela Merkel sitzt auf unerschöpflichen Geldreserven in Europa, sondern Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank. Deshalb hat er der Kanzlerin den Rang als oberster Retter abgelaufen; mit einem Federstrich, mit einem Nebensatz kann er die Finanzmärkte auf Berg- oder auf Talfahrt schicken.

Leserkommentare
    • barfly
    • 15. September 2013 13:32 Uhr

    uns? wieso uns?
    mir ist "das" nicht passiert, und in meinem bekanntenkreis ist auch niemand, der mitgemacht hat.

    und mit schlau oder weniger schlau hat das nix zu tun, sondern mit gier.

    2 Leserempfehlungen
    • -aki-
    • 15. September 2013 13:37 Uhr
    2 Leserempfehlungen
  1. >> ist ein Wunder geschehen – möglich gemacht durch Rettungs- und Konjunkturpakete <<

    ... haben Wunder vollbracht durch Rettungs- und Konjunkturpakete? Hört, hört! Bestellen und andere bezahlen lassen kann jeder. Das ist kein Wunder, das ist Zechprellerei auf Kosten des Steuerzahlers.

    5 Leserempfehlungen
    • Oyamat
    • 15. September 2013 13:58 Uhr

    Wenn stimmen würde: "Denn auf Dauer muss der Wohlstand verdient...", dann hätten ein Haufen hart arbeitender Leute heute kein Problem mit ihrer Existenzsicherung. Leider stimmt es, wie man daran sieht, so aber nicht.

    Herbeigezaubert wird trotzdem nichts. Es wird zusammengeklaut, mit Lügen, Tricks, Ausbeutung, Umweltvernichtung, Kriegstreiberei...

    Und entsprechend wird auch niemand etwas ausrichten können. Das System ist gut genug für die, die irrsinnige Massen an Reichtümern horten und damit immer neue Reichtümer scheffeln, die Politik zu diesem Zweck erpressen oder schlicht aufkaufen und meinen, die Welt *müsste* eben so sein.
    Darum nimmt die Krise auch kein Ende, nicht einmal eins mit Schrecken - das wäre schlecht für's Geschäft. Nein, die Krise muß ewig weitergehen, damit die Menschen (Arbeitssklaven ebenso wie Politiker) Angst haben und erpessbar bleiben.

    Durchschaubar ist das. Zu ändern offenbar nicht.

    MGv Oyamat

    5 Leserempfehlungen
  2. "Wir" ist hier schon mal ein Wort, daß ich persönlich zurückweisen muß. Ich habe noch niemals in meinem Leben mit dem Geld anderer Leute gezockt. Ich habe auch noch niemals mein bißchen Geld anderen in die Hand gedrückt, damit die damit zocken. Ich habe auch keine Lebensversicherung oder andere Dinge, wo so etwas auf Umwegen passieren könnte, bevor einer fragt.

    Also, die Banker, die Hedgefonds-Bändiger, die Wall Street-Zocker, die Immobiliengierlappen und die Idioten, die geglaubt haben, ihr noch nicht einmal bezahltes McHouse sei "eine Bank" deren Wert ewig steigt - diese ganzen Pappnasen haben die Krise herbeigeführt.

    Sind diese Leute heute schlauer? Nein, sind sie nicht.
    Dieselben Leute sitzen bei Goldman Sachs, bei J.P. Morgan, bei der Bank of America. Dieselben Methoden werden benutzt, um virtuelles Geld mit virtuellen Hebeln um den Planeten zu schieben und es dabei auf wundersame Weise zu "vermehren" - als wäre Geld was Biologisches.
    Dieselben Leute tun dasselbe und erwarten, daß diesmal ein anderes Ergebnis erzielt wird. Dummheit und Gier als unendliche Ressource.

    Das kann uns also auch allen noch einmal passieren. Allerdings ist "noch einmal" auch falsch, denn wir sind immer noch mittendrin in der aktuellen Krise, wenn man so will, im Auge des Sturms.
    Wer schon einmal einen Hurricane erlebt hat, weiß, daß das der falsche Zeitpunkt ist, um Entwarnung zu geben.

    Beim nächsten Mal retten wir die Banken nicht, so viel ist sicher.

    4 Leserempfehlungen
  3. Als ob die Finanzmärkte und das Fiatgeld wichtig oder gar werthaltig wären. Nichts sind sie - genauso wie Draghi ein Nichts ist.

    Es wird höchste Zeit, dass wir uns an der Basis organisieren und föderalisieren und den Globalistenkonzernen den Rücken zuwenden.

    Wir können unser Schicksal selbst in die Hand nehmen.

    Wir brauchen weder eine Merkel, noch eine Lagarde, noch einen Draghi, etc. pp. und schon gar nicht deren massenmediale Propagandasprachrohre.

    Packen wir unser Schicksal doch selber an und koppeln die Parasiten ab!
    Es ist höchste Zeit für diesen Schritt!

    2 Leserempfehlungen
  4. Zwischen 2009 und 2014 werden die Deutschen das Ausland mit 1400 Milliarden Euro überflutet haben.

    Solange die Deutschen weiter den Konsum des Auslands auf Pump finanzieren wird die nächste Blase platzen.

    Billiges Geld aus Deutschland, dass in Real, Rubel, ... getauscht wird, senkt die Wettbewerbsfähigkeit der so beglückten deren Währungen werten auf und erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen, der Euro wertet ab oder nicht genügend auf, um die Ungleichgewichte im Aussenhandel abzubauen.

    Nur deshalb, weil Deutschland dies tut schlittern wir von einer Finanzkrise in die andere.

    Wettbewerbsfähigkeit über alles, oder Währungskrieg gegen den Rest der Welt.

    Eine funktionierende übernationale Behörde würde deutsche Produkte mit Strafzöllen von 100% belegen um den Schaden der von Deutschen angerichtet wird auszugleichen.

    Die Finanzkrise war ja nicht billig für die deutsche Bevölkerung.

    1000 Milliarden Euro verkauftes Staatsvermögen und 500 Milliarden Euro zusätzliche Staatsverschuldung gegenfinanziert durch ein Streichkonzert nach der Wahl von Sozialleistungen und der Entlassung tausender Staatsbeamter.

    Eine Leserempfehlung
  5. Und jetzt wieder das Gleiche: Niedrigstzinsen befeuern endlos die Börsen und Immobilienmärkte, um den Anschein von Wohlstand zu suggerieren, und locken Anleger in immer riskantere Positionen (das Geld dafür ist ja da), Kleinsparer sitzen auf dem Trockenen. Aber alles nicht basierend auf realen, fundamentalen wirtschaftlichen Entwicklungen, sondern fiktiv, virtuell, mit Werten, die nur auf dem Papier (bzw. in digitalen Welten) existieren. Spekulation pur. Wie sonst könnte ein Index sprunghaft steigen, nur weil ein Mann zurücktritt, der für eine restriktivere Geldvermehrung stand!? Meister Draghi spaziert auf einem Drahtseil in luftiger Höhe und weiß, dass sich der Abstand zum rettenden Ufer mit jedem Schritt, den er macht, um anderthalb Schritte verbreitert. Aber er gewinnt Zeit. Und die, deren Werte durch diese Politik steigen, freuen sich. Die Mehrheit der Bürger bekommt garnicht mit, was hier gespielt wird, denn Wirtschaft wird mit voller Absicht in den Schulen als Stiefkind behandelt. Es reicht doch, wenn die Banker wissen, was sie tun. Das alles ist systematisch gewachsen, es ist System, es hat System. Ein Konzern wie die Allianz steigt an der Börse, schüttet Aktionären über 4,5 % Dividende aus - und kann seinen eigentlichen Kunden, von denen es Geld erhält, aber keine Mindestverzinsung mehr garantieren!? Wo um Himmels Willen kommen denn dann die Gewinne her, um die Aktionäre so zu belohnen. Es ist einfach WAHNSINN, was da läuft!!!

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