Erstens: Sei skeptisch bei PR-Lawinen. Bei Direktvertrieben wie Prokon fließt fast immer ein beträchtlicher Teil des Umsatzes in die Werbung. Rodbertus versucht auf diesem Wege, Interessenten in vermeintliche Informationsveranstaltungen zu locken, die regelmäßig in ganz Deutschland stattfinden, etwa im Maritim Hotel Bonn, im Land & Golf Hotel Stromberg, im Fortuna Hotel Reutlingen und im Dormero Hotel in Halle an der Saale. Sitzt man erst mal mit Hunderten Gleichgesinnten in solchen Verkaufsevents, ist es schwer, sich dem Sog der Verlockungen zu entziehen. "Auf den Punkt gebracht: Am besten geht man zu solchen Veranstaltungen gar nicht erst hin", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Dass Prokon seine Finanzprodukte direkt vertreibt – also ohne Banken, Börsen oder Vermittler einzuschalten –, hat für die Firma einen entscheidenden Vorteil: Sie bleibt von den strengen Auflagen verschont, denen Finanzvermittler normalerweise unterliegen. Zudem fallen Genussrechte nicht unter das im Juli in Kraft getretene neue Kapitalanlagegesetzbuch, das die Regeln für den Verkauf anderer Geldanlagen deutlich verschärft hat. "Genussrechte unterliegen nach wie vor kaum einer Regulierung", sagt Verbraucherschützerin Daum.

Zweitens: Lasse dich nicht von einer allgemeinen Kapital- und Börsenmarkt-Stimmung leiten. Zahlreiche Deutsche wissen nicht, wie sie ihr Geld anlegen sollen – kaum verwunderlich, nachdem viele im New-Economy-Crash ihr Vertrauen in die Börse verloren haben und in der Finanzkrise jenes in die Banken. Graumarktanbieter versuchen seit dem Lehman-Crash vor fünf Jahren, aus dieser Frustration Profit zu schlagen. Der mittlerweile geschlossene Finanzvertrieb Carpediem etwa warb in seinen Verkaufsveranstaltungen mit Slogans wie "Aktiv gegen Betrug in der Finanzbranche". Auch Prokon spielt auf seinen Verkaufsabenden immer wieder mit bankenfeindlichen Ressentiments und der Angst der Kleinsparer vor der nächsten Finanzkrise. Im aktuellen Kurzprospekt seiner Firma schreibt Rodbertus wieder, dass er Bankkonten und Sparbücher "in Zeiten von Inflationsgefahr und Spekulationsgefahr" für weniger sicher halte als ein Investment in Prokon. Dabei schützt die Einlagensicherung deutsche Spargelder, während Genussrechte hohe Verlustrisiken bergen.

Das dritte Gebot lautet: Sei nicht zu gierig. Aktuell verspricht Prokon mindestens sechs Prozent Zinsen. Wer als Anleger derzeit eine so hohe Rendite erwirtschaften möchte, muss sich im Klaren darüber sein, dass dies nicht möglich ist, ohne Gefahr zu laufen, wenigstens einen Teil seines Geldes zu verlieren. "Für Tagesgeld bei Banken, die der deutschen Einlagensicherung angehören, gibt es maximal ein bis 1,5 Prozent Zinsen. Und zehnjährige Bundesanleihen werfen 1,9 Prozent pro Jahr ab", sagt der Frankfurter Honorarberater Stefan Schießer – "mehr ist bei sicheren Geldanlagen nicht drin."

Viertens: Kauf nur, was du verstehst. Viele der gut 70.000 Prokon-Investoren durchblicken vermutlich gar nicht, wo genau die Tücken bei Genussrechten liegen, sondern lassen sich vom Renditeversprechen locken. Oft sind es ausgerechnet unbedarfte Privatanleger, die sich riskante Produkte aufschwatzen lassen. Viele Finanzexperten sind überzeugt, dass traditionelle Anlageklassen, breit gestreut, völlig ausreichen, um ein vernünftiges Portfolio zusammenzustellen: Anleihen, Spareinlagen, Immobilien, vielleicht noch Rohstoffe. "Natürlich bergen auch Aktien gewisse Risiken – aber solche, die Anleger eher verstehen und bewusst eingehen können, sagt Honorarberater Schießer. "Bei einer Firma wie Prokon sei das etwas anderes. Da tappt der Anleger völlig im Dunkeln."