Zwei Freunde sind Baschar al-Assad auf dem Weg in den selbst gewählten Untergang geblieben, doch fest scheint nur noch Russland zu ihm zu stehen. Gerade versucht Wladimir Putin, ihm eine Brücke zu bauen mit dem Vorschlag, Assad möge seine Chemiewaffen internationaler Kontrolle unterwerfen, um sie schließlich vernichten zu lassen. Der Iran, der zweite Freund, hält das für eine gute Idee, hat allerdings begonnen, sich vom Diktator in Damaskus vorsichtig abzusetzen.

"Gott schütze das syrische Volk." So sprach vor zwei Wochen Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, iranischer Präsident von 1989 bis 1997, der heute an der Spitze des iranischen Schlichtungsrates steht. "Es ist von der eigenen Regierung chemischen Waffen ausgesetzt worden, nun sieht es einer ausländischen Invasion entgegen."

Von der eigenen Regierung! So klar haben es bisher nur Barack Obama und sein Außenminister John Kerry gesagt. Was ist in Teheran los? Rafsandschani ging in seiner Rede sogar noch weiter. Zu Tausenden habe Assad seine Landsleute ins Gefängnis geworfen. Müsse man da nicht, so konnte es bei seinen Zuhörern ankommen, Verständnis für den Aufstand gegen ihn haben?

Das konservative Lager in Teheran kochte. Schnell war die Botschaft des Ex-Präsidenten aus dem Internet getilgt. Aber ein Audio-Mitschnitt der Rede ist erhalten geblieben und dokumentiert: Rafsandschani gibt Assad tatsächlich die Schuld am Giftgaseinsatz.

Wie Rafsandschani denken viele Iraner. Was niemanden wundern kann, starben doch im irakisch-iranischen Krieg der achtziger Jahre Tausende ihrer Soldaten infolge der Gasangriffe Saddam Husseins.

Denkt so auch der neue Präsident? Hassan Ruhani, im Juni dieses Jahres mit großem Vorsprung gleich im ersten Wahlgang gewählt, zählt wie Rafsandschani zum Lager der moderaten Kleriker. Rafsandschani wollte bei den Wahlen selbst noch einmal antreten; als ihm dies verwehrt wurde, stellte er sich hinter Ruhani. Von Ruhani selbst war öffentlich bisher kein kritisches Wort über Assad zu hören. Dafür kam von ihm am vorigen Donnerstag, passend zum jüdischen Neujahrsfest, eine nicht weniger sensationelle Twitter-Botschaft. "Nun, da in Teheran die Sonne untergeht, wünsche ich allen Juden, besonders den iranischen Juden, ein gesegnetes Rosch Haschana."

Ein Neujahrsgruß aus Teheran? Den Israelis verschlug es den Atem. Dann meldete sich auch der neue Außenminister des Irans, Mohammed Dschawad Sarif. Auch er wünschte den Juden ein frohes neues Jahr. Als sich Christine Pelosi, deren Mutter Nancy Sprecherin der Demokraten im amerikanischen Repräsentantenhaus ist, für die Wünsche bedankte und schrieb, noch mehr hätte sie sich gefreut, wenn der Iran nicht länger den Holocaust leugnete, da antwortete Sarif: "Der Mann, dem nachgesagt wurde, dass er das leugnet, ist nicht mehr da. Frohes neues Jahr."