Zu Beginn der fünfziger Jahre stolpert Philip Bowman in eine Ehe mit der engstirnigen Protestantin Vivian aus Virginia, stolpert aus der Ehe heraus, nähert sich dem Milieu jüdischer New Yorker Intellektueller, lernt in London die große Liebe Enid kennen, feiert in Köln bei den Gelagen eines deutschen Verlegers mit (ein schönes Porträt Heinrich Maria Ledig-Rowohlts), wechselt die Apartements in Manhattan und die Wochenendhäuser am Hudson, lernt im Taxi die nächste große Liebe Christine kennen, wird von ihr verraten und betrogen, schläft aus Rache mit ihrer Tochter und liiert sich schließlich mit der jüngeren Verlagskollegin Ann. Er ist ein guter, seine Autoren engagiert betreuender Lektor. Aber er ist ein Mann, auf den kein Schicksal wartet, denn dieses liegt bereits hinter ihm. Die Dramaturgie seines Lebens gleicht einem kurzen Orkan, dem ein langes Plätschern folgt. Und ebendiese Dramaturgie überträgt Salter konsequent auf den Roman. Die ersten dreizehn Seiten erzählen von Philip Bowman als Lieutenant der U. S. Navy, der an der Schlacht um Okinawa im Pazifikkrieg 1945 teilnimmt. Die folgenden 358 Seiten vom Zivilisten Bowman.

Was Salter auf dreizehn Seiten in der Darstellung des entfesselten Kriegs gelingt, ist literarisch unübertroffen. In diesem Stahlgewitter gibt es nur eine Figur: den todgeweihten jungen Mann. Salter arrangiert ein fast lyrisches Tableau, das es ihm ermöglicht, die gegenseitige Feindesperspektive japanischer und amerikanischer Truppen aufzuheben. "Sie hatten ihre Abschiedsbriefe geschrieben", heißt es an einer Stelle. Der Satz gilt für die Männer der U. S. Navy wie für die Besatzung der Yamato, des legendären japanischen Kriegsschiffes, das am 7. April 1945 in einer gigantischen Explosion seines eigenen Treibstoffes versank. Die wenigen Überlebenden werden nach Tokio und nach Pennsylvania zurückkehren, sie werden ihre Jahre und Jahrzehnte verbringen und dazu verdammt sein, die Extremerfahrung des Krieges als Maßstab des Äußersten an ihr Dasein anzulegen. Nicht die rauschhafteste Liebesnacht reicht im Kern der Seele an die schlimmste Erfahrung, die des militärischen Infernos, heran.

In seinem neunten Lebensjahrzehnt hat der ehemalige Kampfflieger James Salter einen Roman verfasst, in dem er mit der Metaphysik des Krieges abrechnet, und es ist ein Alterswerk, das seinesgleichen sucht.