Frisch konvertierte Vegetarier berichten gern, dass sie nach ein paar Wochen fleischfreier Ernährung keine Fleischesser mehr riechen könnten. Von denen ginge ein regelrechter Gestank aus, sie verströmten sozusagen den Geruch der Verwesung der armen Tiere, die sie auf dem Gewissen hätten.

Das ist sicherlich ein voreingenommenes Urteil – aber kann man solche Eindrücke auch objektivieren? Man kann. Jan Havliček und Pavlíná Lenochova von der Karls-Universität in Prag haben die Sache zumindest für den olfaktorischen Eindruck getestet, den Männer auf Frauen machen. Ihre Ergebnisse haben sie 2006 in der Zeitschrift Chemical Senses veröffentlicht.

17 studentische Freiwillige wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Zwei Wochen lang ernährte sich die eine Gruppe vegetarisch, die andere durfte Fleisch essen. Danach wurden Achselschweißproben der Männer genommen, und 30 Frauen beurteilten deren Geruch nach den Kriterien "angenehm", "attrakiv", "maskulin" und "intensiv". Anschließend wurde die Ernährung getauscht – die Fleischesser bekamen die Kost der Vegetarier und umgekehrt –, und nach zwei Wochen wurde ein weiterer Geruchstest gemacht.

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Das Ergebnis: Die Vegetarier schnitten auf der ganzen Linie besser ab. Ihr Schweißgeruch wurde von den Frauen als angenehmer beurteilt, sie fanden ihn attraktiver, aber weniger intensiv. Und auch zur Männlichkeit scheint der Fleischgenuss nicht zu gehören: Beim Kriterium "Maskulinität" bekamen beide Gruppen die gleiche Note.

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