Es kommt selten vor, dass sich Parteien bei einem Thema einig sind, vor allem im Wahlkampf. Passiert es trotzdem, sollte man skeptisch werden. Die Betriebsrente ist so ein Fall. CDU, CSU, FDP, SPD und Grüne plädieren dafür, die betriebliche Altersversorgung zu stärken. Künftig sollen Arbeitnehmer noch höhere Beträge steuerfrei in solche Verträge einzahlen können, per Entgeltumwandlung, planen die Sozialdemokraten. Am besten sollte man jedem Berufsanfänger gleich zu Beginn einen Vertrag verpassen, findet die CDU.

Doch die Zweifel an der Betriebsrente werden bei Rentenexperten lauter. Schuld daran sind vor allem die dauerhaft niedrigen Zinsen.

Anspruch auf die Betriebsrente hat laut Gesetz jeder Beschäftigte, dennoch hat nur rund jeder Zweite auch tatsächlich einen Vertrag abgeschlossen. Rund 17 Millionen Deutsche zahlen in Policen ein, im Durchschnitt 150 Euro pro Monat. So wird zwar die Betriebsrente gern die zweite Säule der Alterssicherung genannt – nach der gesetzlichen Rente. Die Auszahlungen hierzulande machen nur fünf Prozent der gesamten Alterseinkommen aus.

Deutsche Betriebsrentner bekommen derzeit zwar im Schnitt 270 Euro, weil deren Verträge noch aus Jahren mit hohen Zinsen stammen. Heute Einzahlende müssen sich auf bis zu 30 Prozent geringere Auszahlungen einstellen. Das liegt daran, dass ein Großteil der betrieblichen Altersvorsorge an Lebensversicherungen hängt. Es gibt fünf verschiedene Wege, auf denen Unternehmen ihre Angestellten absichern können; der häufigste Weg für Normalverdiener ist noch immer die Direktversicherung. Dabei schließt eine Firma eine Lebensversicherungspolice für ihren Mitarbeiter ab. Seit 2005 ermöglicht der Gesetzgeber die Entgeltumwandlung auch über Pensionskassen, also selbstständige Versicherer. Dies ist die zweitbeliebteste Spielart der betrieblichen Altersvorsorge.

Alle Anbieter haben ein gemeinsames Problem. Sie müssen das Geld der Versicherten möglichst sicher anlegen. Deshalb haben sie große Mengen Staats- und Unternehmensanleihen in ihren Depots. Nur: Diese werfen kaum noch Zinsen ab. Brachten zehnjährige Bundesanleihen noch vor zehn Jahren mehr als fünf Prozent Rendite, sind es heute bloß noch zwei Prozent. Bei Anleihen finanzstarker Großunternehmen sieht das ähnlich aus. Im Mittel, schätzt der Asset-Manager Bantleon, erwirtschaften die Betriebsrentenverwalter nur noch etwa vier Prozent Rendite. Es könnte noch weniger werden, warnt das Beratungsunternehmen Towers Watson: Wenn die Verwalter ihre Depots nicht umstrukturierten – wozu sie bisher keine Anstalten machten –, bliebe nicht mehr als "eine erwartete Rendite von zirka 3,5 Prozent über die nächsten zehn Jahre". Und diese Verzinsung bezieht sich auch nur auf den Sparanteil, nicht auf die gezahlten Beiträge.

Die Versprechen, die viele Firmen Betriebsrentnern in der Vergangenheit gegeben haben, waren vollmundiger. In den neunziger Jahren sicherten viele ihren Arbeitnehmern noch eine jährliche Mindestverzinsung von fünf bis sieben Prozent zu. Bei etwa der Hälfte ihrer Verträge stehe noch eine Vier vor dem Komma, sagt die Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen. Demnach müssen die Pensionsverwalter also voraussichtlich bald mehr auszahlen, als sie erwirtschaften. Oder sie kappen die Ausschüttungen bei den Verträgen, in die derzeit noch eingezahlt wird, drastisch, sodass die Auszahlung am Ende viel niedriger ausfällt. Die ersten haben schon angefangen: Die Lufthansa will keinen Mindestzins mehr garantieren und die Bedingungen neu aushandeln. Die Bayerische Versorgungskammer verspricht Neukunden nur noch eine "erwartbare Verzinsung" von 2,5 Prozent.

Die laufenden Renten dürfen die Firmen nicht kürzen. Deshalb trifft es nur diejenigen, die noch arbeiten. Und diejenigen, in deren Verträgen keine fixen Zinsen oder Summen mehr stehen. Das dürfte inzwischen die Mehrheit der Einzahler sein. Früher bezifferten Firmen ihren Mitarbeitern noch genau, wie viel Geld diese als Zusatzrente zu erwarten hätten. Seit rund zehn Jahren vergeben sie fast nur noch Verträge, in denen die monatlichen Sparbeträge stehen. Deren Verzinsung, heißt es darin, sei variabel. Pensionsexperten wie der Soziologe Bernhard Ebbinghaus kritisieren: Die Arbeitgeber pufferten die Betriebsrenten immer weniger gegen Einbrüche am Kapitalmarkt ab. "Sie übertragen das Finanzmarktrisiko auf Sparer, die im Alter auf die Auszahlungen aus der kapitalgedeckten Betriebsrente angewiesen sein werden", sagt er.