Vier Monate lang hat der ZEITmagazin-Faktomat Wahlkampfaussagen von Politikern auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft, die Ergebnisse haben wir im ZEITmagazin und auf ZEIT ONLINE veröffentlicht. Die Idee, Politikeraussagen mithilfe der Leser regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen, hat für viel Wirbel gesorgt. Nun ist an dieser Stelle Schluss.

Journalisten haben schon immer kritisch betrachtet, was Politiker behaupten. Neu war bei unserem Faktomaten, dass die Leser selbst fragwürdige Aussagen sammelten und auf die dafür eingerichtete Faktomat-Website stellten. 411 Leser hatten sich dort bis vorige Woche unter zeit.de/faktomat angemeldet. Sie konnten gemeinsam bestimmen, welche Aussagen die Redaktion am dringendsten prüfen sollte. 92 Behauptungen trugen die Leser zusammen, sieben hat die Redaktion untersucht. In 261 Kommentaren lieferten die Leser auch Argumente.

In ihren Analysen kam die Redaktion fast immer zu einem klaren Urteil: Viermal wertete sie "Falsch", zweimal "Richtig", einmal "Halbwahr". Die Urteile trafen alle im Bundestag vertretenen Parteien, und alle wurden auf ZEIT ONLINE heftig diskutiert.

Ein großer Aufreger war unsere "Richtig"-Wertung für Jürgen Trittins Verteidigung der grünen Steuerpläne. Auch unser "Falsch" für Ursula von der Leyens Aussage über diese Pläne bewegte viele. Alle "Falsch"-Wertungen haben wir den Politikern vorgelegt, Ursula von der Leyen ließ ausrichten: "Die fachliche Kritik an der zitierten Formulierung [...] ist gerechtfertigt." Gregor Gysi fand seine Aussage zu Gemeinschaftsschulen zu Unrecht mit "falsch" bewertet. Wir haben ihm wie allen die Möglichkeit zur Erwiderung gegeben. Sie ist – wie alle bisher erschienen Beiträge – unter zeit.de/serie/faktomat nachzulesen.

Was wir gelernt haben: Manchmal ist die Bewertung nicht so einfach, wie der Begriff Faktencheck suggeriert. Wie man die Wirklichkeit beurteilt, hängt oft vom Maßstab ab, den man an sie anlegt. Etwa beim Thema Armut: Es gibt so viele Definitionen von Armut, an welche soll man sich halten?

Der Faktomat war ein erfolgreiches Experiment: offenbar genau das, was sich viele Leser lange gewünscht haben. Politiker werden sich daran gewöhnen müssen, dass ihre Aussagen in Zukunft öfter und genauer überprüft werden als bisher, nicht nur im Wahlkampf.