Stilkolumne : Schön nass

Eine Stilkritik
Ton in Ton mit dem Grau verregneter Städte: Regenmantel-Variante Mackintosh von Lacoste © Peter Langer

Zu den Besonderheiten der Herrengarderobe gehört, dass sie mitunter vom Krieg inspiriert wird. So ist es beispielsweise mit der Anzugjacke, die auf Uniformen zurückgeht. Oder mit der Armbanduhr, die im Ersten Weltkrieg geboren wurde, weil Taschenuhren im Gefecht unhandlich waren. Auch der Regenmantel ist gewissermaßen ein Veteran, denn er wurde ursprünglich von Thomas Burberry für die Armee entwickelt. Trenchcoat bedeutet, wörtlich übersetzt, Schützengraben-Mantel. Soldaten sollten ihn tragen, um bei Regen im Stellungskrieg weniger nass zu werden. Wesentlich bekannter wurde der Trenchcoat dann in seiner zivilen Variante – schließlich bot er dem erwachsenen Mann die einzige Möglichkeit, im Regen zu stehen und dabei auch noch gut auszusehen.

Bis heute ist der Trench ein Klassiker. Bei Burberry wird er in jeder Kollektion neu interpretiert – zuletzt zeigte Chefdesigner Christopher Bailey pinkfarbene, metallisch glänzende Trenchcoats. Nun ist Pink gerade nicht die Farbe, die sich bei Regenmantel tragenden Herren größter Beliebtheit erfreut. Denn als Mann möchte man in einer Regenschutzhülle nicht unbedingt auffallen. Leuchtende Farben erinnern zu sehr an die Art Regencapes, die Kinder tragen, damit sie nicht von Autos überfahren werden. Wer sich im erwachsenen Alter derart exponiert, vermittelt den Eindruck, er sehe sich als potenzielles Verkehrsopfer.

In einem Regenmantel will man nicht auffallen, aber man sollte sich darin auch nicht verstecken müssen. Zum Glück können sich Männer im Regenmantel jetzt wieder an Peter Falk in Columbo orientieren und wie dieser einen Mackintosh tragen: Im Unterschied zum doppelreihig geknöpften Trenchcoat hat der Mackintosh nur eine Knopfreihe und ist zudem gummiert.

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Kürzlich hat Lacoste eine moderne Interpretation des Mackintosh vorgestellt: Das Modell ist aus wasserdichtem Kunststoff in einem erdigen Grauton geschneidert. Der Mac wurde sogar von den Beatles besungen. In Penny Lane heißt es: "On the corner is a banker with a motorcar. The little children laugh at him behind his back. And the banker never wears a mac in the pouring rain. Very strange." Was irgendwie tröstlich ist: Wenn man gar keinen Regenmantel trägt, wird man zwar verlacht – aber vielleicht von Paul McCartney besungen.

Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Geht bitte dorthin, wo's was zu gewinnen gibt...

... und gebt mal eine Stilkritik konstruktiver Natur für die, die im Winter Fahrradfahren wollen, dabei warm und trocken bleiben und trotzdem den ästethischen Fauxpas a la Reflektions-Ralleystreifen auf Neon meiden wollen.
Stichwort "Funktionsjacke".
Es scheint ja, dies ist die Quadratur des Kreises: Winter + Fahrrad + Schick.