Ab jetzt wird alles fabelhaft. Meint Dean Barrow. Und der ist immerhin der Premierminister hier. "Lieber Freund", schreibt er im Vorwort eines Magazins der Tourismusvereinigung von Belize, "ich verspreche dir die besten Ferien, die du jemals irgendwo gehabt haben wirst." Das nennt man wohl Chuzpe. Aber, hey, vielleicht hat er ja recht. Spüre ich’s denn nicht schon? Die fetten Reggaebässe, die aus den Souvenirläden des Flughafens von Belize City bullern, fühlen sich doch an wie eine Ganzkörpermassage. Und die Bänke, auf denen ich gerade meinen Anschlussflug erwarte, sind das Holz gewordene laid-back: Ihre Lehnen sind so weit nach hinten gekippt, dass man darin nur lümmeln kann wie in einer Hängematte.

Immer wieder erheben sich Bermudashortsmänner und Strandkleidfrauen und flipflopen zu ihren Propellermaschinen. Nach Caye Caulker fliegen sie, auf die lässige Koralleninsel gleich gegenüber im Karibischen Meer. Oder ein Stück weiter nach Ambergris Caye, aufs Eiland der Betuchteren, über das schon Madonna sang. Beide gehören zu 133 Inselchen, die wie Brotkrumen vor Belizes 386 Kilometer langer Küste schwimmen. Ich aber fliege nach Placencia im Süden dieses winzigen Landes, das faustkeilgleich zwischen Mexiko, Guatemala und der Karibik steckt. Placencia heißt der Hauptort eines Sandfingers gleichen Namens, der sich 40 Kilometer weit ins Meer bohrt und kaum breiter ist als 500 Meter. Placencia, der Ort, liegt am Ende dieser 40 Kilometer, zählt nur rund 1000 Einwohner und soll das "bestgehütete Geheimnis Belizes" sein.

Doch das erzählen sich Rucksackreisende schon lange, und nicht nur die. Ob das noch stimmt? Immerhin hat Belize zuletzt so viel Geld in die touristische Infrastruktur gesteckt, dass es nun fast pleite ist. Dafür kamen vergangenes Jahr mehr Besucher als je zuvor: Fast eine Million Touristen zog es in das Land, das weniger Einwohner hat als Wuppertal. Ach, wahrscheinlich komme ich doch wieder zu spät.

Als ich in der Maschine hocke, kehrt die Zuversicht zurück. Die Hälfte ihrer zwölf Sitze bleibt unbesetzt. Und die Show, die sich unter mir abspielt, wirkt wie nicht von dieser Welt: Die ganze Küstenlinie ist ein leidenschaftliches, fast wollüstiges Ringen von Meer und Land um die Vorherrschaft, ein ständiges Zueinander-, Ineinander- und Auseinanderstreben von Blau und Grün, von Türkis und Braun, von Vegetation und Wasser. Als ich schon ganz besoffen bin von diesem psychedelischen Muster, beginnt der Sinkflug, und ich werde wieder nüchtern: Am nördlichen Anfang der Landzunge von Placencia erkenne ich die Baustelle des Copal Beach Resorts, das gerade mit Kasino, Jachthafen und Golfplatz entsteht. Ein Stück weiter im Landesinneren frisst sich der halb fertige internationale Flughafen wie eine schlimme Wunde in den Tropenwald. Außerdem schlängelt sich ein frisches Asphaltband über die Halbinsel, während es bis vor Kurzem nur eine zur Regenzeit nahezu unpassierbare Schlammpiste gegeben haben soll. Das sieht nicht aus wie ein Geheimnis. Das sieht aus wie ein mittelamerikanisches Florida.

Prompt werde ich vor dem Ankunftsschuppen des alten Flugplatzes mit einem Golf-Kart abgeholt. Aber es ist nicht eines jener Gefährte, in denen man Barack Obama im Fernsehen übers Grün rollen sieht. Es ist die Rock-’n’-Roll-Version – zerbeult und mit aufgesprühtem Bob-Marley-Konterfei. Im Joggingtempo holpern mein Fahrer und ich durch das Ein-Straßen-Dorf meiner Unterkunft entgegen. Der erste Eindruck: Geht doch. Müde grüßende Eckensteher in kurzen Hosen ziehen vorbei und tratschende Frauen auf papageienbunten Verandas. Ihre komplizierten Kraushaarfrisuren müssen sie Stunden gekostet haben. Am Himmel schweben die gezackten Silhouetten der Fregattvögel nahezu bewegungslos. Es ist, als seien sie auf ätherblaue Folie gepinselt. Eilig haben es hier nur die fuchsgroßen Iguanas, die ständig unseren Weg kreuzen. Auch mein Fahrer ist die Ruhe selbst. Das Einzige, was er sagt, ist "yeah, man". Aber das ständig. Sei’s drum. Mehr muss man gar nicht reden in einer Schwüle, die mich umhüllt wie feuchte Klamotten.

Belize besitzt prächtige Atolle, Mayaruinen und Dschungel. Richtige Strände gibt es kaum. Menschen, die sonst nach Cancún oder auf die Bahamas reisen, haben nicht viel verloren hier. Die Halbinsel von Placencia indes ist eine der wenigen Ausnahmen. Also Tasche ins Zimmer, Badehose an und ab ans Meer. Beste Ferien, hier bin ich!