Wenn ich die Augen schließe, dringen Gesprächsfetzen an mein Ohr, ich höre Schritte auf dem Beton, spielende Kinder auf dem Vorplatz, Geschirrklappern aus dem Café. Ich bin mitten in Rom, aber es ist überhaupt nicht laut, der Verkehr ist verstummt, die Stimmen um mich herum sind gedämpft. Wenn ich die Augen öffne, sehe ich Menschen, die, bewusst oder unbewusst, Teil einer urbanen Inszenierung werden. Die meisten haben sich schön gemacht, viele sind gekommen, um sich eine Ausstellung anzuschauen. Andere bummeln herum, trinken Kaffee, essen zu Mittag, lassen den Ort auf sich wirken.

Das vor drei Jahren im Stadtteil Flaminio eröffnete Maxxi-Museum von Zaha Hadid ist eine Bühne, auf der man sich zeigt und auf der man große Kunst gezeigt bekommt. Und doch ist die Stimmung sehr entspannt. Ich liebe es, mich hier mit Freunden zu treffen, stundenlang im Buchladen herumzustöbern oder einen Kaffee zu trinken. Bis vor Kurzem bin ich sonntags oft mit meinen Kindern hergekommen, wir haben eine Ausstellung besucht und dann im Café eine Kleinigkeit gegessen. Inzwischen haben die Kinder am Wochenende eigene Pläne. Aber ich komme, wenn meine Zeit es zulässt, immer noch, am liebsten mit dem Fahrrad, und freue mich jedes Mal darüber, wie modern Rom sein kann.

Während der Bauphase, die sich über zehn Jahre hinzog, war das Haus heftig umstritten, vor allem wegen der explodierenden Kosten. Und am Ende ist es sehr, sehr teuer geworden. Doch die Investition hat sich gelohnt, jedenfalls in ideeller Hinsicht: Nach außen kann Rom endlich zeigen, dass es viel mehr zu bieten hat als die Antike; das Haus ist der Kunst des 21. Jahrhunderts gewidmet, Werke von Künstlern wie William Kentridge und Gerhard Richter sind Teil der Sammlung. Uns Römern schenkt es ein neues Lebensgefühl. Pathetisch könnte man sagen, es ist ein Ort, wo man sofort merkt, dass man im 21. Jahrhundert lebt.

Beton, Glas, Stahl. Unmögliche Kurven, übereinandergestapelte Betonschläuche, -kuben und -quader, die von filigranen Säulen gestützt werden. Betritt man diese Gebäudeskulptur, scheint alles zu schwanken, mit jedem Schritt ändert sich die Perspektive. Aus Wänden werden Böden werden Decken. Breite Fensterbänder eröffnen die Perspektive auf die Stadt darum herum. Es ist also auch in Rom möglich, ein Stück cutting edge- Architektur zu platzieren, ohne dass es zum Wettstreit der Epochen kommt! Hier gehen sie harmonisch ineinander über, die Ewige Stadt wird zu einem Laboratorium, in dem Gesellschaft erforscht wird.

Kürzlich habe ich dort eine Ausstellung mit dem Titel Energy gesehen, die das gut auf den Punkt bringt: Mit Gemälden, Fotos, Filmen und künstlerischen Visionen erzählt sie die Geschichte der Mobilität in Italien, von den Boomjahren der Nachkriegszeit, als sich jeder plötzlich ein Auto leisten konnte und überall neue Straßen, Tankstellen und Motels entstanden, bis zur Gegenwart und darüber hinaus. Wie viel Energie dürfen wir in Zukunft verbrauchen? Wie sind Nachhaltigkeit und Fortschritt miteinander vereinbar?

Als eine dem Recycling-Gedanken verpflichtete Designerin interessiert mich so etwas sehr. Als Römerin gefällt es mir, im Maxxi-Museum Zeugin eines Wandels zu sein. Unsere Stadt mag bessere, größere Zeiten gesehen haben als die Gegenwart. Aber sie steht nicht still. Rom verändert sich, langsam, aber es verändert sich.

Aufgezeichnet von Stefanie Flamm