Der Lebensraum des Brüllaffen ist vielfältig: Er klettert auch durch die Bürolandschaft, vorzugsweise auf den Chefsessel. Ein falsches Wort, ein kleiner Fehler, ein schiefer Blick – und schon explodiert er! Dann brüllt er, schäumt er, tobt er, bis die Wände wackeln und die Mitarbeiter zusammenzucken.

Cholerische Ausraster – wie geht man im Beruf damit um? Die wichtigste Einsicht lautet: "Nicht ich habe das Problem – der andere hat es!" Wer es schafft, eine emotionale Distanz einzunehmen, bekommt ein grandioses Schauspiel geboten: Die Veitstänze, die ein Wüterich aufführt, die Dummheiten, die er brüllt, schlagen jedes Theaterstück. Wenn Sie sich als Tierforscher sehen und das Verhalten des Brüllaffen in jedem Detail ruhig und freundlich studieren, ist das beruhigend für Sie und kann einen verblüffenden Effekt haben: Der Wüterich ist irritiert! Erwartet, vielleicht sogar gehofft hat er, dass Sie durch Widerspruch und Empörung seine Wut weiter anheizen. Nun registriert er die Diskrepanz: Er ist unfreundlich und laut, Sie sind freundlich und leise. Diese kognitive Dissonanz, so der Fachbegriff, wird ihn in fünf von zehn Fällen zurück in menschliche Gefilde holen.

Aber was, wenn der Wüterich auch mit emotionaler Distanz nicht zu bändigen ist? Dann sollten Sie die Situation verlassen, weil mit einem Vulkan nicht zu reden ist (wie Ernst Jünger schreibt). Später, wenn die Wut erkaltet ist, sollten Sie mit ihm sprechen; nun setzt sein Hirn wieder ein. Beschreiben Sie ohne Anklage, aber im Detail, wie Sie sein Verhalten erlebt haben (Ihre Beobachterrolle liefert Ihnen den Stoff) – es ist ihm sicher peinlich! Machen Sie ihm deutlich, welches Verhalten und welchen Umgangston Sie stattdessen erwarten. Und treffen Sie eine Vereinbarung mit ihm, was in künftigen Situationen zu tun ist, wenn er wieder ausrastet.

Zum Beispiel hat ein Vertriebsleiter zu seiner Mitarbeiterin gesagt: "Dann gehen Sie einfach raus, bis ich mich ausgetobt habe – und sprechen Sie mich am nächsten Tag wieder an." Genau so hat sie es dann gemacht.

Die Kunst besteht darin, negative Emotion nicht mit negativer Emotion zu vergelten; das ergäbe einen Teufelskreis. Ein Mensch, der sich zum Affen macht, darf für Ihre Reaktion kein Vorbild sein – sondern nur abschreckendes Beispiel!