Während über Brüssel die Sommersonne scheint, hängt Jan Philipp Albrecht müde auf dem Sofa in der Ecke seines Büros im achten Stock des Europaparlaments. Vor ihm liegt sein Gesetz, zerteilt in viele Stapel Papier. Es ist eines der wichtigsten politischen Vorhaben der Europäischen Union. Und jetzt, Anfang Juni 2013, fürchtet Jan Philipp Albrecht, es könnte scheitern.

Seit anderthalb Jahren arbeitet der Grünen-Abgeordnete an dem Gesetz, das im juristischen Sinne eine Verordnung ist, die Europäische Datenschutzverordnung. Das Parlament hatte ihn beauftragt, den Text dafür mit allen Fraktionen auszuhandeln, Wort für Wort. Eine einflussreiche Position, theoretisch.

Albrecht wollte verhindern, dass Algorithmen die Macht über unser Leben erlangen. Er wollte das beste Datenschutzgesetz der Welt schreiben. Aber jetzt beugt er sich über die Papierstapel und schimpft über "Scheißformulierungen", die er in den Text schreiben muss. Diese ganzen Kompromisse werden sein Gesetz verwässern.

Albrecht ist in einem Zwiespalt: Er muss über die Parteigrenzen hinweg möglichst viele Abgeordnete des Europaparlaments überzeugen, für die Verordnung zu stimmen. Doch das schafft er nur, wenn er ihre Änderungswünsche berücksichtigt. Sie haben sehr viele Wünsche.

Vor allem einen Abschnitt soll er umschreiben: Artikel 17, das "Recht auf Vergessenwerden". Es geht um die Frage, ob jeder Bürger selbst entscheiden kann, was im Internet über ihn gespeichert ist. Albrecht will das Recht der Europäer stärken, Daten, die Unternehmen von ihnen gesammelt haben, löschen zu lassen: Adressen, Telefonnummern, Informationen darüber, was jemand in eine Suchmaschine getippt oder bei einem Onlinehändler gekauft hat, wie er kommuniziert, reist – lebt. Jeder Mensch soll selbst über seine virtuelle Existenz bestimmen, nicht eine fremde Firma. Das ist Albrechts Ziel.

Abgeordnete aller Parteien haben den Artikel 17 jedoch mit mehr als hundert Änderungswünschen bedacht.

Der 30-jährige Albrecht ist der jüngste deutsche Europaabgeordnete, ein schmaler Mann mit Fusselbart. Er steht im Zentrum eines Machtkampfes, wie es ihn in dieser Härte in der Europäischen Union selten gegeben hat.

Seit dem Frühjahr verbringt Albrecht viel Zeit mit seinen Kollegen im Innenausschuss des Parlaments. Er muss mit einer britischen Liberalen, einem griechischen Sozialisten, einem britischen und einem deutschen Konservativen sowie einer deutschen Linkspolitikerin aushandeln, welche der Änderungswünsche sich am Ende in dem Text wiederfinden werden. Mehr als vierzig Treffen hatten sie bisher, aber sie haben sich noch immer nicht geeinigt.

Schon zweimal sollte das Europäische Parlament über einen Entwurf des neuen Regelwerks abstimmen. Zweimal musste der Termin verschoben werden. Wenn es nicht bald einen neuen gibt, wird es eng bis zur Europawahl im Mai 2014. Denn nachdem sich das Parlament auf einen Text festgelegt hat, muss es sich auch noch mit dem Ministerrat einigen, in dem die einzelnen Staaten vertreten sind. Erst dann kann die neue Verordnung in Kraft treten. Albrecht läuft die Zeit davon.

Internetkonzerne dringen immer tiefer in die Privatsphäre der Menschen ein. Sie beuten einen Rohstoff aus, mit dem sich Milliarden verdienen lassen: Daten. Wer im Netz unterwegs ist, hinterlässt digitale Spuren, egal, ob er mit seiner Kreditkarte einen Flug bucht, sich in einem Sozialen Netzwerk über Kindererziehung austauscht oder nach Informationen zum Thema Homöopathie sucht.

Die Utopie mancher Datensammler

Unternehmen wie Google, Amazon und Facebook sammeln solche Daten und verarbeiten sie zu Wissen über die Menschen, von denen sie stammen. Dieses Wissen lässt sich verkaufen – für Werbung im Internet, die auf einzelne Personen zugeschnitten ist.

Wer sich etwa im Netz über Hotels in Miami informiert, wird bald Anzeigen für Reisen nach Florida auf den Schirm gespielt bekommen. Und das ist die simple Variante. Was das Geschäft mit persönlichen Daten zu einem Milliardenmarkt macht, ist die Möglichkeit, Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenzusetzen – zu einem plastischen Abbild der Wirklichkeit.

Ist eine Frau schwanger, schaut sie sich vielleicht im Netz nach Kinderkrippen um. Kombiniert mit Daten aus Melderegistern und den Beiträgen der werdenden Mutter in einem Sozialen Netzwerk, ergibt sich das Profil einer künftigen Kleinfamilie. Soziale Stellung? Geschlecht des Babys? Der Geburtstermin? Manche Firmen, die mit digitalen Daten handeln, wissen das alles.

Je mehr die Menschen ihnen verraten, desto besser für Konzerne wie Facebook oder Google. Ihr ganzes Geschäftsmodell ist auf personalisierter Werbung aufgebaut.

Facebook vermarktet Plätze für Anzeigen, die nur zu sehen bekommt, wer häufig Frühstücksflocken für seine Kinder kauft oder sich wahrscheinlich demnächst einen Kleinwagen anschaffen wird.

Google verfügt über Programme, die die Nachrichten aller 425 Millionen Kunden des E-Mail-Dienstes Gmail auf die Konsuminteressen des Schreibers hin durchsuchen. Auch wer in der Google-Suchmaske nach einem Stichwort sucht, bleibt dabei nicht unbeobachtet. Inzwischen arbeiten die Experten des Unternehmens angeblich an einer Art Überwachungsprogramm, das jedem Nutzer eine Nummer zuweist und seinen Weg durch das Netz verfolgt. Egal, ob per Smartphone, Laptop oder Tablet-Computer, Google wüsste dann immer, wer was gerade sucht.

Unter den Datenschürfern herrscht eine Stimmung wie zur Zeit des Goldrausches. Der Umsatz des weltweiten Internetanzeigenmarkts stieg 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 16,2 Prozent auf 99 Milliarden Dollar. In den USA verdient Google inzwischen mehr mit Werbung als sämtliche gedruckten Zeitungen und Zeitschriften zusammen.

Die Utopie mancher Datensammler ist es, ihren Rohstoff nicht nur für Marketing zu nutzen. Wenn etwa jemand im Netz nach Kliniken für die Behandlung schwerer Depressionen sucht – wäre das nicht eine interessante Information für Anbieter von Berufsunfähigkeitsversicherungen? In den USA werden bereits Verzeichnisse gehandelt, auf denen die Namen von Menschen stehen, die offenbar an einer bestimmten Krankheit leiden, zu 26 US-Cent pro Einzelschicksal. In Deutschland wollte im vergangenen Jahr die Wirtschaftsauskunftei Schufa auf Profile von Facebook und Twitter zugreifen, um die Kreditwürdigkeit der Bundesbürger besser beurteilen zu können. Erst nach Protesten rückte sie davon ab.

Die gesetzlichen Regeln für den Datenmarkt in Europa sind veraltet, sie stammen aus dem Jahr 1995 – einer Zeit, als man sich noch mit tutenden Modems ins Netz einwählte, als Google noch nicht existierte und der spätere Facebook-Gründer Mark Zuckerberg elf Jahre alt war. Unter Datenschutz verstand man damals den Schutz der Angestellten vor den Vorgesetzten und den der Bürger vor dem Staat.

Von Unternehmen und ihren Kunden war nicht die Rede. Es waren, rückblickend betrachtet, einfache Zeiten.

Jan Philipp Albrecht ist nur ein Jahr älter als Zuckerberg. Wie der trägt auch Albrecht bei der Arbeit gern T-Shirt, er verbirgt es jedoch unter einem abgenutzten Cordjackett.

In seiner Freizeit tourt Albrecht mit einem klapprigen VW-Bus aus dem Jahr 1969 durch Europa. Der Bus schafft nur 90 Kilometer pro Stunde. Das ist Absicht, Albrecht will sich selbst ausbremsen, damit ihn andere Fahrer überholen. Er will langsamer leben.

Was Albrecht nicht will, ist eine Zukunft, in der einzig das technisch Machbare die Geschwindigkeit vorgibt, ungebremst durch Regeln aus der analogen Welt. Er spricht von staatlichen Behörden, die schon heute Meldedaten zu Werbezwecken weitergäben, und von Internetfirmen, die Unsummen mit dem Missbrauch von Nutzerprofilen verdienten. "Fast jedes Unternehmen und fast jede Behörde bricht die Datenschutzgesetze."

Ein starker Vorwurf. Ihn zu belegen ist nicht leicht, da die derzeit gültigen, veralteten Regeln so unklar sind, dass niemand genau sagen kann, was erlaubt ist und was nicht. Es gibt in Europa kein einheitliches Gesetz zum Datenschutz, nur jene Richtlinie von 1995, die jedes Land in eigenes Recht gegossen hat.

Viele amerikanische Konzerne nutzen das aus: Sie gründen ihre Tochterfirmen in jenen europäischen Staaten, die ihrem Geschäftsmodell wenig entgegensetzen. So kommt es, dass die Einträge eines Deutschen auf Facebook nicht den deutschen Regeln unterliegen. Sondern denen im Datenparadies Irland.

Dagegen kämpft Albrecht an. Er will, dass überall in Europa die gleichen, strengen Paragrafen gelten. "Auf der Straße gilt ja auch nicht das Recht des Stärkeren", sagt er. Das Auto wurde erfunden, es setzte sich durch, dann wurden Vorschriften erlassen, Stoppschilder aufgestellt. So sollte es auch beim Datenverkehr sein, findet Albrecht.

Er hat nichts dagegen, Spuren im Netz zu hinterlassen, er ist sogar selbst auf Facebook. Albrecht nutzt das Soziale Netzwerk, um sich als Politiker darzustellen. Auf den Fotos, die er hochlädt, sieht man ihn bei Demonstrationen, auf Reisen im Ausland.

Aber ihm gefällt nicht, dass Internetkonzerne solche Daten verarbeiten oder weitergeben, zum Beispiel an Werbefirmen oder Versicherungen. Sie sollten ausdrücklich um Einverständnis bitten müssen, findet er. Nutzungsbedingungen, die heute fast jeder ungelesen akzeptiert, sollten verständlicher werden. Und jeder, der mal ein Foto von sich ins Netz gestellt hat, sollte es wieder löschen können, falls dieser Wunsch nicht die Meinungsfreiheit anderer Menschen berühre – etwa eines Bloggers, der das Bild verbreitet und darauf hinweist, dass es einen Politiker im Gespräch mit einem Lobbyisten zeigt.

Facebooks oberste Lobbyistin in Europa

Dies sind einige der wichtigsten Verkehrsregeln, mit denen Albrecht die Machtverhältnisse im Netz in die Balance bringen will. Firmen, die sich nicht daran halten, sollen zu Strafen von bis zu zwei Prozent ihres Jahresumsatzes verurteilt werden können.

Albrecht legt sich mit den Giganten des Internets an, mit Amazon, Google, Facebook.

An einem Sonntagnachmittag im Juni, als sich bereits abzeichnet, dass Albrecht festhängt mit seinem Textentwurf, dass das Europaparlament also vor der Sommerpause nicht mehr über das neue Gesetz abstimmen wird, da besteigt Erika Mann gut gelaunt den Schnellzug von Brüssel nach Paris.

Am nächsten Tag muss sie bei einem Treffen der Internationalen Handelskammer sein, es geht um die weltweite Vergabe von Internetadressen. Auf dem Weg in die erste Klasse zieht sie ihr Rollköfferchen hinter sich her, unter ihrem Arm klemmt ein Stapel Papier. Erika Mann ist 62 Jahre alt und trotz ihres unauffälligen Hosenanzugs eine präsente Erscheinung. Das Zugpersonal hält ihr wie selbstverständlich die Abteiltüren auf.

Erika Mann ist Facebooks oberste Lobbyistin in Europa. Sie ist Mark Zuckerbergs Vertreterin in Brüssel. Dass Albrechts Gesetz immer noch nicht fertig ist, liegt auch an ihr.

Mann war 15 Jahre lang SPD-Abgeordnete im Europaparlament. Sie hat sich damals vor allem mit Telekommunikationsgesetzen und Technologiefragen beschäftigt sowie mit der Handelspolitik zwischen Europa und den USA – "Erika Miss America", das war ihr Spitzname bei den Kollegen. Mann kennt sich aus in der Brüsseler Bürokratie. Auf ihrer Visitenkarte steht "politisches Tier".

Am Abend nach der Zugfahrt sitzt Mann in einem Restaurant am Pariser Gare du Nord und spricht über ihre Lobbyarbeit und ihre positive Haltung zum Datensammeln. Sie weicht keiner Frage aus und antwortet ohne lange Pausen in druckreifen Sätzen, das Gespräch dauert mehrere Stunden.

"Die Menschen haben heute kein Problem damit, mehr von sich preiszugeben, sie sind offener." Dieser Satz stammt nicht von Erika Mann, sondern von Mark Zuckerberg. Der Gründer von Facebook hält Privatheit für ein Auslaufmodell. Wenn es aber um Politik geht, setzt sein Unternehmen eher auf Verschlossenheit: Kaum etwas von dem, was Erika Mann im Gespräch sagt und die ZEIT veröffentlichen will, geben die Facebook-Presseleute später als Zitat frei.

Erika Mann arbeitet seit November 2011 für Zuckerberg. Facebook brauchte damals dringend eine Lobbyistin in Brüssel, es zeichnete sich bereits ab, dass Europa neue und einheitliche Regeln für den Datenschutz bekommen würde. Die komplizierte Brüsseler Maschinerie war angesprungen: Die Europäische Kommission diskutierte über ein Konzept für das neue Regelwerk. Auf Basis dieser Skizze würde sich dann das Parlament auf einen Gesetzestext einigen.

Als Erika Mann ihren ersten Arbeitstag bei Facebook hat, ist das Konzept der EU-Kommission schon in Arbeit. Rund zwei Monate später, am 25. Januar 2012, stellt es die Justizkommissarin Viviane Reding der Öffentlichkeit vor. Während Reding ans Mikrofon tritt, hinter sich die blaue Europafahne mit den zwölf gelben Sternen, sitzt Erika Mann in ihrem neuen Büro und verfolgt die Pressekonferenz der Kommissarin am Computerschirm.

"Ladies and Gentlemen", sagt Reding, "we have done it." Dann verkündet sie, dass der EU-Kommission eine umfassende Reform des Datenschutzes vorschwebe. 72 Prozent der Europäer, sagt Reding, fürchteten den Missbrauch und Weiterverkauf ihrer persönlichen Daten. "Die Bürger sind sehr besorgt."

Die Hände der EU-Kommissarin ziehen an diesem Tag viele klare Linien durch die Luft. Reding spricht über das Recht auf Vergessenwerden, sie sagt: "Persönliche Daten gehören der Person." Mehrere Male wiederholt sie diesen Satz. Es hört sich an, als sei alles sehr einfach.

In Redings Konzept steht es so: "Die betroffene Person hat das Recht, die Löschung von sie betreffenden personenbezogenen Daten zu verlangen, speziell wenn es sich um personenbezogene Daten handelt, die die betroffene Person im Kindesalter öffentlich gemacht hat." Das bedeutet: Schreibt zum Beispiel ein Zwölfjähriger in einem Sozialen Netzwerk, dass er am Computer gerne mit Ego-Shootern herumballert, muss das Netzwerk diesen Beitrag auf Verlangen entfernen. In der extremen Auslegung des Satzes müsste das Soziale Netzwerk sogar mit dafür sorgen, dass der Beitrag aus dem gesamten digitalen Kreislauf verschwindet – also von allen fremden Websites, die ihn ungefragt übernommen haben.

Nach der Pressekonferenz hat Erika Mann viel zu tun, so wie Hunderte andere Internet-Lobbyisten in Brüssel. Das Parlament wird bald einen Berichterstatter bestimmen, der den konkreten Text der neuen Verordnung entwickeln soll: Jan Philipp Albrecht, der sich schon länger mit dem Thema Datenschutz beschäftigt. Sein Vorschlag wird Manns Zielscheibe sein. Ihre Aufgabe ist es, Pfeile darauf abzuschießen, mithilfe der Abgeordneten.

"Ich bin ein Zukunftsmensch"

Nun zeigt sich, wie wertvoll Erika Mann für Facebook ist. Sie kennt viele Parlamentarier noch als frühere Kollegen, sie weiß, wer von ihnen sich für Technik interessiert, wer für die Argumente von Facebook empfänglich sein könnte. Mit solchen Abgeordneten trifft sich Mann, mit einigen von ihnen mehrere Male. Sie sollen es für nötig halten, Albrechts Gesetz an den entscheidenden Stellen mit Änderungsanträgen zu attackieren.

Das Büro von Facebook liegt am Brüsseler Schuman-Kreisel, gleich neben der Europäischen Kommission und dem Ministerrat. Die Juristen des Unternehmens arbeiten nun das Kommissionskonzept durch, das Facebook das Geschäft mit dem Rohstoff Daten künftig erschweren könnte. Erika Mann berät sich in Videokonferenzen mit Kollegen in anderen Ländern. "Was bedeutet der Vorschlag der Kommission für Facebook?", fragt Mann. "Was gefällt uns? Was ist problematisch?" Ihre Leute schreiben ein Papier, das Mann später benutzen wird, um den EU-Abgeordneten ihre Position zu verdeutlichen.

Firmen wie Facebook sollen vor der Weitergabe von Daten um Einverständnis bitten? "Das birgt das Risiko, Nutzer mit Checkboxen und Warnmeldungen zu überschwemmen", steht in dem Papier.

Strafzahlung von zwei Prozent des weltweiten Umsatzes? Dadurch werde "der Anreiz für Internetfirmen, in der EU zu investieren, untergraben".

Recht auf Vergessenwerden? Auch hier sieht Facebook Probleme. Die Pressestelle gibt dazu folgenden Satz von Erika Mann zum Zitieren frei: "Wenn einer Ihrer Freunde Ihre Partyfotos aus Facebook kopiert und auf einer anderen Webseite veröffentlicht – wie soll Facebook dafür sorgen können, dass sie auch dort gelöscht werden?"

Erika Mann und Jan Phillip Albrecht kannten sich schon, als Mann noch Politikerin war. Sie nennt ihn einen "klugen Kopf", er schätzt ihre Erfahrung. Beide machten für die Europawahl 2009 im selben Bundesland Wahlkampf, in Niedersachsen. Dort steht Manns Wohnhaus, dort hat Albrecht als Jugendlicher gegen das Atommülllager Asse demonstriert.

Albrecht wurde 2009 erstmals ins EU-Parlament gewählt, Erika Mann verlor nach 15 Jahren ihren Sitz. Nicht alle in der SPD-Fraktion bedauerten das. Mann galt zwar als fleißig, aber vielen in der SPD war sie zu nah an der Industrie – sie habe intern für die Kernenergie gestritten, heißt es, und für möglichst harmlose Regeln beim Klimaschutz. Am Ende setzte ihre Partei sie für die Europawahl auf einen hinteren Listenplatz. 23 Abgeordnete zogen für die SPD ins EU-Parlament ein; Mann stand auf Platz 24. Es war das Ende ihrer politischen Karriere. Erika Mann brauchte einen Plan B.

Sie sagt, sie erinnere sich nicht, wie genau sie zu dem Job bei Facebook gekommen sei. Über die alte Zeit redet sie nicht. Aber das Internet, das nichts vergisst, erinnert sich an ihre Vergangenheit. Demnach hat Mann schon während ihrer Zeit als Abgeordnete enge Kontakte zu Internetfirmen gepflegt. Sie gehört zu den Gründern der European Internet Foundation, die Abgeordnete mit Industrievertretern zusammenbringt. Dass sie nach der verpatzten Wahl zunächst für einen amerikanischen IT-Verband in Brüssel zu arbeiten begann und danach für Facebook, brachte ihr heftige Kritik ein.

Mann sagt: "Ich bin ein Zukunftsmensch, ich mag den Fortschritt." Auch privat hat sie ständig mit Facebook zu tun. Mann ist kunstinteressiert. Sie nutzt Facebook, um überall auf der Welt Künstler und Galerien zu suchen. Gerade stellt sie eine Liste von Künstlern in Buenos Aires zusammen, die sie im Herbst auf einer Reise besuchen will. In Manns Augen sind neue Erfindungen eine Chance, kein Risiko. Albrechts Sorge kann sie nicht nachvollziehen.

Jan Philipp Albrecht und Erika Mann – beide versuchen sie vom Frühjahr 2012 an, ihrer Sache zum Sieg zu verhelfen. Albrecht ist inzwischen zum Berichterstatter des EU-Parlaments ernannt worden und schreibt am Text der Verordnung, Erika Mann arbeitet daran, die Sicht von Facebook in die Öffentlichkeit zu tragen. Bei Diskussionsveranstaltungen meldet sich eine ihrer Mitarbeiterinnen aus dem Publikum zu Wort. Mann selbst trifft sich mit Abgeordneten, um ihnen zu erklären, wie harmlos Facebook sei.

Am 10. Januar 2013 stellt Albrecht seinen Textentwurf der Presse vor. Weniger glamourös als die Kommissarin im Jahr zuvor, in einem schmucklosen Sitzungssaal. Den Artikel 17, das Recht auf Vergessenwerden, hat er an acht Stellen geändert. Albrecht hat die Verordnung noch schärfer gemacht.

Er will vermeiden, dass Schlupflöcher entstehen. Das Recht auf Löschung müsse für alle gelten, findet Albrecht – also nicht nur "speziell wenn es sich um personenbezogene Daten handelt, die die betroffene Person im Kindesalter öffentlich gemacht hat". Diesen Nebensatz der Kommissarin hat Albrecht gestrichen. Man könnte ihn so auslegen, als gälten für die Daten von Erwachsenen weniger strenge Regeln.

Albrecht hat in das Gesetz eine Passage hineingeschrieben, die schon in einer unveröffentlichten Fassung des Kommissionskonzepts stand – und auf Druck der amerikanischen Regierung vor Redings Pressekonferenz gelöscht worden war. Es ist Artikel 42. Er soll Unternehmen verbieten, persönliche Daten aus Europa an Behörden etwa in den USA weiterzugeben.

Als Albrecht den Artikel 42 wieder in das Gesetz einfügt, weiß er noch nichts von einem Mann namens Edward Snowden. Erst Monate später, im Juni, wird die Welt durch die Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters erfahren, wie ungebremst der amerikanische Geheimdienst auf die Daten europäischer Bürger zugreift.

Albrecht ahnt, dass Artikel 42 einmal wichtig werden könnte. Was er nicht ahnt, ist, mit welcher Wucht ihn der Protest der Wirtschaft treffen wird.

"Minority Report" soll Science Fiction bleiben

In seinem Büro braucht Albrecht nur wahllos Dokumente von der Fensterbank zu klauben, schon hat er Beschwerdebriefe in der Hand – von namhaften Unternehmen und Verbänden wie dem Bundesverband der Deutschen Industrie und der deutschen Industrie- und Handelskammer, von IBM und der Schufa. Ständig erreichen Albrecht Anfragen von Lobbyisten, die ihn dringend sprechen wollen.

Zwischen Frühjahr 2012 und Frühjahr 2013 treffen sich Albrecht und seine Mitarbeiter mit mehr als 200 Interessenvertretern – unter anderem von Adobe, Allianz, Amazon, Bertelsmann, eBay, Facebook, Microsoft, SAP, Samsung, Siemens, Sony und der Telekom. Werbefirmen fürchten darum, ihr Geschäft an Konkurrenten aus den USA zu verlieren. Kleinunternehmer haben Angst vor hohen Kosten, weil für sie dieselben Regeln gelten sollen wie für die reichen Internetkonzerne. Anwaltskanzleien, Verlage, Gewerkschaften – alle bringen sie Einwände gegen das Gesetz vor, alle bestürmen sie Jan Philipp Albrecht.

Bald kritisieren manche Lobbyisten sogar Teile des Gesetzesvorschlags, die gar nicht neu, sondern schon in der Richtlinie aus dem Jahr 1995 festgeschrieben sind. Albrecht glaubt: Die Unternehmen wollen die Gelegenheit nutzen, um den Standard des Datenschutzes noch unter den der bestehenden Regeln zu senken.

Eigentlich wollte Albrecht die Bürger schützen. Nun will ihm scheinbar jeder einreden, dass dieser Schutz eine Gefahr bedeutet.

Albrecht sehnt sich nach Entspannung. In Gedanken plant er seinen Sommerurlaub. Mit seiner Frau will er zu seinen Großeltern nach Südfrankreich fahren, 1.500 Kilometer in dem klapprigen VW-Bus, der mit riesigen Comics von Tim und Struppi bemalt ist. Der Bus muss die Reise überstehen, deshalb lässt sich Albrecht an einem Samstagmorgen im Frühjahr 2013 vom Navigationssystem seines Handys quer durch Hamburg in die Werkstatt leiten – ein Dienst von Google Maps. Während der Fahrt kommen alle paar Minuten SMS und E-Mails herein. Vergiss nicht diesen Termin, schick mir noch deinen Vorschlag, bringst du Eierlikör mit? Am frühen Morgen hat Albrecht bereits seine Motorbootprüfung gemacht, später muss er in Berlin bei den Grünen eine Rede halten. Er ist Wochen im Voraus verplant. Ein langsames Leben – auch für Albrecht ist das mehr Wunsch als Realität.

Albrecht fürchtet sich nicht vor der Zukunft, doch er fürchtet eine Welt, in der Konzerne über unser aller Schicksal bestimmen. Albrecht will, dass der Film Minority Report, in dem Menschen für Verbrechen eingesperrt werden, die sie in Zukunft begehen könnten, Science-Fiction bleibt. Darum, sagt Albrecht, müsse verhindert werden, dass Algorithmen Menschen in Risikoklassen einteilen, dass Benachteiligte von Rechenprozessen ausgeforscht und stigmatisiert, dass die Ängste der Leute ignoriert würden, so wie beim maroden Atommülllager Asse. Albrecht sieht das Selbstbestimmungsrecht in Gefahr.

Albrecht ist gut darin, sich in Rage zu reden und ein düsteres Bild von der Zukunft zu zeichnen. Auf einer Fahrt in seinem VW-Bus durch Hamburg kann einem fast angst und bange werden.

Albrecht ist aber auch Jurist, er weiß, dass in diesem Streit schlicht zwei gegensätzliche Rechtsanschauungen aufeinanderprallen. Für einen Deutschen wie ihn ist der Datenschutz ein Grundrecht. 1983 hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil zur Volkszählung das Konzept der "informationellen Selbstbestimmung" entwickelt. Es soll den Menschen die Kontrolle darüber geben, welche ihrer persönlichen Daten weitergegeben werden dürfen. Die deutschen Datenschutzbestimmungen gehören zu den strengsten in Europa.

Für Briten und Amerikaner ist das nicht leicht zu verstehen. Das deutsche Verfassungsgericht leitet die "Selbstbestimmung" aus dem Artikel 1 des Grundgesetzes, der Menschenwürde, sowie dem Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung ab – Letzteres lässt sich nicht einmal ins Englische übersetzen. Die Formulierung freedom of personality development klingt in den Ohren eines Angloamerikaners eher nach Esoterik als nach Recht.

Amerikaner, auch die digital natives im Hauptquartier von Erika Manns Arbeitgeber Facebook, sehen im Schutz persönlicher Daten kein Grundrecht. In den USA gibt es lediglich ein eingeschränktes Recht auf Privatsphäre, das zudem nur der Staat zu respektieren hat: "Privacy", das Recht darauf, in Ruhe gelassen zu werden, schützt Amerikaner vor der Durchsuchung ihres Hauses oder ihres Autos – zum Beispiel durch die Polizei. Es schützt sie nicht vor den Geschäftsinteressen eines Unternehmens. Erlaubt ist alles, wofür sich die Wirtschaft vom Kunden die Zustimmung geholt hat.

Es sind diese grundlegenden Unterschiede, welche die Giganten des Internets gegen Albrechts Gesetz aufgebracht haben.

Erika Mann verhält sich in diesem Kampf sehr geschmeidig. Sie setzt scheinbar auf Transparenz: Während Unternehmen wie die Deutsche Bank jahrelang nicht im Lobbyregister der Europäischen Union zu finden waren, ist Facebook dort längst registriert. Mann achtet penibel darauf, nicht wie eine Fundamentalistin zu wirken. Sie lobt, dass die Reformer Wachstum und Beschäftigung in Europa fördern wollen. Offenbar ist das ihre Strategie: Sie gibt sich als grundsätzliche Befürworterin des neuen Gesetzes aus, aber in den entscheidenden Punkten lehnt sie es ab – dort, wo es das Geschäftsmodell von Facebook beeinträchtigen könnte.

Albrecht braucht Verbündete

Mann war lange genug Politikerin, um zu wissen, dass Parlamentarier sich nicht als Handlanger von Großkonzernen fühlen wollen. Abgeordnete verschiedener Fraktionen bezeichnen sie als wenig aggressiv; von den Lobbyisten der Zigarettenindustrie und der Energieunternehmen sind sie anderes gewöhnt. Facebook, sagt ein konservativer Abgeordneter, spiele keine große Rolle in Brüssel.

Er irrt sich. Er hat die Strategie der US-Konzerne nicht durchschaut.

In den vergangenen Jahren sind in Brüssel neuartige Organisationen wie das Center for Democracy and Technology und die European Privacy Association entstanden, die von Unternehmen wie Google, Facebook, Microsoft und Yahoo mitfinanziert werden. Sie organisieren Konferenzen, geben Studien heraus und laden Parlamentarier zum Frühstück ein. Sie gerieren sich als Vertreter des Volkes, als sogenannte Graswurzelbewegungen, die im Interesse der Zivilgesellschaft handeln. In Wahrheit handelt es sich eher um Kunstrasenbewegungen: In Washington hat man dieser Lobbytechnik den Namen "Astroturf" gegeben. Die Bezeichnung stammt von einer Marke für künstliches Gras, das im Stadion des texanischen Baseballteams Houston Astros verwendet wird.

Auch wegen dieser sehr amerikanischen Lobbystrategie geschieht etwas, das bislang ohne Beispiel in der Geschichte der EU ist: Zu Albrechts Gesetz reichen Abgeordnete mehr als 4.000 Änderungsanträge ein, so viele wie wohl nie zuvor. Oft ist die Handschrift der Interessenvertreter erkennbar, manche Abgeordnete geben die Wünsche von Amazon, eBay und der amerikanischen Handelskammer eins zu eins wieder.

In kurzer Zeit ist die amerikanische IT-Industrie zu einer der größten Lobbyisten-Gruppen in Brüssel geworden. Die vielen Millionen Euro, die sie im Kampf gegen die Reform des Datenschutzes ausgegeben hat, zahlen sich nun aus.

Viele Abgeordnete wollen Albrechts Vorschlag in weiten Teilen umschreiben. Vor allem Artikel 17, das Recht auf Vergessenwerden.

Der deutsche Christdemokrat Axel Voss zum Beispiel will all jene persönlichen Daten vor der Löschpflicht bewahren, die zur "Feststellung der Identität oder zur Bestimmung der Bonität" gespeichert wurden. Seine finnische Fraktionskollegin Sari Essayah will staatliche Behörden ausklammern. Baroness Sarah Ludford, britische Abgeordnete der Liberaldemokraten, will das Recht auf Vergessenwerden nur "gegebenenfalls" billigen. Und der deutsche FDP-Abgeordnete Alexander Alvaro will den Begriff "Recht auf Vergessenwerden" sogar komplett aus dem Gesetz streichen.

Albrechts Büro kommt bald an seine Grenzen. Wochenlang sitzen er und seine Leute bis tief in die Nacht an den Schreibtischen und versuchen, die Flut der Anträge zu bewältigen. Unmöglich, den ersten Abstimmungstermin im April zu halten. Er wird auf Mai verlegt.

Im Mai hat Albrecht den Gesetzentwurf noch immer nicht fertig. Der Onlinezeitung EUobserver gibt er ein zorniges Interview, in dem er den Lobbyisten die Schuld daran gibt, dass sein Gesetz inzwischen fast schwächer ist als die gültige Richtlinie aus dem Jahr 1995. Das Interview ist ein Hilferuf an die Öffentlichkeit. Albrecht braucht Verbündete.

Im Juni arbeitet er immer noch Änderungsanträge ab. Wieder wird der Abstimmungstermin verschoben. Jetzt ist von Juli die Rede. Wenn sich das Parlament nicht bald auf einen gemeinsamen Vorschlag einigt und diesen anschließend mit dem Ministerrat abstimmt, bleibt den Juristen, die das Gesetz noch prüfen müssen, und den Übersetzern, die es in die 24 Amtssprachen der EU übersetzen müssen, nicht genügend Zeit. Es könnte dann sein, dass das Gesetz vor den Europawahlen im Mai 2014 nicht fertig wird, ein strengerer Datenschutz für Europa wäre auf lange Sicht verschoben. Albrechts Mitarbeiter sind nervös, wochenlang lassen sie alles andere liegen.

In Reaktion auf den Zeitdruck müsste Albrecht darum kämpfen, die führenden EU-Parlamentarier aller Fraktionen für sein Gesetz zu gewinnen. Einige prominente Abgeordnete müssten sich für Albrechts Sache starkmachen, das würde ihm helfen.

Doch Albrecht schafft es nicht, das Interesse an seinem Gesetz zu wecken, die Bedeutung zu erklären. Er verzettelt sich und verhandelt weiter über einzelne Formulierungen. Er merkt nicht, dass er mit seiner detailversessenen Art viele gegen sich aufbringt.

Wenige Wochen vor der geplanten Abstimmung kommt es zum Eklat zwischen ihm und seiner Kollegin aus dem Innenausschuss, Baroness Sarah Ludford. Sie wirft ihm öffentlich vor, dass er es nicht geschafft habe, die Meinungen der Abgeordneten in die Verordnung einfließen zu lassen, dass seine Formulierungen oft schwer zu verstehen seien, dass man schlecht mit ihm arbeiten könne.

Auch der Juli-Termin verstreicht. Jetzt ist von Oktober die Rede. Albrecht fährt erschöpft in den Urlaub.

Und dann, plötzlich und unerwartet, ein Hoffnungsschimmer. Es geschieht etwas, das Albrecht in seinen schlimmsten Erwartungen bestätigt und ihm gleichzeitig neuen Mut macht. Die Abhöraktionen der NSA lösen weltweit Erschrecken aus, die Medien entdecken das Thema Datenschutz. Am 14. Juli sagt Angela Merkel im Fernsehen: "Wir brauchen eine einheitliche europäische Regelung."

Das ist eine völlig neue Haltung der Bundeskanzlerin, die sich bislang kaum für Albrechts Reform interessiert hat. Die Brüsseler Vertreter der Bundesregierung, so berichten Beobachter, haben den Gesetzgebungsprozess immer wieder verzögert, haben immer neue Fragen gestellt, Vorbehalte angemeldet. Der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte, die Internetkonzerne sollten sich selbst kontrollieren – "regulierte Selbstregulierung" nannte er seine Idee. Und nun diese Wendung. Das hätte sich der Grüne Albrecht kaum träumen lassen: dass seine Hoffnungen einmal auf einer CDU-Kanzlerin ruhen würden.

Nach seinem Urlaub geht Albrecht wieder ins Brüsseler Parlamentsgebäude, und auf einmal ist alles anders.

Plötzlich unterhalten sich Abgeordnete und Mitarbeiter auf den Fluren über Datenschutz. Die Parlamentarier leiten eine Untersuchung ein, um den NSA-Skandal aufzuklären. Und, Albrecht kann es kaum glauben: Endlich haben die Fraktionen einen festen Abstimmungstermin für sein Gesetz zugesagt, den 21. Oktober. Ein paar Tage später sollen, auch auf Betreiben der deutschen Bundeskanzlerin, die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Treffen in Brüssel über dieses Thema reden, das nun plötzlich wichtig ist. Es sieht so aus, als könnten sich das Parlament und die Mitgliedstaaten der EU wirklich auf eine Reform des Datenschutzes einigen.

Noch sind viele Details offen. Bis kurz vor der Abstimmung wird Albrecht mit seinen Kollegen um einzelne Formulierungen und Artikel ringen, er steht weiter unter dem Druck der Industrie. Aber für den Artikel 42, der die Daten der Europäer vor dem Zugriff ausländischer Geheimdienste schützen soll, scheint sich jetzt eine Mehrheit abzuzeichnen. Albrecht ist optimistisch, dass er auch das Recht auf Vergessenwerden im Gesetz unterbringen kann.

Vielleicht werden Facebook und andere Internetkonzerne also in Zukunft hohe Strafen zahlen müssen, wenn sie das Recht der Europäer auf Schutz ihrer Daten verletzen.

Falls es so kommt, hätte Erika Mann verloren. Und Jan Philipp Albrecht hätte einen utopischen Gedanken in einen Gesetzesvorschlag für Europa verwandelt: die Idee, dass jeder Bürger selbst darüber bestimmen soll, welche digitale Existenz er führen möchte.

Unterdessen haben Google und Facebook neue Geschäftszahlen bekannt gegeben. Google konnte im zweiten Quartal 2013 seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent steigern, Facebook sogar um 53 Prozent. Das Geschäft mit den Daten läuft weiterhin prächtig.

Mitarbeit: Claas Tatje