Die Rüstungssparte von Rheinmetall brachte Jahre lang solide Ergebnisse. Und nun das: 2013 sank der Umsatz in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 834 Millionen Euro. Die Bundeswehr spart, die Vereinigten Staaten senken wie andere Nato-Staaten ihre Rüstungsausgaben. Wer heute Waffen verkaufen will, muss Kunden außerhalb von EU und Nato finden. "Brasilien, Indonesien, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Algerien", zählt Rheinmetall als interessante Märkte auf. Um dort ins Geschäft zu kommen, setzt der Waffenbauer nun auf einen Partner mit globalen Kontakten.

Mit dem Industriedienstleister Ferrostaal gründete der Rüstungskonzern Ende September das Joint Venture Rheinmetall International Engineering. Beide hoffen, so einen Milliardenmarkt zu erschließen. Rheinmetall versucht, seine schwächelnde Rüstungssparte zu stärken: Beim Aufbau ganzer Rüstungsindustrien gibt es weniger Konkurrenz als auf dem Markt für Panzer – und die Kontrolle durch die Bundesregierung fällt nahezu aus. Lediglich für die Ausfuhr von technischen Zeichnungen und Spezialmaschinen bedarf es einer Genehmigung; für die Vergabe von Lizenzen zum Nachbau deutscher Waffensysteme nicht.

Rheinmetall verbinde im Joint Venture sein "breites Produktportfolio mit dem Aufbau lokaler Produktionsstätten", kündigte das Unternehmen an. Zum Portfolio gehören Schützen- und Transportpanzer, Artilleriegranaten und Maschinengewehre. Man wolle "an einem wichtigen Markttrend partizipieren", sagt Vorstandschef Armin Papperger, "denn der Aufbau lokaler Infrastrukturen wird bei den internationalen Kunden gegenüber dem klassischen Import von Rüstungsgütern künftig weiter an Bedeutung gewinnen". Rohstoffreiche Staaten wie Algerien, Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate kaufen ihre Waffensysteme nicht mehr einfach nur im Ausland. Sie wollen Panzer, Sturmgewehre und Kriegsschiffe selbst herstellen – und investieren Milliarden in den Aufbau ihrer Rüstungsindustrien.

In Algerien arbeiten Ferrostaal und Rheinmetall bereits zusammen. Dort haben im März 2011 Ferrostaal, das algerische Verteidigungsministerium, der staatliche Baumaschinenhersteller Sofame und der Staatsfonds Aabar aus den Vereinigten Arabischen Emiraten die Rheinmetall Algerie SPA gegründet. "Rheinmetall ist Technologiepartner dieser Gesellschaft und nicht Anteilseigner", sagte Ernst Burgbacher, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, im Bundestag. "Ziel des Unternehmens ist es, eine Produktionsstätte für die Herstellung von Transportpanzern vom Typ Fuchs entstehen zu lassen."

Nach Angaben der Bundesregierung plant Algerien, bis zu 1200 Fuchs-Panzer zu bauen, um Terroristen zu bekämpfen und die Grenzen zu sichern. Der Panzer kann mit einem Räumschild ausgestattet werden, um Barrikaden – und auch Demonstranten – aus dem Weg zu schieben. Auf der Hauptversammlung im Mai 2012 präsentierte Rheinmetall das "industrielle Kooperationsprojekt" mit Algerien. Für 2013 wurde die Lieferung von 54 in Deutschland produzierten Fahrzeugen für 150 Millionen Euro vereinbart. Bald sollen die ersten in Algerien hergestellten Transportpanzer vom Band rollen. Dafür schlossen Rheinmetall und die Partner einen Ausbildungs- und Lizenzvertrag.

Der Aufbau von Rüstungsfabriken im Ausland wird von Friedensforschern kritisiert. Als Sündenfall gilt das Sturmgewehr G3. Es wurde in bis zu 18 Staaten nachgebaut, in Iran, Pakistan, Saudi-Arabien und Myanmar soll die Produktion bis heute laufen. Das G3 zählt zu den am meisten verbreiteten Waffen der Welt. Aufgebaut wurden die meisten G3-Fabriken von der Ferrostaal-Tochter Fritz Werner, die ihre Zentrale in Geisenheim/Hessen hat. Dort soll auch das Joint Venture von Ferrostaal und Rheinmetall sitzen.

Ferrostaal bringt auch die Sparte Oil & Gas in die Gemeinschaftsfirma ein, die Förderanlagen, Pipelines und Pumpstationen errichtet und exzellente Kontakte in den Maghreb und in die Golfregion pflegt. Öl und Waffen, das passt zusammen. Denn wo im Nahen Osten und in Nordafrika Öl und Gas gefördert werden, da wird auch aufgerüstet.