DIE ZEIT: Cher, mit 67 Jahren melden Sie sich auf Closer To The Truth mit knalligen Elektro-Disco-Songs zurück. Haben Menschen in Ihrem Alter an dieser Musik Spaß?

Cher: Keine Ahnung, ich habe mit Menschen meines Alters nichts zu schaffen. Kaufen die noch CDs? Eher nicht. Downloaden die? Niemals. Ist mir aber auch egal. Solange es überhaupt einer kauft, bin ich zufrieden und pfeife auf demografische Details!

ZEIT: Mit dieser Platte kehren Sie ins Rampenlicht zurück. Neulich beklagten Sie in einem Interview einen Mangel an Privatsphäre. Wie passt das zusammen?

Cher: Ich bin oft ungehalten, wenn mir einer sein Smartphone ins Gesicht hält. Es ist kein gottgegebenes Recht, andere Menschen zu fotografieren.

ZEIT: Haben Sie den Ruhm trotzdem vermisst?

Cher: Ehrlich gesagt, ja. Es ist ein komisches Gefühl, wenn sich keiner mehr für einen interessiert. So langweilig. Ich bin berühmt, seit ich 18 war. Man gewöhnt sich ganz gut daran.

ZEIT: Angeblich haben Sie bereits mit zehn Jahren geübt, Autogramme zu geben. Warum?

Cher: Nicht mit zehn, aber mit elf! Mir war eben völlig klar, dass ich eines Tages berühmt werde. Ich wollte vorbereitet sein. Die Erste, die dann tatsächlich ein Autogramm wollte, war meine Schwester.

ZEIT: Ist es schwieriger, berühmt zu werden oder es zu bleiben?

Cher: Beides ist gleich anstrengend. Meine Karriere war ja ein andauerndes Auf und Ab. Erst war ich mit Sonny Bono ein Star, dann trennte ich mich von ihm und war ein Nichts. Später kehrte ich mit einer TV-Show zurück, und dann wurde die wieder abgesetzt.

ZEIT: Hatten Sie nie Angst, für immer im Aus zu landen?

Cher: Entertainment ist kein Spaß, sondern bitterer Ernst. Ich glaube, ich war die erste Prominente, die jemals einen Werbeclip im Privatfernsehen machte. Ich weiß nicht mehr, für welches Produkt. Aber die Reaktionen darauf waren unvorstellbar feindselig. Ich wurde in Talkshows zur Witzfigur. Ich war erschüttert und fest davon überzeugt, dass ich mich von diesem Image-Debakel nicht erholen würde.