Sängerin Cher"Ich halte nichts von Kompromissen"

Die Popikone Cher über ihr neues Album, ihren Hass auf Smartphone-Fotografen und die Kunst des Nichtaufgebens. von Christoph Dallach

Cherilyn Sarkisian, geboren 1946 in Kalifornien

Cherilyn Sarkisian, geboren 1946 in Kalifornien  |  © Warner Music Group

DIE ZEIT: Cher, mit 67 Jahren melden Sie sich auf Closer To The Truth mit knalligen Elektro-Disco-Songs zurück. Haben Menschen in Ihrem Alter an dieser Musik Spaß?

Cher: Keine Ahnung, ich habe mit Menschen meines Alters nichts zu schaffen. Kaufen die noch CDs? Eher nicht. Downloaden die? Niemals. Ist mir aber auch egal. Solange es überhaupt einer kauft, bin ich zufrieden und pfeife auf demografische Details!

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ZEIT: Mit dieser Platte kehren Sie ins Rampenlicht zurück. Neulich beklagten Sie in einem Interview einen Mangel an Privatsphäre. Wie passt das zusammen?

Cher: Ich bin oft ungehalten, wenn mir einer sein Smartphone ins Gesicht hält. Es ist kein gottgegebenes Recht, andere Menschen zu fotografieren.

ZEIT: Haben Sie den Ruhm trotzdem vermisst?

Cher: Ehrlich gesagt, ja. Es ist ein komisches Gefühl, wenn sich keiner mehr für einen interessiert. So langweilig. Ich bin berühmt, seit ich 18 war. Man gewöhnt sich ganz gut daran.

ZEIT: Angeblich haben Sie bereits mit zehn Jahren geübt, Autogramme zu geben. Warum?

Cher: Nicht mit zehn, aber mit elf! Mir war eben völlig klar, dass ich eines Tages berühmt werde. Ich wollte vorbereitet sein. Die Erste, die dann tatsächlich ein Autogramm wollte, war meine Schwester.

ZEIT: Ist es schwieriger, berühmt zu werden oder es zu bleiben?

Cher: Beides ist gleich anstrengend. Meine Karriere war ja ein andauerndes Auf und Ab. Erst war ich mit Sonny Bono ein Star, dann trennte ich mich von ihm und war ein Nichts. Später kehrte ich mit einer TV-Show zurück, und dann wurde die wieder abgesetzt.

ZEIT: Hatten Sie nie Angst, für immer im Aus zu landen?

Cher: Entertainment ist kein Spaß, sondern bitterer Ernst. Ich glaube, ich war die erste Prominente, die jemals einen Werbeclip im Privatfernsehen machte. Ich weiß nicht mehr, für welches Produkt. Aber die Reaktionen darauf waren unvorstellbar feindselig. Ich wurde in Talkshows zur Witzfigur. Ich war erschüttert und fest davon überzeugt, dass ich mich von diesem Image-Debakel nicht erholen würde.

Leserkommentare
  1. ...Cher, obwohl ich sie eigentlich mag, kommt ziemlich überzogen daher ! Wären alle älteren Damen so gestrickt, gäbe es im Altenheim aber ziemlich oft Randale !
    Cher und Meryl scheinen ja ziemliche Zicken zu sein !

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    • kimiko
    • 17. Oktober 2013 12:47 Uhr

    Versteh ich nicht, weil sie dem Mädchen geholfen haben und sich in den Überfall eingemischt haben??? Das finden Sie zickig???

    • kimiko
    • 17. Oktober 2013 12:47 Uhr

    Versteh ich nicht, weil sie dem Mädchen geholfen haben und sich in den Überfall eingemischt haben??? Das finden Sie zickig???

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Na ja ..."
    • snoek
    • 17. Oktober 2013 12:55 Uhr
    3. .....

    Das ist eine super Story. Man stelle sich vor, dass man auf dem Weg zur Arbeit von einem Typen überfallen wird und dann kommen Cher und Meryl Streep und retten einen. Das glaubt einem doch kein Mensch.

    6 Leserempfehlungen
  2. "Ich halte nichts von Kompromissen"

    Na, dann gibt ihr der Erfolg wohl Recht.

    2 Leserempfehlungen
  3. tolle Frauen!!

    4 Leserempfehlungen
  4. ..aber warum mussten Sie Cher auf die Stones ansprechen? Genau denselben Unsinn hat Lanz bei "wetten dass..." gemacht, als er sie instinktlos fragte, ob sie eher Stones- oder Beatles-"Fan" war. Cher war in den 60ern selbst ein eigenständiger Topstar mit "Sonny und Cher" und brauchte gewiss keine britischen Beatbands, um sich zu orientieren. Ewig dieses Rumgeseire um Stones und Beatles, selbst den leidigen Selbstdarsteller David Bowie haben Sie Cher um die Ohren gehauen. Ich stamme selber aus der Zeit und kann es nicht mehr hören, da gab es noch ganz andere Acts. Ich bevorzugte BeeGees, Supremes, Ike&Tina und natürlich Sonny&Cher.

    3 Leserempfehlungen
  5. kommt kein Artikel mehr ohne direkte Bezugnahme und Frage nach Ihrem Alter aus.

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    Das liegt daran, dass sie so krampfhaft versucht auf jung zu machen. Ich finde sie nur noch lächerlich.

    Eine Tina Turner hatte das nicht nötig.

  6. Also ich muss sagen, man sieht der Frau Cher ihre siebenundsechzig Jahre schon ein bisschen an. Findst nicht?

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