ZEITmagazin: Herr Oz, mit 14 Jahren verließen Sie Ihr Elternhaus in Jerusalem und gingen in einen Kibbuz. Warum?

Amos Oz: Ich rebellierte gegen alles, was mit meinem Vater zu tun hatte. Ich wollte alles werden, was er nie war. Mein Vater war ein Intellektueller, deshalb wollte ich Traktorfahrer werden. Mein Vater war konservativ, darum wurde ich Sozialdemokrat. Mein Vater war ein Großstadtmensch, deshalb ging ich aufs Land, in den Kibbuz. Seit mehr als 40 Jahren ist er tot, aber es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht mit ihm über Politik streite.

ZEITmagazin: Er hieß Jehuda Klausner. Haben Sie den Nachnamen abgelegt, um Ihren Vater loszuwerden?

Oz: Ich wollte neu geboren werden. Mir war nicht bewusst, dass das gar nicht geht. Als ich mit 16 Jahren meinen Namen wechseln durfte, bin ich gleich zum Innenministerium und habe es getan.

ZEITmagazin: Wie hat Ihr Vater darauf reagiert?

Oz: Er war zutiefst verletzt, es war für ihn wie ein Schlag ins Gesicht. Ich war sein einziger Sohn. Später hat er wieder geheiratet und bekam mit seiner neuen Frau noch einen Sohn und eine Tochter. So lebt der Name Klausner in meinem Halbbruder weiter.

ZEITmagazin: Wie klingt der Name heute für Sie?

Oz: Wenn ich ihn höre, denke ich an meinen Vater, meinen Großvater – und an meinen Großonkel Joseph. Er war einer der führenden Intellektuellen im rechten Parteienspektrum in Israel und kandidierte bei der Präsidentenwahl 1949 gegen Chaim Weizmann. Mein Vater hatte Literaturwissenschaften studiert und hoffte sein Leben lang, ein zweiter Professor Klausner zu werden. Das ist ihm nicht gelungen. Deshalb dachte er, dass dann doch wenigstens ich der nächste Professor Klausner würde. Und letzten Endes bin ich es dann ja auch geworden.

ZEITmagazin: Der Kibbuz war die Rettung vor Ihrer Familie?

Oz: Ich wollte mein Leben radikal verändern, und ich dachte, der Kibbuz könnte meine Ersatzfamilie werden. Ich war ein Schwätzer, ich wollte ein Macher werden.