Als sein Professor an der Fachhochschule Köln ihn fragte, ob er promovieren wolle, hat Markus Cremer sofort zugesagt. Sein Diplom-FH-Abschluss in Elektrotechnik war da schon ein paar Jahre her. Cremer hatte in der Zwischenzeit gearbeitet – und auch noch einen Master gemacht. Die Promotion, dachte er, sei eine große Chance. Markus Cremer wusste, was er für seine Doktorarbeit untersuchen möchte: Er wollte ein System entwickeln, wie Ware in einem Lager leichter geortet wird. Wie eine Promotion als FH-Student abläuft, wusste er nicht. Auch nicht, dass er einmal im Ausland promovieren würde. Vielleicht war das ganz gut so.

Für FH-Studenten führt der Weg nicht gradlinig zum Doktortitel. Zwar ist jeder sehr gute Masterabsolvent zur Promotion berechtigt, das Promotionsrecht aber liegt bei den Universitäten. Wenn ein Professor an seiner Fachhochschule einen geeigneten Studenten entdeckt, muss er einen Kollegen von der Universität als Doktorvater für ihn gewinnen. Und hier beginnt das Problem.

Das Wort, das in diesem Zusammenhang am häufigsten fällt, heißt "Kontakte". "Alles läuft über Kontakte", sagt etwa Nicolai Müller-Bromley, Präsident des Hochschullehrerbundes. Und Michael Stawicki, Präsident der forschungsstarken Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, sagt: "Wenn es Kontakte gibt, läuft es gut." Wenn sich also Professoren kennen und schätzen, übernehmen sie auch Doktoranden. Dass dies ganz grundsätzlich häufig klappt, belegen die Zahlen: Zwischen 2009 und 2011 promovierten 955 FH-Studenten an Universitäten, fast doppelt so viele wie in den drei Jahren zuvor, gab die Hochschulrektorenkonferenz im Juni bekannt.

Gleichzeitig berichten FH-Professoren aber auch, dass sie auf wenig Gegenliebe bei ihren Anfragen stoßen. Dass sie manche Fachkollegen an der Uni gar nicht erst bitten brauchten, ob sie Doktoranden übernehmen würden. "Der Widerstand an den Unis ist oft noch sehr groß", sagt Thomas Baaken, Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Münster, der selbst Doktoranden in kooperativen Verfahren betreut. Sieben Doktoranden hat er an ausländischen Universitäten untergebracht, drei in Deutschland. "Und das hat auch einen Grund", sagt er. "In Deutschland ist einfach eine Menge Willkür, Unberechenbarkeit und Risiko dabei."

Mit dieser Einschätzung ist er nicht allein. Vor drei Jahren beklagte der Wissenschaftsrat eine "mangelnde Bereitschaft von Universitäten, geeigneten Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen die Aufnahme einer Promotion zu ermöglichen und vermehrt kooperative Promotionsstrukturen zu etablieren." Müller-Bromley sieht das immer noch genauso: "Von flächendeckenden Kooperationen kann gar keine Rede sein", sagt er. "Es gibt immer noch sehr viele Vorbehalte." Vertragliche Partnerschaften zwischen Instituten oder ein Standardverfahren zur Promotion der FH-Absolventen sind selten. Es gibt keine Standards, keine Regeln – deshalb sind persönliche Verbindungen für das Vorankommen wichtig, wenn jemand wie Markus Cremer promovieren möchte.

Dass manche Universitäten allergisch auf dieses Thema reagieren, verwundert nicht. Es geht um viel mehr, als darum, zusätzliche Promovierende zu betreuen. Während sich die Hochschullandschaft immer weiter ausdifferenziert, ist das Promotionsrecht das letzte Privileg, das die Unis den Fachhochschulen voraushaben. Es ist auch der letzte Titel, den nur sie verleihen dürfen, seit mit der Bologna-Reform das "Diplom (FH)" verschwindet und Master einfach Master heißt, egal, wo er erworben wurde. Die Universitäten möchten dieses Privileg gern behalten, verweisen auf den Praxisschwerpunkt der FHs und warnen vor zu vielen Doktoranden. Die Fachhochschulen dagegen argumentieren, dass viele von ihnen längst Forschung betreiben und sie die besten Studenten an die Unis verlieren, wenn sie ihnen nicht die Promotion anbieten können.