Milch schleimt. Das ist etwa unter Sängern eine viel zitierte Weisheit: Vor dem Konzert soll man keine Milch trinken, sonst ist der ganze Rachen von einer dicken Schleimschicht überzogen. Auch die Eltern vieler asthmakranker Kinder glauben, dass Milch die Symptome verschlimmert.

Mehrere wissenschaftliche Studien haben aber ergeben, dass die Schleimproduktion des Körpers, insbesondere der Atemwege, nach dem Genuss von Milch keineswegs ansteigt. Das gilt auch, wenn der Mensch erkältet ist. Deshalb haben sich weitere Untersuchungen darauf konzentriert, die Verbreitung dieses Glaubens und seine möglichen Ursachen zu untersuchen. So gaben australische Forscher 170 Probanden (von denen 70 an die Milch-Schleim-Geschichte glaubten) in einer Doppelblindstudie entweder echte Milch oder Sojamilch als Placebo zu trinken. Viele fanden daraufhin, dass sich ihr Mund und Rachen irgendwie belegt anfühlten. Ein Drittel musste auch mehr schlucken. Das war jedoch bei beiden Getränken in gleichem Maße der Fall.

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Wenn sich Milch und Speichel vermischen, dann ist die entstehende Emulsion tatsächlich ein wenig dickflüssig – vielleicht liegt ja da der Ursprung der Legende. Bei kratzendem Hals wirkt ein Glas heiße Milch auch wohltuend, sie legt sich wie ein Schutzfilm auf die entzündete Schleimhaut. Aber auch wenn die Galaktose, die im Milchzucker steckt, "Schleimzucker" genannt wird – der Körper produziert nach dem Milchgenuss nicht mehr Schleim als vorher.

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