Gegen Mittag am vergangenen Dienstag stimmte die Gläubigerversammlung dem Suhrkamp-Insolvenzplan zu. Der Verlag wird, wenn der Eintrag ins Handelsregister vorgenommen ist, eine Aktiengesellschaft sein. Hans Barlach wird damit seinen Einfluss auf die Geschäftsführung verlieren, und der lähmende Streit unter den Suhrkamp-Gesellschaftern wird der Vergangenheit angehören.

Barlach war am Ende unter Druck. Maßgeblich trug dazu bei, dass sein Engagement bei Suhrkamp von Beginn an mit einem Makel behaftet gewesen war: Barlach hatte seine 2006 vom Schweizer Unternehmer Andreas Reinhart erworbenen Suhrkamp-Anteile nie vollständig bezahlt. Erst im Laufe dieses Jahres ergingen Urteile in Zürich beziehungsweise Lausanne, welche ihn endgültig und rechtskräftig zur Zahlung zwingen, das sind heute samt Zinsen etwa 6,7 Millionen Schweizer Franken. Die werden derzeit eingetrieben.

Vor dem Hintergrund dieses Drucks wird auch Barlachs Verhalten in der letzten Phase des "Siebenjährigen Kriegs" um den Suhrkamp Verlag erklärbar. Standen seine medialen Ankündigungen, den Verlag unternehmerisch weiterentwickeln zu wollen, immer schon in einem gewissen Widerspruch zu seinem tatsächlichen Geschäftsgebaren, darauf ausgerichtet, dem Unternehmen möglichst viel Liquidität zu entziehen (ZEIT Nr. 26/13), so setzte er selbst eine neue Entwicklung in Gang: 2012 stellte Barlach außerordentliche Gewinne fällig, die nach einer alten Vereinbarung eigentlich im Unternehmen hätten verbleiben sollen. Das waren 2,2 Millionen Euro. Er setzte diese Forderung im März gerichtlich durch und wurde in diesem Zusammenhang auch frühzeitig aufgeklärt, dass Suhrkamp darüber insolvent werden könnte.

Dass Barlach noch Ende 2012 beim Landgericht Frankfurt die Auflösung des Unternehmens beantragt hatte, lässt nur den Schluss zu, dass er mit einer Insolvenz des Verlages und seiner anschließenden Zerschlagung rechnete. Dass er zwischen März und Mai 2013 alle Maßnahmen zur finanziellen Stabilisierung ablehnte, lässt darauf schließen, er betrieb die Pleite sogar, vermutlich in der Hoffnung auf hohe Liquidationserlöse. Erwartungsgemäß meldete Suhrkamp Ende Mai Insolvenz an.

Es muss für Barlach allerdings überraschend gewesen sein, dass dieser Konkurs keineswegs in eine Liquidation münden sollte. Vielmehr hatte das Verfahren eine Sanierung des Verlages in veränderter Rechtsform zum Ziel. In einer Aktiengesellschaft, ohne Einfluss aufs laufende Geschäft, sind Barlachs Anteile aber nur noch wenig wert. So musste er im Juni seine Taktik ändern: Den Status quo des Unternehmens zu sichern und es aus dem Schutzschirm des Insolvenzrechtes wieder herauszuholen war nun das Entscheidende.

Barlach verzichtete also auf seine 2,2 Millionen und drängte darauf, dass die Familienstiftung ebenfalls Gewinnansprüche abgab – damit die Gründe für Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit wegfielen. Damit fand er jedoch kein Gehör vor Gericht. Vielmehr wurde die Rechtmäßigkeit der Insolvenz festgestellt. Auch der vom Gericht bestellte Supervisor des Verfahrens, der sogenannte Sachwalter, bestätigte in seinem Gutachten vom August die Insolvenz, merkte noch an, Barlachs Anwälte hätten kein eigenes Zahlenwerk vorgelegt, das eine andere Einschätzung nahelegte. Der Sachwalter wies auch darauf hin, dass der unlösbare Streit unter den Gesellschaftern ein wesentlicher Insolvenzgrund war, der nun beseitigt werden könne, um dem Verlag wieder eine Perspektive zu eröffnen.

Was danach noch folgte, war ein bizarres juristisches Zwischenspiel, das sich das Landgericht Frankfurt leistete. Die Kammer für Handelssachen unter der Richterin Claudia Müller-Eising erließ eine Handvoll Urteile zugunsten von Barlach, ohne dass diese noch einmal das Insolvenzverfahren hätten aufhalten können. Unterdessen sind die allermeisten Entscheidungen von Frau Müller-Eising vom Oberlandesgericht zurückgestellt oder aufgehoben worden, oft mit wenig schmeichelnden Begründungen für die Richterin.

Mit der Annahme des Insolvenzplans geht nun ein ziemlich spektakulärer Versuch der feindlichen Übernahme eines Unternehmens unspektakulär zu Ende. Er richtete sich auf eine kulturelle Institution der Bundesrepublik und zog ein besonderes Medieninteresse auf sich. Bizarr war die zeitliche und die finanzielle Beharrungskraft, die hier aufgewendet wurde. In der Berichterstattung des Focus oder der Springer-Presse galt Hans Barlach zwischenzeitlich als Heros der Marktwirtschaft, dem ein Kartell kapitalismusfeindlicher Autoren legitime unternehmerische Rechte vorenthalten wollte.