Auch Pep Guardiola, der Trainer des FC Bayern München, war als Fußballer in einen Dopingfall verwickelt

Italien 2001. Damals wird ein spanischer Fußballspieler in Diensten von Brescia Calcio positiv auf ein Abbauprodukt von Nandrolon getestet, einem anabolen Steroid. Gleich zweimal. Es ist Pep Guardiola, der heutige Trainer des FC Bayern München. Es ist ein Dopingfall mit ebenfalls mysteriösem Fortgang. 2002 wird Guardiola für vier Monate gesperrt. Nur vier Monate. Er geht in Berufung. Er sei unschuldig, sagt er. Auf einer Pressekonferenz im November 2002 schreit er fast: "Ich bin Pep Guardiola. Ich habe nie Nandrolon genommen." 2005 wird er zu sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. In der Berufung einige Jahre später wird er dann freigesprochen.

Mehr über den Fall Guardiola zu erfahren ist schwierig. Sein Biograf Guillem Balagué schreibt, es seien neun Nanogramm Nandrolon pro Milliliter bei Guardiola nachgewiesen worden. Der Grenzwert lag damals bei zwei Nanogramm. Also deutlich niedriger. Ob die Angabe des Biografen stimmt? Einerseits ist davon auszugehen, weil das Buch auf persönlichen Gesprächen mit Guardiola beruht. Im Nachsatz zieht er einen Vergleich zum Dopingfall des gedopten 100 Meter-Olympiasiegers von 1988, Ben Johnson: Der sei mit 2.000 Nanogramm erwischt worden. Nur ist bei Ben Johnson ein Abbauprodukt eines ganz anderen anabolen Steroids nachgewiesen worden, nämlich Stanozolol. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, würden deutsche Medien das nicht immer noch verbreiten.

"Das ist, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen", sagt Mario Thevis, Professor des Kölner Dopingkontrolllabors und Zentrums für präventive Dopingforschung. "Bei Stanozolol gibt es gar keinen Grenzwert. Der Vergleich ist völliger Quatsch." Neun Nanogramm wären demnach "ein eindeutig positiver Befund".

Über ein Dutzend Fußballspieler fallen Anfang der 2000er durch Doping mit anabolen Steroiden auf. Fast alle sind Nationalspieler. Aus den Niederlanden, aus Portugal – und eben Pep Guardiola. Damals waren mit Steroiden verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel im Umlauf. Aber ob das der Grund für Guardiolas Freispruch war, bleibt unklar. Er selbst sagt dazu nichts. Der FC Bayern lässt ausrichten, Guardiola gebe grundsätzlich keine Einzelinterviews.

Wilhelm Schänzer, wie Thevis Professor an der Sporthochschule in Köln und Leiter des Kölner Dopingkontrolllabors, weist darauf hin, dass von 2006 an auch nachgewiesen wurde, dass der Körper selbst "erhöhte Werte für den Nandrolonmetaboliten" erzeugen könne. Dafür soll Guardiola ein Gutachten vorgelegt haben, so schreiben es einige Medien. Es soll von einem gewissen Jordi Segura geschrieben worden sein.

Jordi Segura ist der Leiter des von der Welt-Anti-Doping-Agentur akkreditierten Dopingkontrolllabors von Barcelona und damit eine Instanz im weltweiten Anti-Doping-Kampf. Sollte er für Guardiola ein Gutachten geschrieben haben, wäre das ein klarer Interessenskonflikt. Segura will auf ZEITmagazin- Anfrage dazu nichts sagen.

Auch das Nationale Olympische Komitee Italiens CONI, das Guardiolas Freispruch 2009 noch einmal vor Gericht hat überprüfen lassen, schreibt per E-Mail, man solle beim Fußballverband nachfragen. Der schickt einem schließlich die Urteile von 2002 und 2009. Weder ist darin von Segura die Rede, noch findet man eine plausible Begründung des Freispruchs. Nur im ersten Urteil heißt es, dass das Nandrolon in Guardiolas Körper "nicht einer endogenen Produktion" zugeschrieben werden könne. Die Werte seien "völlig inkompatibel" mit einer Produktion durch den eigenen Organismus.

Selbst die im Urteil mehrfach angesprochene Welt-Anti-Doping-Agentur will nichts mit dem Fall zu tun haben, sieht sich nicht zuständig: Zur Probennahme 2001 sei der Welt-Anti-Doping-Code noch nicht in Kraft gewesen.

Letzter Versuch, Anruf bei Ettore Torri. Lange Jahre war er der Anti-Doping-Fahnder des Nationalen Olympischen Komitees Italiens, jetzt ist er Pensionär. Er war es, der den Fall Guardiola 2009 noch einmal vor Gericht brachte. Er sagt am Telefon, er könne sich an keinerlei Details mehr erinnern.

Keiner will etwas zu tun haben mit dem Dopingfall des derzeit wohl meistbeachteten Trainers der Welt.

Spurensuche in Barcelona, Guardiolas Heimat. Wieder stößt man auf Zurückhaltung und Angst. "Guardiola ist ein Gott in Spanien", sagt einer, der ihn gut kennt.