Technik interessiert keine Sau. Das ist, etwas überspitzt formuliert, das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung. Etwas präziser gesagt: Dass die naturwissenschaftlichen Schulfächer für Deutschlands Zukunft die wichtigsten seien, glaubten von 1.000 Befragten nur 40 Prozent, bei den unter 30-Jährigen waren es lediglich 34. Und für Informatik stimmten von denen sogar nur schwache 14 Prozent.

Das ist paradox. Auch auf den zweiten Blick bleibt es widersinnig. Ausgerechnet die Generation Internet, welcher der Netzanschluss quasi in die Wiege gelegt wurde, hält technisches Wissen für unbedeutend? Dabei sind ihr die Finger doch nahezu mit dem Smartphone verwachsen! Drei Viertel der befragten Jungen nutzen gern neue technische Produkte, das ergab die Umfrage ebenfalls. Fummeln die alle nur an den Touchscreens herum, statt auch das Innenleben der Geräte verstehen zu wollen?

Natürlich ist es einfach, zu ignorieren, was hinter einem bunten Bildschirm geschieht, solange das Ding funktioniert. Doch ein solches Desinteresse wird fatale Folgen haben. Unternehmen und Regierung fürchten teure Konsequenzen: Wie soll das Land konkurrenzfähig bleiben, wenn es an Tüftlernachwuchs mangelt? Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt: Werde nicht gegengesteuert, fehlten im Jahr 2020 rund 156.000 akademische MINT-Fachkräfte (kurz für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).

Deswegen setzt sich auch die Körber-Stiftung dafür ein, jungen Menschen "Lust auf MINT" zu machen. Es ist eine weitere unter unzähligen Initiativen, die derzeit in diesem Bereich entstehen und in denen sich Bildungsinstitutionen, Stiftungen und Firmen engagieren. Sie heißen " Haus der kleinen Forscher", " TuWas!" oder " Girls mit Grips" , manche richten sich an Kitakinder, andere an angehende Studenten.

Doch die Wirkung solcher Angebote verpufft in vielen Fällen, wie eine Evaluation von 950 Initiativen durch die Universität Stuttgart gezeigt hat. Experimentierkurse und Schülerlabore sind löblich. Technisches Interesse entwickelt sich aber nur, wenn es schon im frühen Kindesalter geweckt und dann kontinuierlich gefördert wird.

Genau daran hapert es oft – gerade in akademischen Elternhäusern. Im Land der Dichter und Denker mag sich ein Bildungsbürger heimlich schämen, der seinen Goethe nicht auswendig kann. Mit Unbelecktheit in Naturwissenschaften und Technik hingegen kokettiert er ganz offen.

Diese Ignoranz ist verantwortungslos: nicht nur, weil sie dazu führt, dass Akademikerkinder seltener Dipl.-Ing. werden. In einer von Ingenieurskunst geprägten Welt ist ein Grundverständnis für Technik essenziell, um mündig zu bleiben. Nicht jeder Bürger muss sein Smartphone selbst reparieren können. Aber er sollte zum Beispiel verstehen, worum es in der Datenschutzdebatte geht.