Es sind Eltern, wie sie sich konservative Bürger eigentlich nur wünschen können: zwei Menschen, die sich voll und ganz auf das Familienleben einlassen, die alles geben, alles tun, um ihren Kindern Geborgenheit und Orientierung zu schenken.

Und dieses Paar macht, was hingebungsvolle Eltern für ihre Kinder eben so tun: Es steht um sechs Uhr auf, richtet das Frühstück, schmiert Marmeladensemmeln, es wäscht, kämmt, chauffiert, es macht bettfertig und singt vor. Wenn man Kinder habe, müsse man viele seiner eigenen Bedürfnisse zurückstellen, sagen die beiden. Die Familie, die stehe an erste Stelle. Ja, solche Eltern würden sich die Konservativen wohl wünschen. Wären es nicht zwei schwule Männer, die hier zwei Kinder aufziehen.

Stephan und Thorsten kommen beide aus Oberösterreich und sind beide in ihren Dreißigern. Für die Kinder sind sie Papa und Papi. Stephan, der Papa, ist studierter Politologe und arbeitet in der Finanzabteilung der Gemeinde Wien. Thorsten, "der Hausmann von uns beiden", ist Papi. Bei diesem homosexuellen Paar wachsen ein 15 Monate altes Mädchen und ihr zweieinhalbjähriger leiblicher Bruder auf. Weder mit Papa noch mit Papi sind sie verwandt. Dennoch lebt das Pärchen so, als sei das kleine Geschwisterpaar ihr eigen Fleisch und Blut.

Es sei schädlich für Kinder, bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufzuwachsen, heißt es oft von Kritikern – mal mehr, mal weniger drastisch formuliert. Da wird behauptet, Kinder würden durch lesbische und schwule Eltern selbst zu Homosexuellen erzogen.

FPÖ-Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein sieht sich als eine der Frontfrauen im Kampf gegen homosexuelle Eltern. Sie sprach kürzlich in diesem Zusammenhang von der "Zerstörung der Familie", ja gar von der "Zerstörung der Gesellschaft" – eine Aussage von vielen, die in diese Richtung zielen.

Und auch Vertreter der staatstragenden ÖVP melden sich immer wieder zu Wort. Etwa Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer, der unlängst in einem Interview mit der Tageszeitung Standard vor der Gleichstellung von sogenannten Regenbogenfamilien mit traditionellen Familien eindringlich warnte, "denn da wird das Grundbild abgewertet, das man anzustreben hat".

Doch diese Familien, gegen die so lautstark getrommelt wird, sind längst Realität – auch wenn das nur wenigen bewusst ist. Denn während die Warteliste für Adoptivkinder lang ist, werden händeringend Pflegeeltern für Kinder gesucht, die ansonsten ins Heim müssten. Vergangenes Jahr gab es laut Jugendwohlfahrtsbericht insgesamt 4607 Pflegekinder.

Die Paare, ob hetero- oder homosexuell, kümmern sich im Auftrag des Jugendamts um Kinder aus problematischen Verhältnissen, die oft sich selbst überlassen oder gar misshandelt wurden. Bei ihren leiblichen Eltern konnten diese Kinder nicht auf ein geeignetes Zuhause hoffen.

Zwar seien Kinder bei zwei Homosexuellen besser aufgehoben als bei zwei Säufern, heißt es dazu aus der ÖVP. Doch für Adoption, dafür möchte die Volkspartei dann doch nicht plädieren – diese ist in Österreich bis heute nicht möglich. SPÖ und Grüne sprechen sich dafür aus, wenn es nach ÖVP und FPÖ geht, soll sich nichts ändern. Seit dem Frühjahr steht allerdings die Stiefkindadoption Homosexuellen offen. Doch auch dazu konnte sich die Republik nicht freiwillig durchringen: Sie musste erst einmal durch den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof wegen Diskriminierung verurteilt werden, um ihre Blockade in diesem Punkt aufzugeben.

Ein paar Biskotten sollen helfen, die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken. Es ist ja nicht mehr lange bis dahin, die Fensterrahmen werfen schon lange Schatten über den Wohnzimmerboden. Das kleine Mädchen schlichtet Holzklötze in eine Kiste. Ihr Bruder ist vollends vom nachmittäglichen Übermut erfasst, munter quietscht er vor Vergnügen. Auf der Eckcouch wühlt er sich durch die klobigen Pölster, um sich dann aufzurichten und seinen kleinen Körper mit voller Wucht wieder niedersacken zu lassen. "Dann hast du wieder Aua am Kopf", sagt Thorsten dem Jungen beiläufig und eindringlich zugleich, "ich sag’s dir nur."

Das schwule Paar hatte sich schon immer ein kleines Kind gewünscht, "damit wir es auch aufwachsen sehen". Vor drei Jahren machte es dann einen Kurs für angehende Pflegeeltern. Ein Dreivierteljahr bereiteten sich Stephan und Thorsten auf ein Baby vor. "In dieser Zeit haben wir ganz intensiv Nest gebaut", erzählt Thorsten. "Wir waren richtige Streberschwangere."

Dann erfuhren sie vom Schicksal der Mutter der Kinder, die gerade den Buben zur Welt gebracht hatte. Sie ist eine junge Österreicherin, der Vater ein serbischer Rom. Zehn Wochen nach seiner Geburt kam der Pflegesohn schon zu Stephan und Thorsten, seine Schwester sollte ihm folgen. "Die leiblichen Eltern", sagt Stephan knapp, "konnten sich um die beiden nicht kümmern."