Die schöne blaue Welt

Am 12. April 1961, exakt dem Tag, an dem Juri Gagarin zu seiner Erdumrundung startet, finden zwei zwölfjährige Jungs in der brasilianischen Provinz die verstümmelte Leiche einer ermordeten Frau. Gagarins Meldung, die Erde sei blau, und der Anblick der nackten Toten brennen sich in Paulos und Eduardos Seelen ein. "Warum? Wozu? Was ist das für eine Welt?", fragen sie immer wieder. Die Amateurdetektive suchen nun nach Mörder und Motiv und zugleich nach Welterklärung.

Der Journalist und Fernsehmoderator Edney Silvestre verbindet in seinem fiebrigen Debütroman die Realitätsaneignung von Heranwachsenden – das Halbverstandene, die halbgare Sexualität – mit einer politischen Bestandsaufnahme Brasiliens zwischen latentem Rassismus und enormen Klassengegensätzen. Sein Buch entwickelt sich, manchmal an Brechts Fragen eines lesenden Arbeiters erinnernd, zu einem spannenden Streifzug durch ein Land, das sich zum Industriestaat entwickelt, inklusive Korruption und Vertuschung. Kein gemütliches Buch, aber lohnende Lektüre. Alf Mayer

Edney Silvestre: Der letzte Tag der Unschuld
Aus dem Portugiesischen von Kirsten Brandt; Limes Verlag, 344 S., 19,99 €, als E-Book 15,99 €