Schiefergraues Meer

Wenn der Polizist William Wisting ein Standardformular in die Hand nimmt oder einen auf Paragraf 175 der Strafprozessordnung beruhenden Haftbefehl, dann spürt man sofort: Der Autor Jørn Lier Horst füllt diese Formulare selber seit Jahren aus. Der Kriminalhauptkommissar im südnorwegischen Polizeibezirk Vestfold beschreibt sein Berufsleben so präzise und unmittelbar, dass seine Romane als erstklassige Milieustudie taugen. In Jagdhunde flicht er zwei parallele Handlungsstränge kühn, aber gekonnt ineinander. Hauptkommissar Wisting fliegt ein mysteriöser alter Mordfall wegen Ungereimtheiten um die Ohren. Während er, der Fahnder, zum Gejagten von Kollegen und Presse wird, beginnt exakt gleichzeitig seine Tochter mit ihrer Jagd: Die Journalistin ist in einem aktuellen Mordfall an einem Hundebesitzer der Polizei von Beginn an einen Schritt voraus. Jørn Lier Horsts Krimi entwickelt einen erstaunlichen Erzählsog. Kein Wunder, dass er mit Jagdhunde in Skandinavien schon drei Preise abgeräumt hat. Urs Willmann

Jørn Lier Horst: Jagdhunde
Aus dem Norwegischen von Andreas Brunstermann. Grafit Verlag, Dortmund 2013; 381 S., 22,99 €, als E-Book 17,99 €