Der Student hat sich anfangs gewundert. Zu Beginn seines Studiums musste er einige Bücher kaufen. Das ist nichts Besonderes. Doch die meisten Literaturempfehlungen, die er erhielt, kamen von den Autoren selbst – seinen Professoren. Mittlerweile studiert er im fünften Semester Asienwissenschaften in Bonn und hat ein Regal voller Bücher von Hochschullehrern, "die halt Geld verdienen wollen".

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Fast alle Vorlesungen in Deutschland beginnen wie die von dem Studenten, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die Professoren empfehlen stapelweise Literatur – am liebsten ihre eigene. Mit dem Hinweis, die Inhalte seien prüfungsrelevant. Eine der ersten Empfehlungen, die der Bonner Student bekommen hat, ist ein Buch von Reinhard Zöllner, Professor für Japanologie an der Uni Bonn. Er ist ein guter Professor, da sind sich die meisten Studenten einig. Nur die Buchempfehlung fanden viele ärgerlich: Das Buch kostet 15 Euro. Und später stellte sich heraus: Für die Klausur brauchten sie es gar nicht. Die Vorlesung reichte aus. Das Buch sei "Pflichtlektüre", sagt dagegen Reinhard Zöllner. "Die Anwesenheit bei der Vorlesung ist keine Pflicht." Er beziehe sich daher beim Prüfungsstoff auf den Buchinhalt, nicht auf die Vorlesung.

Ein Buch, verpflichtend für alle Studenten – das gehe nicht, sagt die Wiesbadener Rechtsanwältin Sibylle Schwarz. "Professoren dürfen ihre Bücher zwar empfehlen", sagt sie. Aber: "In der Prüfung dürfen nur Vorlesungsinhalte abgefragt werden." Vertritt der Professor in seinem Buch eine außergewöhnliche Position und der Student kennt diese nicht, darf dies für den Studenten kein Nachteil sein. "Man muss keinem Professor nach dem Mund schreiben", sagt Schwarz.

Dass Professoren neben dem Lehrbetrieb Bücher veröffentlichen, ist grundsätzlich gestattet. Es gehört sogar zu ihren Aufgaben und ist an den Unis gern gesehen. "Jede Publikation steigert das Renommee der Hochschule", sagt Schwarz.

Doch reich werden Professoren wie Zöllner mit ihren Büchern nicht. Sie bekommen rund zehn Prozent des Verkaufspreises. Meist ist die Auflage des Buches niedrig, die Anzahl der Studenten gering. Erst an großen Fakultäten mit vielen Studenten kann sich ein Buch lohnen. Vor allem dann, wenn es auch andere Hochschulen als Lehrbuch verwenden. Bei Karl Mosler am Lehrstuhl für Statistik und Ökonometrie in Köln ist das der Fall. Die drei Bücher, die er mit zwei Kollegen geschrieben hat, dienen der Klausurvorbereitung für Statistik. Nicht nur in Köln, auch an anderen Unis nutzen die Studenten die Bücher. Übungen beziehen sich auf die Vorlesungen, in der Klausur werden dieselben Aufgabentypen gestellt wie in den Heften. Mosler widerspricht dem Vorwurf, dass er mit den Büchern Geld verdienen wolle: "Mehrere Tausend Bücher reichen nicht, um reich zu werden." Er habe das Buch aufgrund der steigenden Zahl an Studienanfängern geschrieben. An der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln hätten sich dieses Semester 1100 Studenten eingeschrieben. "Das sind zu viele für einen Hörsaal", sagt Mosler. Die Studenten müssten auf dem Boden und den Stufen sitzen oder gleich vor der Tür bleiben. "Das Buch gibt ihnen die Möglichkeit, zu Hause zu lernen." Ein Besuch der Vorlesung werde damit überflüssig.

"Die Studenten aufzufordern, zu Hause zu lernen statt in einem überfüllten Hörsaal", sagt dagegen Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk, "ist eine Frechheit."

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