Bargeld ist eine feine Sache. Immer noch. Obwohl es etwas anachronistisch daherkommt in dieser Zeit der digitalen und somit körperlosen Dinge. Münzen klimpern, Scheine rascheln, und ein prall gefülltes Portemonnaie bereitet seinem Besitzer ein sehr spezielles Gefühl von Wohlstand, das kein Onlinekontoauszug jemals wird erzeugen können.

Man sollte die Vorzüge des Bargelds neu entdecken. Zugegeben: Die 117 277 polizeilich dokumentierten Fälle von Taschendiebstahl im vergangenen Jahr lassen zweifeln. Gestohlenes Bargeld ist man los. Interessant bleibt aber, dass man Verbrauchern mit genau diesem Hinweis in den vergangenen Jahren zahlreiche bargeldlose Zahlungsmittel schmackhaft gemacht hat, die allesamt ebenfalls Nachteile haben.

Zum einen vernebeln Kunden- oder Kreditkarten nicht nur den Blick auf den finanziellen Status quo, sondern führen auch zu Situationen, in deren Folge man tatsächlich weniger als nichts haben kann. Schulden nämlich. Der Blick in den Geldbeutel ist da die beste Bilanzierungsmethode. Viel drin bedeutet: Ich kann mir etwas leisten. Wenig drin: Ich muss sparen.

Zum anderen hinterlässt jeder Kartenzahler eine verräterische Datenspur. Da mögen die Anbieter elektronischer Zahlungssysteme beteuern, was sie wollen: Diverse Datenskandale haben gezeigt, dass sich eben doch rekonstruieren und verwerten lässt, wer wann wo wie viel für welche Güter oder Dienstleistungen gezahlt hat. Irgendwo sind diese Daten gespeichert.

So entpuppt sich das technisch eigentlich überholte Bargeld als Mittel des subversiven Widerstands. Cash Is King und der einfachste Weg, neugierigen Beobachtern von Werbung, Staat und Geheimdiensten eine lange Nase zu drehen. Wenigstens dann, wenn es um die alltäglichen Konsumgewohnheiten geht. Wer mit Scheinen bezahlt, braucht an keiner Ladenkasse zu verraten, wer er ist. Nichts wird gespeichert, alles bleibt diskret. Bargeld lacht bekanntlich. Und wer zuletzt lacht, lacht am besten.