Wenn Mächtige fallen, können sie sicher sein, dass genüsslich über ihren Absturz berichtet wird: Ihre Fehler werden detailliert ausgebreitet, Exzesse moralisch bewertet. So geht es jetzt dem Brasilianer Eike Batista. Über ihn, der einmal der reichste Mann der Welt werden wollte, wissen wir nun: Er ist mit seiner Öl-, Reederei-, Energieerzeugungs- und Gemischtkonzerngruppe grandios gescheitert. Rund 25 Milliarden Euro hat er verloren und könnte in diesen Tagen zum ersten Schuldenmilliardär (in Dollar) der Welt werden.

Batista musste seinen knallgelben Hubschrauber verkaufen. Seine drei Jets. Seine 54 Meter lange Jacht. Den Mercedes SLR McLaren allerdings, den er in seinem Wohnzimmer in Rio de Janeiro parkt, hat er dem Vernehmen nach behalten.

Die allgemeine Schadenfreude ist groß, verstellt aber den Blick darauf, wer wirklich Schaden nimmt am Sturz des Eike Batista: jene internationalen Investoren, die einem brasilianischen Wirtschaftswundertraum nachhingen, der mühelosen Reichtum zu versprechen schien. Sie und ihre brasilianischen Partner waren beseelt von Batistas Versprechen, dass in Brasilien die Reichtümer nur so schlummerten, dass man bloß zugreifen müsse bei Ölvorkommen und Chancen nutzen müsse bei Infrastruktur und Kulturschätzen.

Der deutschstämmige Unternehmer, der einmal in Aachen Metallurgie studiert hatte, investierte voller Ehrgeiz in all das zugleich und wurde damit nebenbei zum Chefvermarkter des brasilianischen Traums. Präsidentin Dilma Rousseff und ihr Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva zeigten sich gern mit ihm. Batista war es auch, der maßgeblich dafür sorgte, dass die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 nach Brasilien kommen.

Man sagte, Eike Batista habe eine goldene Hand: Als er etwa den Porto do Açu zu bauen begann, einen gigantischen Industriehafen im Norden von Rio de Janeiro, der endlich die Infrastrukturengpässe für die Exportindustrie beheben sollte, begannen die Menschen, ringsherum in Wohnprojekte und Hotels zu investieren.

Jahrelang übersahen seine Bewunderer indes die exzentrischen Seiten des Eike Batista – seinen Aberglauben, seine Besessenheit mit Glückszahlen und dem Buchstaben X, der in jedem seiner Unternehmensnamen vorkommt, seine Begeisterungsfähigkeit für halbseidene Berater und Blender. Man redete nicht viel über die Reinfälle, die es in Batistas Unternehmensimperium gab: Seine Pink Fleet-Partybootstouren führten nicht weit – genauso wie seine Ausflüge in das Bier- und das Jeepgeschäft.