Schon der Ort, den sich CDU und SPD für die erste Runde ihrer Koalitionsverhandlungen über Kulturthemen ausgesucht hatten, sollte wohl etwas darüber aussagen, was wirklich wichtig sein wird in der kommenden Legislatur: Die Politiker trafen sich Anfang November im Bauhaus-Archiv, diesem bedeutenden Museum für Gestaltung in Berlin-Tiergarten. Denn der absehbar nächste große Akt der deutschen Kulturpolitik soll das Bauhaus-Jubiläum im Jahr 2019 werden.

Die Designschule wird dann 100 Jahre alt. Die Verhandlungsführer für den Kulturbereich, Sachsens CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), haben sich auf Eckpunkte bereits geeinigt – Kulturpolitik ist ohnehin eher ein Konsensthema. "Wir sind uns einig, dass das Jubiläum ein riesiges Ereignis wird", sagt Kretschmer. "Wir wollen das so vorbereiten, dass man guten Gewissens feiern kann." Es soll Forschungsprojekte geben, die mobile Installation Bauhaus on the move wird international touren. Und am liebsten würden zudem alle drei beteiligten Bundesländer – Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin – im Jahr 2019 jeweils im eigenen, neu errichteten Bauhaus-Museum feiern.

Das Bauhaus-Jubiläum solle in jedem Fall ähnlich imposant angegangen werden wie das Lutherjahr 2017: "In manchen Gegenden der Welt wird es noch mehr Strahlkraft entfalten als das Reformationsjubiläum", sagt Kretschmer, der auch stellvertretender Unions-Fraktionschef im Bundestag ist. "Das Bauhaus steht für ein positives, innovatives Deutschland. Man kann dafür in Amerika und in Asien für unser Land werben. Es passt zum Gedanken unserer Zeit, nachhaltig und innovativ zu sein."

Das Bauhaus war 1919 in Weimar entstanden und binnen weniger Jahre zur wichtigsten Architekturschule des 20. Jahrhunderts gereift. Künstler wie Paul Klee oder Wassily Kandinsky lehrten hier. Und sie begriffen Architektur immer als Kunst. Als Walter Gropius, der Gründer, sich mit den in Thüringen regierenden Nationalisten zerstritten hatte, wurde die Schule geschlossen und 1925 in Dessau neu aufgebaut. Für kurze Zeit existierte die Institution in Berlin als Privatinstitut weiter. 1960 wurde dort das Bauhaus-Archiv gegründet.