Sie haben es "gern getan", sie hatten "viel Spaß dabei", es war die aufregendste Zeit ihres Lebens. "Hackmesser" nannten sich die Todesschwadronen, die 1965 in Indonesien ausschwärmten und jeden jagten, den sie für einen Kommunisten hielten. Je nach Schätzung starben dabei bis zu zweieinhalb Millionen Menschen, allein auf Bali töteten die "Patrioten" in zwei Wochen 80.000 Bewohner. Heute sind die Täter hoch geachtete Mitglieder der Gesellschaft; die Nachfolgeorganisation der Todesschwadronen, die paramilitärische Pancasila-Jugend, hat drei Millionen Mitglieder, und wenn sie feiern, sitzt der Vizepräsident in der ersten Reihe.

Wie es zu diesem Staatsverbrechen kam, wurde nie ganz geklärt. Ein Gruppe linksnationaler Militärs hatte geputscht und acht Generäle ermordet. Nach einem erfolgreichen Gegenschlag kam General Suharto an die Macht und rief zur Hetzjagd gegen die Kommunistische Partei auf, angeblich die Drahtzieherin des Putsches. Auch die amerikanische Botschaft hatte ihre Hand im Spiel und lieferte Listen mit "Verdächtigen". Nach dem Genozid unterhielt Deutschland freundschaftliche Beziehungen zum Diktator Suharto, denn er hatte ja keine Christenmenschen, er hatte "nur" Kommunisten ermorden lassen.

Der amerikanische Dokumentarfilmer Joshua Oppenheimer hat nun etwas Unglaubliches getan: Er hat in Indonesien die Mörder aufgesucht und sie gebeten, ihre Taten vor der Kamera nachzuspielen, in allen Details. Anwar Congo, der früher in Medan den Schwarzmarkt für Kinokarten kontrollierte, ist die Hauptfigur in seinem Dokumentarfilm The Act of Killing, im Plauderton gibt der freundliche ältere Herr Auskunft über seine "ruhmreiche Vergangenheit".

Anfangs macht er Witze und ist stolz darauf, dass er noch immer das Vorbild der Jugend ist. "Wir fühlten uns damals als Gangster", sagt er, als freie Männer, "born to be free". Die Kommunisten hätten ihnen die geliebten Hollywoodfilme verbieten wollen, und deshalb hätten sie beseitigt werden müssen. Marlon Brando, Al Pacino, John Wayne – diese Helden "waren unsere großen Vorbilder". Tanzend sei man aus dem Kino gekommen, "ich hatte noch den Takt der Filme in mir, ging rüber zu den Paramilitärs und machte Verhöre".

Tausend Menschen hat Anwar Congo als Führer einer Todesschwadron mit eigenen Händen getötet, darunter viele Chinesen. An manchen Tagen habe er jeden Chinesen umgebracht, der ihm auf der Straße begegnet sei, auch den Vater seiner Freundin. Bei den "Hausbesuchen" schnappte man sich die Kinder, hielt ihnen ein Messer an die Kehle und schrie den Vater an: "Liebst du dieses Kind? Dann gesteh, dass du Kommunist bist!"

Aber es habe auch "Probleme" gegeben, bei den Massakern sei zu viel Blut geflossen, es habe gestunken, und es sei lästig gewesen, ständig "den ganzen Dreck wegmachen zu müssen". Danach habe man die Kommunisten nicht mehr totgeschlagen, sondern mit einer Nylonschnur erdrosselt. Anwar Congo macht es vor, er ist stolz auf das saubere Verfahren, er hat es in einem Mafiafilm gelernt. Sorgfältig legt er seinem Freund die Schnur um den Hals. "Dann haben wir einfach gezogen. So lange, bis der Kopf des Kommunisten auf die Brust sackte."

Einmal spielt die Pancasila-Jugend nach, wie ein Dorf niedergebrannt wird, mitten im uniformierten Mob steht der groß gewachsene Anwar Congo, ein dunkel gekleideter Schattenmann, der aussieht, als habe ihn die Hölle wieder ausgespuckt. Eine Massenhysterie bricht aus, alle brüllen durcheinander. "Vernichtet die Kommunisten, löscht sie aus, macht keine Gefangenen, hackt ihnen die Köpfe ab!" Einige Teilnehmer werden beim Brandschatzen ohnmächtig, der stellvertretende Sportminister ist zu Gast, er wirkt irritiert und scheint die ausländischen Kameras zu fürchten. "Wir müssen die Kommunisten ausrotten, aber auf die menschliche Art", sagt er beschwichtigend. Und an den Regisseur gewandt: "Nehmen Sie es als Beweis dafür, wie wütend wir werden können." Man glaubt’s ihm sofort.

Am Flughafen trifft Congo seinen früheren Spießgesellen Adi, die beiden Killer fallen sich um den Hals. Später wird Oppenheimer ihn fragen, ob er Kriegsverbrechen begangen habe. Aber Adi, Taxifahrer von Beruf, bleibt eiskalt. "Kriegsverbrechen?" Was das sei, definierten immer die Sieger. "Und ich bin ein Sieger." Dann fragt er, warum sich alle auf "diese Geschichte" stürzten. Die Amerikaner hätten die Indianer ausgerottet, keiner sei zur Rechenschaft gezogen worden. Ob er Albträume habe? "Nein. Wir hatten das Recht, es zu tun. Der Beweis dafür ist, dass wir nie bestraft wurden."

Anwar Congo aber hat Albträume. Er könne nachts nicht mehr schlafen, weil er Menschen beim Sterben zugesehen habe. Vielleicht seien die Albträume die Rache der Toten? Vergeblich habe er versucht, alles zu vergessen – mit Cha-Cha-Cha, Alkohol und Marihuana. Doch die Toten sind nicht tot. "Die Kommunisten kamen nicht in den Himmel, sie blieben auf der Erde, und ihre Geister verfolgen mich." Er wisse, dass es falsch war – "aber ich musste es tun. Ich habe Leute getötet, die nicht sterben wollten. Wir haben sie alle umgebracht." Einmal, als er einem Opfer mit der Machete den Kopf abgeschlagen habe, hätten ihn die offenen Augen des Toten angestarrt – dieser Blick verfolge ihn noch heute. "Warum habe ich ihm nicht die Augen geschlossen?"