Olympia 2022Nein ist auch keine LösungSeite 2/2

Nicht zufällig waren die frühen Olympischen Spiele der Neuzeit Anhängsel der Weltausstellungen, jener Schaukämpfe der Nationen, die heute tagtäglich auf dem globalen Markt ausgetragen werden. Zu diesem Kräftemessen, welche Gesellschaft, welche Lebensform die beste und erstrebenswerteste sei, gehören neben harter Politik auch symbolische Veranstaltungen, die der Selbstfeier jenseits aller Kosten-Nutzen-Rechnungen dienen. Die Deutschen wollen offenbar – aus gut nachvollziehbaren historischen Gründen – bei beidem lieber nicht mehr so richtig mitmachen. Dabei dünken sie sich etwas Besseres, als Pazifisten, Umweltschützer, Kommerzverächter. Wer aber vor lauter Selbstgerechtigkeit nichts mehr wagt und nie aus sich herausgeht, wird kaum je andere mitreißen und von seiner Art zu leben überzeugen können.

Die Spiele von 1972, aber auch die Fußball-WM 2006 waren solche symbolischen Momente, in denen das Land sich vor den Augen der Welt häutete. Es wäre schade, wenn so etwas hierzulande auf Jahrzehnte hinaus unmöglich sein sollte.

Es stimmt ja: Wer mit den Teufeln vom IOC zum Essen geht, muss einen verdammt langen Löffel haben. Aber nur wer es wagt, sich an diesen Tisch zu setzen, wird dort auch die Sitten verändern können. Die jahrtausendealte Idee vom Sportfest zur Völkerverständigung hat immer noch so viel Charme, dass es sich für sie einzutreten lohnt. Kritisieren wir also unnachgiebig, wie das IOC sie in Sotschi und anderswo zugrunde richtet.

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