Der australische Botschafter hat ihm kürzlich Manschettenknöpfe geschenkt, mit Kängurus darauf. Kängurus, sagte der Botschafter, laufen nur nach vorne, nie zurück.

Christian Wulff will auch nur noch vorwärts. Im Januar möchte er in die Türkei reisen, er hat vor, dort Gespräche zu führen, einige Preise entgegenzunehmen, auch eine Ehrenbürgerschaft.

Vorher aber muss er zurück in die Hölle. Ein letztes Mal, so hofft er.

"Wenn ich den Freispruch habe ...", "Nach meinem Freispruch ...", so fangen derzeit viele Sätze von Christian Wulff an. Der Freispruch, das ist sein Ticket in ein neues Leben. Es ist die letzte Hoffnung, die ihm geblieben ist.

Amt weg, Haus weg, Frau weg, Ruf ziemlich weg, das ist sein gegenwärtiges Leben. Das, was geblieben ist nach dem Rücktritt vom höchsten politischen Amt, das die Republik zu vergeben hat, nach 14 Monaten staatsanwaltlicher Ermittlungen. Tiefer ist kein Politiker zuvor gefallen.

Am Donnerstag beginnt der Prozess gegen Christian Wulff und seinen Freund David Alexander Groenewold vor dem Landgericht Hannover. Vorteilsnahme und -gewährung lautet der Vorwurf. Auf zwölf Seiten hat das Gericht begründet, warum es den Vorwurf der Bestechlichkeit als unbegründet sieht, den die Staatsanwaltschaft erhoben hatte, den Prozess aber trotzdem zugelassen hat. Wulff und seine Anwälte hoffen, dass die Beweisaufnahme zügig abgeschlossen und das Verfahren noch in diesem Jahr beendet wird, weil sich die Vorwürfe als nicht haltbar erweisen.

Bevor es aber besser werden kann, wird es noch einmal schlimmer.

"Angeklagter" Wulff, so heißt es jetzt in den Akten: Als Angeklagter wird Wulff vor dem Gericht sitzen, so wird es in den Bildunterschriften der Zeitungen stehen. Von Donnerstag an werden die Paparazzi wieder vor seinem Haus lauern, und sein Sohn wird fragen: Papa, warum machen die das? Hubert Burda wird vor Gericht als Zeuge erscheinen, seine Gattin Maria Furtwängler und ein paar andere sogenannte Socialites, es wird ein Aufmarsch wie in den Klatschspalten der bunten Magazine, nur dass es diesmal nichts zu feiern gibt.

Christian Wulff hat all das kommen sehen, er nimmt es bewusst in Kauf. Hätte er nicht lieber den Deal abschließen sollen, den die Staatsanwaltschaft angeboten hatte? Einen Schlussstrich ziehen, gegen eine Geldzahlung von 20.000 Euro? Wulff hat sich sehr schnell dagegen entschieden. Er hat seither nie einen Zweifel an dieser Entscheidung erkennen lassen, er ist sicher: Es hat sich gelohnt. Es wird sich lohnen. Er muss das sich und allen anderen zumuten. Nicht für die Öffentlichkeit, sondern für sich. Vielleicht hilft es sogar der Politik, dann hätte alles vielleicht noch etwas Gutes. Wulff klammert sich an diese Vorstellung. Er wäre dann so etwas wie ein Märtyrer.